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Verleihung in Köln
Deutsche Comedy-Branche feiert sich selbst

Deutscher Comedypreis 2016 - Lustige Menschen auf dem roten Teppich
Deutscher Comedypreis 2016 - Lustige Menschen auf dem roten Teppich FOTO: dpa, hka gfh
Köln. In Köln wurde am Dienstagabend die Verleihung des Deutschen Comedy-Preises ausgetragen. Die Sendung extra3 (NDR) wurde als beste Satire-Show ausgezeichnet. An der Unabhängigkeit der Jury kommen indes Zweifel auf. Von Beate Wyglenda, Köln

Wenn sich die deutsche Humorbranche zum Deutschen Comedypreis trifft, gleicht das einem Klassentreffen: Jahr für Jahr die gleichen bekannten Gesichter. Es gibt die schüchternen Pullunder-Träger, das sexy Alphaweibchen und die aufgedrehte Ballermann-Sängerin. Kurz: Es trifft sich, worüber Fernseh-Deutschland lacht. Und das, worüber die Zuschauer besonders lachen, konnte in Köln die begehrte Trophäe abstauben. In zwölf Kategorien wurde das metallische Ei verliehen.

Carolin Kebekus durfte sich wie schon im Vorjahr gleich doppelt freuen: In der Kategorie "Beste Komikerin" schnappte das sexy Schandmaul den begehrten Preis Mirja Boes und Enissa Amani vor der Nase weg. Wenig überraschend: Zum vierten Mal in Folge sahnte sie damit den Preis nun ab. Und die derbe Comedy-Schönheit kam gar nicht von der Bühne weg. Nach mehreren Lobreden für ihre Kollegen, konnte sie sich am späten Abend ebenfalls noch einmal feiern lassen: PussyTerror TV (WDR) wurde zur besten Comedyshow gewählt. Damit gelang Carolin Kebekus erneut ein doppelter Coup: Denn auch 2015 hat sie das metallische Riesen-Ei für das Erfolgsformat mit nach Hause genommen.

Deutscher Comedypreis 2017: Das sind die Gewinner FOTO: dpa, gki

Zumindest die Moderation des Comedypreises hat Kebekus nach zwei Jahren aus den Händen gegeben. Durch den Abend führte stattdessen erstmals Max Giermann, der allen voran in seiner Paraderolle als Klaus Kinski glänzte. Abräumer Nummer zwei war Dieter Nuhr. Mal wieder, wohlgemerkt. Er wurde gestern zum inzwischen vierten Mal zum "Bester Komiker" Deutschlands gekürt. Insgesamt hat er schon fünf Eier in der Vitrine stehen. Pech für Mitstreiter Luke Mockridge und Ralf Schmitz.

Satire räumt ab

Doch auch einem Preisträger wie Dieter Nuhr plagen Bedenken, wie er in seiner Laudatio für die Auszeichnung "Beste Satire-Show" preisgab. "Ich hatte schon Sorge, dass wir die Beste-Satire-Show nicht auszeichnen dürften, denn bis vor Kurzem schien es, als sei Satire nicht mehr erlaubt", sagte der Komiker. "Natürlich geht auch in der Satire nicht alles, Satire darf zum Beispiel keine Ziegen ficken; da habe ich mich informiert." Den Preis räumte die Satiresendung extra3 (NDR) ab, die mit dem Lied über den türkischen Präsidenten Erdogan "Erdowie, Erdowo, Erdogan" im März für Furore sorgte. Das Neo Magazin Royale (ZDFneo) und die heute-show (ZDF) gingen leer aus. Dankend nahm extra3-Moderator Christian Ehring den Preis entgegen. Der sei ein Trost. "Unsere Beziehung zu Erdogan ist nun leider abgekühlt", sagte er. "Aber gut, wir sind ein kleines Satire-Magazin, er ist der größte Komiker seines Landes."

Als "Beste Sketch-Show" wurde "Sketch History" ausgezeichnet, die vom Urzeitmenschen bis zu den wilden 70ern alles verulkt, was zum Kanon der Menschheitsgeschichte gehört. "Beste Stand Up-Show" 2016 darf sich nun "NightWash" (ONEI) nennen. Unter stehenden Ovationen wurde Klaus-Jürgen "Knacki" Deuser auf die Bühne gebeten, der die Fernsehshow elf Jahre lang moderiert hat. "Wir haben schon Stand-Up-Comedy gemacht, als der Begriff noch nicht bekannt war. Und wir werden weitermachen", sagte er stolz.

