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"Das Sommerhaus der Stars"
Kimmenbrühe, Dünsteverdacht und Schnapsananas

TV-Show: Hubert Kah und Ilona Magyar gehen freiwillig
TV-Show: Hubert Kah und Ilona Magyar gehen freiwillig FOTO: RTL
Köln. In der Kasalla-Kemenate will auch in der zweiten Folge keine Ruhe einkehren. Dabei könnten die Auslöser nicht harmloser sein: Mangelnde Zigaretten und eine müffelnde Jacke sorgen für wüste Gefühlsausbrüche. Von Anja Rützel

"Du stinkst wie die Jacke von René Weller!" – Wenn Ihnen in nächster Zeit jemand diese neue Trendbeleidigung, die sich zweifellos durchsetzen wird, entgegenbelfert, antworten Sie unbedingt mit einem möglichst schrillen "Du hast meine Familie beleidigt!" sowie einem mehrfach zackig in die Luft gestochenen Mittelfinger. Das ist der inoffizielle "Sommerhaus der Stars"-Gruß, daran erkennen sich die Fans der ersten Stunde dieses neuen Sterns am Trash-TV-Himmel.

Auch die zweite Folge der Urlaubs-WG des Grauens überzeugte nämlich mit Top-Dramaturgie und köstlichen Eskalationen. Ein hübscher Einfall schon mal, die Rausgewählten der vergangenen Sendung  – Rocco und Angelina – nicht sofort mit ihren Köfferchen eingeschnappt davonrollern zu lassen, sondern sie noch eine Nacht im Haus zu behalten, damit sich der Wutzuber bis zum letzten Tropfen über die beiden Krawallknutscher ausleeren kann. Herrlich vor allem Hubert Kahs Aufschwingung zum Grusel-Patriarchen: "Rocco, geh jetzt ins Bett!" herrschte er durchs Wohnzimmer, als sei der Angesprochene ein trotziger Dreijähriger im Frottee-Schlafanzug.

Fotos aus dem Sommerhaus FOTO: RTL / Stefan Menne

Wohnzimmer-Psychologen konnten dann wohlig beobachten, wie die angebliche Freundschaft des Maklerehepaars Posth zu den Ausgestoßenen immer mehr zusammenschnurzelte: Vom "Wir sind Freunde" der Auftaktsendung zu "Wir haben uns dreimal gesehen" auf "Wir waren einmal zusammen essen." Als wäre die Freundschaft eine leichte Grippe, die schon wieder vergeht, wenn man nur lange genug wartet.

WG-Schnüffler Legat

Allerdings durfte man sich mit diesem Befund nicht zu lange aufhalten, um nicht die neuesten Blüten der unablässig Triebe schlagenden Selbstliebe des Thorsten Legats zu versäumen. "Sie ist der zweite Thorsten Legat", sagte der nämlich stolz über seine Frau, und vermutlich ist das wirklich die größte Liebeserklärung, die er sich vorstellen kann. Umso mehr, nachdem das doppelte Legatchen in dieser Folge bei sämtlichen Spielen (umgekehrter Bungee-Sprung, Bierkrugstemmen, Blindeinparken) souverän siegt. 

Fotos: Europapokalsieger, Promiboxen, Amateur-Trainer FOTO: Jürgen Moll

Leider hat Legat nicht nur ein prächtig geschwollenes Ego, sondern auch ein feines Näschen, weshalb er mühelos die Quelle eines ominösen Muff- und Stockwäschegeruchs ausmachen konnte: Ausgiebig beschnüffelte er die Jeansjacke von Renè Weller und animierte auch andere Bewohner zum Schnuppern, um zu dem Ergebnis zu kommen: "Hier stinkt doch was!". Woraufhin Wellers Frau komplett die Nerven verliert und sich als "sehr, sehr gute Hausfrau" beleidigt sieht.

