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RTL-Show
"Supertalent"-Finale: Menschen, Tiere und Senioren

Jay Oh ist das "Supertalent" 2015
Jay Oh ist das "Supertalent" 2015 FOTO: RTL/Stefan Gregorowius
Düsseldorf. Im Finale der RTL-Show "Das Supertalent" gab es einigen Anlass, sich zu wundern, nicht nur über den bayrischen Augenroll-Jodelmann. 

Wir müssen uns Bruce Darnell und Inka Bause als glückliche Menschen vorstellen. Der geringste Anlass, der schlichteste Vortrag wurde von den beiden Jurymitgliedern bei der Finalsendung von "Das Supertalent" hysterisch belacht und -jubelt, als seien die beiden zwei Teenager in ihrem ersten Schaumweinrausch. Ausgerechnet Dieter Bohlen sorgte gelegentlich mit etwas Krittelei für ein gewisses Maß an Realitätsnähe.

Die ist bei einer Show wie dem "Supertalent" dringend vonnöten, denn die Jury hat große Macht: Mit dem Betätigen eines goldenen Buzzers konnte jedes Mitglied in den Vorrunden seine Favoriten direkt ins Finale schicken. Und da wurden, was man nun in der wie ein Unterhaltungs-Eintopf bunt zusammengeschütteten Endsendung sah, durchaus auch erratische Entscheidungen getroffen.

Etwa beim bayrischen Augenroll-Jodelmann, den Darnell nach eigenem Bekunden nur darum  buzzerte, weil er doch schon älter und "sehr sehr nett" sei - die Darbietung von "Mei Vater is an Appenzeller" war dann auch eher mittelprächtig, woran auch eine Feuerwerksfunken sprühende Gitarre und ein an einen schlechten LSD-Trip erinnerndes Bühnenbild nichts änderten.

Den Auftritt eines Trios, das auf elektrischer Geige und Cello fiedelte und gesanglich eher ungut röhrte, fand wegen der begleitenden Monströs-Lichtschau auch nur die frappant naiv wirkende Jurorin Bause modern: "Wenn man euch in so nen ,Berghain'-Schuppen stellen würde in Berlin, da passt ihr hin!". Äh - nein.

"Drei kleine Engels" für Bruce Darnell

Reiz und Crux gleichzeitig ist beim "Supertalent" ja der Versuch, Äpfel nicht nur mit Birnen, sondern auch noch mit Pflaumen und Salatgurken zu vergleichen: Wie kann man bewerten, ob nun das Talent eines Akrobaten oder eines Sängers "besser" und "superer" sei? Zu vergleichen waren etwa: Kleine Mädchen mit interessanten Klöppelinstrumenten (Darnell: "Drei kleine Engels auf so eine Maschien!", Bohlen: "Wo ist jetzt das Cis, verdammte Scheiße?"), eine 81-Jährige, die sich bei einer Salsa wüst herumschleudern und -schlenkern ließ, und eine klamauköse, an ambitionierte Dorf-Faschingsauftritte erinnernde Turn-Interpretation von Schneewittchen und die sieben Zwerge.

Das "Supertalent": Sexy Tänzer scheitern an der Jury FOTO: RTL/Stefan Gregorowius

Einen fraglosen, echten Fauxpas leistete sich RTL, als zum Auftakt der Sendung drei Kinder auf die Bühne kamen, die als Jury-Doppelgänger hergerichtet waren - wobei man als kleines Darnell-Double einen weißen Jungen kurzerhand und völlig daneben schwarz angemalt hatte. Dagegen sah man dann selbst die aus der Zeit gefallenen TV-Ballettfrauen in ihren knappen Puschelhöschen als milde Verwirrung.

Am Ende, nach vier durchaus zähen Stunden, stand es bei der Wahl durch das Fernsehpublikum dann Mensch gegen Tier: Wer sollte obsiegen. Sänger Jay, der dem Mythos nach eigentlich nur im "Supertalent"-Publikum saß und mehr zufällig auf die Bühne geriet, oder Kandidat Erwin mit seinen dressierten Seelöwen Itchy und Scratchy.

"Wer hätte gedacht, dass Seelöwen so intelligent sind?", fragte Bruce Darnell, mutmaßlich schon wieder den Tränen nah. "Jeder durchschnittlich aufmerksame Zirkusbesucher", lautet die Antwort, die man ihm vom heimischen Sofa aus zuplärren mochte. Wie so oft behauptete sich der Mensch: Jay, der vielleicht besser zu "Deutschland sucht den Superstar" gepasst hätte, ist das Supertalent 2015.

Bestens in Form war bei alledem glücklicherweise Moderator Daniel Hartwich, der den einen oder anderen Klopper raushaute - und etwa einen Bauchredner mit Schimpansenpuppe so ankündigte: "Mit einem sehr süßen, sprechenden Äffchen aufzutreten, das kenne ich persönlich von ,Let's dance'". 

Fotos aus der Finalsendung sehen Sie hier

(arü)
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