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Kultshow aus den 90ern
"Der Preis ist heiß" kehrt zurück

"Der Preis ist heiß" kehrt 2017 zurück - RTL wagt Neuauflage der Kultshow
Wolfram Kons soll die Wiederauflage der Show moderieren. FOTO: dpa, hka ink kde pil
Köln. Vor 25 Jahren standen Harry Wijnvoord und Walter Freiwald in einer knallbunten, blinkenden Kulisse und brachten Fernseher, Kühlschränke und Gartenmöbel unter die Leute. "Der Preis ist heiß" gilt heute als Kult und ganz schön 90er. RTL wagt nun eine Neuauflage.

"39!", "29!", "50!", "Weniger!", "Mehr!". Es ist ein wüstes Geplärre, das durch das Studio in Köln-Ossendorf dröhnt. Das Publikum brüllt, als ginge es nicht um eine - ja tatsächlich - Küchenwaage mit "großer Wiegefläche" und die Frage, was das verdammte Ding wohl kostet. Sondern um das nackte Überleben. Vorne steht Moderator Wolfram Kons und grinst. Gerade ist eine totgeglaubte Show wiederauferstanden.

Wer vor etwas mehr als 20 Jahren an irgendeinem Vormittag den Fernseher laufen hatte, dürfte "39!" oder "Weniger!" als vertraute Geräuschkulisse wahrnehmen. Es ist der Sound von "Der Preis ist heiß", einer Show, in der es darum geht, den Preis eines bestimmten Produktes richtig zu schätzen. 1989 bis 1997 lief das Format bei RTL, moderiert vom rundlichen Niederländer Harry Wijnvoord, veredelt vom schwafelnden Walter Freiwald, der die zu gewinnenden Waschmaschinen und Gartenmöbel in den höchsten Tönen lobte.

Rückkehr ohne Kult-Moderatoren

Wijnvoord und Freiwald bleiben vorerst Geschichte. Aber "Der Preis ist heiß", der kommt ab Montag (9. Oktober, täglich 17.45 Uhr, RTLplus) zurück. "Familien Duell", "Ruck Zuck", "Jeopardy!" und "Glücksrad" haben RTL und sein Kanal RTLplus bereits reaktiviert. Nun wagen sie sich an die Show, die vielleicht wie keine andere für eine Zeit steht, in der forsche Privatsender auftrumpften, in der Konsum und Take That angesagt waren und in der noch kein Mensch Angst um den Diesel hatte. Kurz: die 90er. Die Frage: Kann das funktionieren?

Der sichtbarste Unterschied ist die Besetzung der beiden Moderatoren-Jobs. Es ist zugleich der heikelste, da "Der Preis ist heiß" ewig lief und schrullige Rituale hatte. Ständig warnte Wijnvoord seine Kandidaten: "Aber nicht überbieten!". Ohne niederländischen Zungenschlag ist der Satz eigentlich undenkbar. Der neue Wijnvoord heißt nun Wolfram Kons, er kommt aus Düsseldorf. Bei RTL präsentiert er unter anderem das Morgenmagazin "Guten Morgen Deutschland" und den "RTL-Spendenmarathon". Ihm wird Thorsten Schorn zur Seite gestellt, bekannt etwa als Reporter bei "Stern TV" und Stimme von "Shopping Queen" (Vox).

Viel Retro-Charme

Wer die Aufzeichnung der Show in Köln-Ossendorf verfolgt, erkennt allerdings ganz gut, wie sich der Sender das Revival vorstellt: Auffrischung wo nötig, aber Retro-Charme wo möglich. Das Studio hat allen technischen Schnickschnack, greift aber die Jahrmarkt-Optik von früher auf. Die Gewinne sind aus der Neuzeit, werden aber in den Spielen von damals vergeben. Und am Ende erzählt Schorn wie einst Freiwald eine komplett abstruse Geschichte, in der alle im Finale vertretenen Produkte auftauchen.

Kons arbeitet ebenfalls mit Zitaten von damals. Er lässt sich etwa zu Beginn von einer Assistentin das Mikro bringen - eine Geste, die schon Wijnvoord kultivierte, inklusive eines Plauschs ohne für den Zuschauer hörbaren Inhalt, über den aber am Ende beide lachten. Überhaupt geht der Nachrichten-Mann Kons in der Rolle als Spielleiters sichtlich auf. "Das Schöne ist: Geschenke machen Sie sich jetzt selber!", sagt er, als ein Kandidat an der Reihe ist, der an diesem Tag Geburtstag hat. Alte Showmaster-Schule.

Zwischen Kirmes und Kapitalismus 

Den alten Triebkräften der Show lässt er zugleich freien Lauf - das Publikum wird in eine Stimmung zwischen Kirmes und Kapitalismus versetzt. Jeder im Studio kann Kandidat werden, wenn er aufgerufen wird. Deswegen haben alle ein Namensschild und rufen und klatschen wie wild. Bei der Aufzeichnung heißen die Leute Heidi, Günther, Guido oder Inge. Selbst das erinnert an die 90er.

"Reisen sind beim Publikum wahnsinnig beliebt. Eine Karibik-Reise ist das Größte. Kreuzfahrten sind auch sehr gefragt. Aber natürlich auch das "nigelnagelneue" Auto", berichtet RTLplus-Leiter Jan Peter Lacher über die gefragtesten Preise. Die Stimmung kippt allerdings auch nicht, wenn am Ende nur ein Katzentrinkbrunnen auf der Habenseite steht. Lacher nennt das dann "ein Hauch von Schrottwichteln".

Klar ist, dass noch viel gewichtelt werden müsste, um das Original einzuholen. Das brachte es einst auf 1873 Folgen.

(mro/dpa)
 
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