| 21.57 Uhr
"Das Supertalent" bei RTL
Dass jeder was kann, ist ein Gerücht
"Supertalent" - die Kandidaten
"Supertalent" - die Kandidaten FOTO: RTL
Düsseldorf (RPO). RTL scheint völlig im Casting-Rausch zu sein: Nicht nur, dass schon wieder für "Deutschland sucht den Superstar" gedreht wird, jetzt sucht der Sender auch noch nach dem Supertalent. Fazit nach Folge eins: Talente gibt es kaum zu sehen, dafür aber schrecklich viele Menschen mit Ego-Problem. Von Barbara Grofe

Wer zu leichtem Menschenhass neigt, sollte an den kommenden zwei Samstagabenden um RTL herumzappen. Beim castingerprobten Sender RTL wollen Dieter Bohlen, Ruth Moschner und Andre Sarrasani das Supertalent finden. In welcher Kategorie, ist völlig wurscht: Es gibt Bauchredner, Dirndl-tragende Volksmusikerinnen, Hundedompteure, Bollywood-Tänzerinnen und Baby-Jonglierer. Alles geht – wenigstens für drei Minuten. Denn: Jeder kann doch etwas.

Drücken zwei der drei Jurymitglieder auf den Buzzer, muss der Bewerber gehen – drücken sie nicht, ist der Teilnehmer eine Runde weiter.

Wie zum Beispiel der kleine Udo, Harry-Potter-Lookalike und Mark-Medlock-Fan, der "Eternal Flame" von den "Bangles" so singt, dass Dieter Bohlen eine Gänsehaut bekommt (Apropos: Der unvermeidliche Mark Medlock steht später selbstverständlich auch auf der Bühne). Weiter ist auch Tobias, der Trompete spielt wie der sehr junge Stefan Mross und das "R" so schön rollt wie die etwas ältere Caroline Reiber.

Da ist auch Pizzabäcker Gino aus Gütersloh. "Supertalent ist meine letzte Chance", sagt der Italiener vor seinem Auftritt in die Kamera - und singt dann Puccinis "Turandot" tatsächlich ein bisschen wie Luciano Pavarotti. Für das Ömchen, das "Du kannst nicht immer 17 sein" singt und dabei mittelmäßig gekonnt auf dem Bühnenboden herumrutscht, reicht es nicht. Trotz Liebeserklärung von Dieter Bohlen.

Vielleicht tröstet ja Moderator Marco Schreyl, der nach den Auftritten im Backstage-Bereich herumturnt: "Ich verspreche Ihnen, übermorgen, ganz sicher, da sind Sie berühmt." Das Ömchen lächelt, freut sich offensichtlich. Immerhin etwas.

Auch nach einer knappen Stunde ist noch nicht wirklich klar, was genau RTL da sucht. Klar, das Supertalent – aber zwischen Bauchtänzern, Bauchrednern und Bauchhabern den Richtigen herauszufinden, ist doch so, als wollte man Äpfel mit Birnen mit Trauben vergleichen. Dass man sich einmal "Deutschland sucht den Superstar" zurückwünschen würde, war nun wirklich nicht abzusehen, ist aber so.

Etwas wie schön sind nur die unerwarteten Momente – wenn die Mädchen, die einen Bollywood-Tanz aufführen, ihre Socken auf der Bühne wieder anziehen, wenn die zwei Omas aus Bremen unglaublich gelenkiges Zeug auf den Bänken vorführen, wenn der Gütersloher Pizzabäcker "Turandot" schmettert.

In der nächsten Woche geht es weiter mit der verzweifelten Suche. Doch schon nach Folge eins steht fest: Dass jeder etwas kann, ist nur ein Gerücht.

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