Überhaupt habe ihr René noch niemals in seinem ganzen Leben gemüffelt, im Gegenteil: "René hat so einen ganz tollen Eigengeruch." Und: "Dieser Mann hat beim Boxen 120 Mal Deutschland vertreten. Man sollte sich vorsehen, Legenden zu beleidigen." Duschen müsse er wegen einer ganz simplen Tatsache auch nicht, beschied der Dünste-Verdächtige: "Ich schwitze nie, weil ich so viel trainiere, dass ich gar nicht schwitzen kann." Niedlich allerdings, wie die beiden sich in ihrem Stockbett zur Ruhe legen: "Gute Nacht, Schnupsel", sagt die Nichtschwitzlegende.

Das schöne und für Trash-TV-Formate ungewohnte am "Sommerhaus": Es gibt quasi keine Statisten, kein Kandidaten-Füllmaterial – jeder kann eigentlich jeden Moment ausflippen. Prädestiniert dafür ist natürlich Hubert, der schon mal spontan die Nationalhymne singt, während er seine Freundin Ilona bekuschelt. "Ich finde, man sollte heute eine Ananas zu sich nehmen", verkündet er dann, am liebsten in Rum getränkt. Wegen seiner Tabletten könne er nämlich keinen Wein, sondern nur klare Spirituosen zu sich nehmen. "Ich bin leider in der blöden Situation, dass ich auf Schnaps angewiesen bin", bescheidet er, und das können schwachnervige Sommerhaus-Zuschauer dann aus vollem Herzen mitsprechen. 

Promi-Pärchen parken ein

Zumal dramaturgisch-handwerklich geschickte Einfälle dafür sorgen, dass das Kasalla-Level nicht absinkt. Zum Beispiel der Wettbewerb "Blind einparken": Die Frau dirigiert, der Mann fährt mit verbundenen Augen. "Was verstehst du nicht an geradeaus?", blafft denn auch sogleich Angelina Makler Alex an, "du bist so dämlich!". "Enttäusche mich doch jetzt nicht, fahr rein!", kreischt Maria. Auch Wurst-Mann Chris hatte am Steuer zu kämpfen und vor allem zu schwitzen: "Mir lief die Brühe von oben bis in die Kimme." Nur Thorsten zeigte sich bizarr zahm und gelassen. "So, Schatz? Schatzi, sag!", vergewisserte er sich bei seinen Rückfahrversuchen stets bei seiner dirigierenden Frau, und die beiden gewannen auch dieses Spiel souverän.

Dschungelcamp: Das machen die Stars heute FOTO: RTL

Leider musste das Sommerhaus dann noch einen schweren Verlust seines Plemplem-Potenzials verkraften, denn das Kah-Paar zog freiwillig aus – weil Ilona keine Zigaretten mehr hatte und ob dieses Umstands so sensationell am Rad drehte, dass ihr Ausbruch für künftige Paffer abschreckender wirken dürfte als die gruseligsten Offene-Beine-Fotos auf den Kippenpackungen.

Zwei Flaschen Sekt dürften ihr Übriges dazu getan haben, dass die Nikotinlose keifend durch das Haus zog, wild Stinkefinger an die Produktion verteilte, verkündete, nach Australien auswandern und ihren eigenen Tabak anbauen zu wollen und dann final zu verkünden: "Ich bin Waage, das ertrage ich nicht. Ganz Deutschland kann mich am Arsch lecken." Vor dem gemeinsamen Auszug will Hubert aber erst noch einen Sessel zertrümmern und kurz ein Liedchen singen – bizarrerweise "Maria Magdalena" in einer verschrullten Spoken-Word-Version.

Thorsten Legat kann ein solches Gebaren natürlich nicht verstehen: Wie kann man sich nur so gehen lassen? "Mein Niveau ist der Stolz meines Lebens.", spricht er kalenderspruchreif. Schön, dass bis zur nächsten Folge genügend Zeit bleibt, um in Kombination mit seinem Namen ausführlich die Stichworte "Samuraischwert" und "war im Wald scheißen" zu googlen.

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