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Hans-Jürgen Tögel
Der Erfolgsregisseur, den niemand kennt

Mit "Schwarzwaldklinik" und "Traumschiff" erreichte Tögel vier Milliarden Zuschauer. Am Montag wird er 75 Jahre alt.

Herr Tögel, Sie sind wohl der erfolgreichste deutsche Fernsehregisseur, aber außerhalb der TV-Branche kennt Sie praktisch niemand.

Tögel Ich habe viele Jahre lang umgesetzt, was sich kreative Köpfe wie Helmut Ringelmann, Produzent von Serien wie "Derrick" und "Der Alte", oder Wolfgang Rademann, Erfinder von "Schwarzwaldklinik" und "Traumschiff", ausgedacht haben. Sie waren die Schöpfer, ich war der Réalisateur, wie die Franzosen sagen würden. Es hat mich zwar nie gestört, im zweiten Glied zu stehen, aber trotzdem habe ich auch deshalb meine Autobiografie geschrieben.

Waren Ihnen wie Rademann viele Zuschauer lieber als gute Kritiken?

Tögel Ich habe Fernsehspiele mit einigen der größten deutschen Schauspieler gemacht, von Carl-Heinz Schroth bis Gert Fröbe, und unter anderem 1981 "Amphitryon" gedreht. Die Kritiken waren hervorragend, die Einschaltquote weniger, sie betrug nur vier Prozent. Bei der Schwarzwaldklinik waren es 64 Prozent, allerdings gab es dafür nur Verrisse. Aber das war mir egal.

Dann war es kein Zufall, dass Sie nur fürs Fernsehen gearbeitet haben?

Tögel Ich wollte die Welt sehen und nicht bloß alle zwei Jahre einen Film machen, und das war in meiner Anfangszeit als Regisseur nur beim Fernsehen möglich. Aber ich bereue das nicht. Wenn man die Zuschauerzahlen aller meiner Arbeiten addiert, ergibt das vier Milliarden Menschen, die meine Filme gesehen haben. Ich habe derart viel gedreht, dass es zeitweise sogar Gerüchte gab, "Tögel" sei ein Pseudonym, hinter dem sich mehrere Regisseure verbergen.

Sie haben sich bei Ihren Drehs auch mit Raubtieren angelegt.

Tögel Ja, das ist wahr. Unter anderem hatte ich bei den Dreharbeiten zu einer "Schwarzwaldklinik"-Folge eine schmerzhafte Begegnung mit einem Löwen, der mir ein Stück Fleisch aus der Wade gerissen hat. Wobei ich gestehen muss, dass ich vor lauter Adrenalin gar keine Schmerzen hatte. Kurz zuvor wäre ich beinahe von einer Boa constrictor erwürgt worden. Ich wollte einer Schauspielerin vormachen, wie man mit der Schlange um den Hals tanzt, hatte aber nicht bedacht, dass es zu kalt für das Tier war, das sich dann sozusagen an mich gekuschelt hat. Ich hatte viel Glück in meinem Leben, meine Schutzengel waren schon in meiner Jugendzeit stark beschäftigt.

Waren die eifersüchtigen Ehefrauen der männlichen Stars, von denen Sie berichten, auch eine Gefahr?

Tögel Nicht für mich zumindest, aber das ist zum Glück ebenso Vergangenheit wie die "Besetzungscouch". Mir ist es auch mal passiert, dass sich ein junges Ding vor meinen Augen entblättert hat. Ich habe das als sehr grotesk empfunden, aber gerade in den Sechzigern gab es viele attraktive Frauen, die auf diese Weise Karriere gemacht haben.

In den Achtzigern haben Sie mit der "Schwarzwaldklinik" regelmäßig bis zu 25 Millionen Zuschauer erreicht. Waren das die goldenen Jahre des Fernsehens?

Tögel Ja, und das lag nicht nur an Männern wie Ringelmann und Rademann, sondern auch an den Sendern. Da saßen Menschen mit Visionen, die für ihre Projekte brannten. Viele Redakteure betrachten ihre Arbeit heute nur als Job, es mangelt ihnen an Sensibilität. Im Grunde könnten sie auch in anderen Branchen Karriere machen. Wenn ich so etwas sehe, frage ich mich oft: Welchen Beruf schwänzt der eigentlich?

Was hat sich seit jener Zeit stärker verändert: Filme oder Zuschauer?

Tögel Die Zuschauer; und deshalb die Filme. Früher reichte es, wenn Maria Schell auf der Leinwand weinte, dann hat das ganze Kino mitgeheult. Heute haben gerade die jungen Leute eine ganz andere Emotionalität. Die erfolgreichsten Kinofilme sind teure Materialschlachten aus Hollywood. Wir haben damals dafür gesorgt, dass sich die Gewalt in der Fantasie der Zuschauer abspielt, das war viel wirkungsvoller. Das Bedürfnis nach Spannung hat so stark zugenommen, dass der Krimi mittlerweile eine Art Lebenselixier für die Deutschen ist.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE TILMANN P. GANGLOFF.

Quelle: RP
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