Fotos: Deutscher Comedypreis 2015: alle Gewinner FOTO: dpa, hka

"Der Tatortreiniger" setzte sich als "Beste Comedyserie" durch. Zwar konnte Tatortreiniger Schotty (Bjarne Mädel) aufgrund eines "Einsatzes" nicht persönlich die Trophäe abholen, aus einem Wasserbecken heraus dankte er jedoch für die Ehrung. "Was soll ich sagen, Arbeit ist die wärmste Jacke", entschuldigte er sein Fehlen.
Auch Mario Barth holte seine Auszeichnung als "Bester Live-Act" nicht persönlich ab. "Er wollte gerne kommen, aber er hatte keine Lust", scherzte Laudator Olaf Schubert. Vielleicht werden Mario Barth die ständigen Besuche im Kölner Coloneum – es ist inzwischen sein zehnter Preis – langsam auch einfach zu stressig. Per Live-Schaltung dankte er dann aber doch dafür.

Atze Schröder ließ sich den Applaus nicht entgehen: "Wir hatten eben die beste Comedyserie geehrt, nun kommen wir zum tatsächlich besten Comedy-Programm", scherzte er, als er seine Trophäe für das "Bestes TV-Soloprogramm" für "Atze Schröder live! Richtig Fremdgehen" (RTL) abholte.

Die neue Generation Comedy

Als "Beste Innovation" setzte sich die Dramedy-Serie "Familie Braun" (ZDF) gegen "Das Lachen der Anderen" (WDR) und "Ponyhof" (TNT Comedy) durch. "Als wir damals anfingen, sagte man uns, zwei Nazis und ein Kind, das will doch keiner sehen. Macht doch lieber eine schöne Folge Traumschiff", sagten die Hauptdarsteller Vincent Krüger und Edin Hasanović. "Gut, dass sich diese Leute geirrt haben."

Ganz ohne vorherige Nominierung vom Veranstalter, der Köln Comedy Festival GmbH, gesetzte Preise gab es in den Kategorien "Bester Newcomer" und "Sonderpreis", der dieses Jahr den "Ehrenpreis" ersetzt. "Bester Newcomer" wurde Chris Tall, der vor allem als mehrfacher Gast in Stefan Raabs Sendung TV Total Bekanntheit erlangte. Heute füllt er ganze Konzertsäle. Enissa Amani hielt die Lobrede - auch wenn es ihr schwerfiel. "Heute treten die Newcomer zwei, drei Mal auf der Bühne auf, werden gehypt und bekommen gleich eine eigene Show", sagte die deutsch-iranische Komikerin vom Räuspern und einem verstohlenen Blick zum Boden begleitet. Sie selbst begann 2013 mit Stand-up-Comedy, 2015 folgte bereits der Preis als "Beste Newcomerin". "Zu meinen Anfängen war das noch ganz anders. Man muss sich vorstellen, wir hatten nicht einmal Snapchat."

Fotos: Raab küsst Deutschen Comedypreis FOTO: dpa, hka

Frei nach dem Motto das Beste kommt zum Schluss gab es - begleitet von tosendem Beifall - den Deutschen-Comedy-Sonderpreise für das Format "Zimmer frei!" (WDR). Damit wird das Team für die 20-jährige Erfolgsgeschichte geehrt. ";Zimmer frei!‘ hat Fernsehgeschichte geschrieben", betonte Moderator Max Giermann. "Ich weiß nicht, ob wir auch mit unserer heutigen Show Fernsehgeschichte schreiben werden, auf jeden Fall aber war dies der beste Deutsche Comedypreis des Jahres", scherzte er weiter.  

Insgesamt gab es wieder wenige Überraschungen: Böse Zungen mögen gar sagen,  dass sich Jahr für Jahr dieselben deutschen Comedians gegenseitig einen Preis überreichen. Tatsächlich kommen an der Unabhängigkeit der Jury Zweifel auf, bedenkt man, dass Dieter Nuhr deren Vorsitz innehat. Und dass Jurymitglied Ralf Günther  nicht nur Geschäftsführer der Köln Comedy Festival GmbH ist, sondern auch Gesellschafter und Mitgründer der Produktionsfirma Brainpool, die wiederum mehrere der nominierten Sendungen produziert, tut sein Übriges.

Aber gut: Wenn uns die deutschen Comedians eines gelehrt haben, dann wohl, dass man nicht immer alles so ernst nehmen sollte. Das gilt letztlich auch für eine Preisverleihung.

Der Deutsche Comedypreis wird am kommenden Samstag ab 22.15 Uhr bei RTL ausgestrahlt.

 
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