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Hamburg
Der Traum vom besseren Leben

Hamburg. Die Doku "Wir Nachkriegskinder" zeichnet die Aufbruchsjahre anhand prominenter Schicksale nach.

Es ist die Generation, die unser Land bis heute prägt. Nach dem Krieg galt es, sich neu einzurichten und die Schatten der Vergangenheit dabei allzu oft auszublenden. Die Dokumentation "Wir Nachkriegskinder - Leben in Trümmern" erzählt von dieser Generation, ihren Hoffnungen und Sorgen. Viele Kinder der Zeitenwende hatten Traumatisches erlebt, über das sie lange nicht sprechen durften oder konnten. Welchen Preis zahlten sie für den raschen Weg in einen bescheidenen Wohlstand oder eine angeblich klassenlose Gesellschaft? Viele wuchsen vaterlos auf, von klein auf mussten sie lernen, auf eigenen Beinen zu stehen und sich oft selbst um ihr Überleben kümmern. Andere fühlten sich als Flüchtlingskinder fremd in ihrer neuen Heimat. Und doch war es für die meisten auch eine schöne Zeit, geprägt von Zuversicht und Improvisationsgeist.

Die zweiteilige Dokumentation, die den Programmschwerpunkt zur Nachkriegszeit umrahmt, zeichnet die bewegten und aufregenden Jahre des Aufbruchs am Beispiel prominenter Erfahrungsberichte nach, die einen verblüffenden Einblick in die kaum bekannten Kindheitsgeschichten bekannter Persönlichkeiten eröffnen. So mussten die Schauspieler Peter Sodann, Winfried Glatzeder, Fritz und Elmar Wepper ohne ihre im Krieg vermissten Väter heranwachsen, die späteren Filmstars Ingrid van Bergen und Eva-Maria Hagen einen Teil ihrer Kindheit in Flüchtlingsquartieren verbringen.

Aber die Erinnerungen an die Zeit sind nicht nur negativ besetzt. "Nein, in meiner Erinnerung ist das eine Zeit, die ja im Aufbruch war, nicht so sehr von Tränen bestimmt, sondern von dem Willen, alles wieder neu aufzubauen, was da zerstört ist, auch menschlich", sagt Fritz Wepper. "Es war eine positive Zeit. Mein Bruder und ich haben immer gespielt, vor der Schule, nach der Schule, in der Schule, auf dem Schulweg." Und sein Bruder Elmar hat immer noch den Geschmack von Hershey-Schokolade auf der Zunge, die er als Kind von amerikanischen Soldaten manchmal geschenkt bekommen hatte. "Das schmeckte so gut wie nichts auf der Welt. Die Amis, die GI's, das waren schon unsere ,Heroes' irgendwie."

Marie-Luise Marjan, die "Mutter Beimer" der "Lindenstraße", erfuhr erst mit 16, wer ihre leiblichen Eltern waren. Auch Michael Degen wuchs ohne Vater auf, der dem Massenmord an den Juden zum Opfer fiel. Deutschlands erstes Top-Model Vera von Lehndorff, Künstlername "Veruschka", und auch die erste Moderatorin der "heute"-Sendung, Wibke Bruhns, wurden in den 50er Jahren als "Verräterkinder" gebrandmarkt, weil ihre Väter nach dem Attentat auf Hitler hingerichtet worden waren. Uwe Seeler und Helmut Markwort betrachten die 50er Jahre aus der Warte des Spitzensportlers und des Journalisten. Illustriert werden diese Lebensberichte von Filmbildern dieser Zeit und animierten Zeichnungen.

"ZDFzeit: Wir Nachkriegskinder - Leben in Trümmern", ZDF, 20.15 Uhr

Quelle: RP
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