| 18.15 Uhr
Erfolgsmodell läuft offenbar aus
Die Castingshows verlieren Zuschauer
DSDS 2012: Das sind die Top Vier
DSDS 2012: Das sind die Top Vier FOTO: RTL / Stefan Gregorowius
Köln/Düsseldorf. Am Dienstag versank "Das perfekte Model" bei Vox im Quotentief, Heidi Klums Original musste am Donnerstag auch wieder um die Drei-Millionen-Grenze kämpfen. Auch "DSDS" hat seine Zuschauerzahlen halbiert – das Publikum hat genug vom Kampf um Karriere-Versprechen, die sich nicht erfüllen. Von Ulli Tückmantel

Roman Lob ist keine Lena. Der 21-jährige Industriemechaniker vertritt Deutschland als Casting-Sieger beim Eurovision Song Contest in Baku. Daniele Negroni und Kristof Hering sind noch nicht einmal Daniel Küblböck, der vor acht Jahren "Deutschland sucht den Superstar" zu seiner persönlichen Freak-Show machte. Ob vergebens gesungen, tapsig gemodelt oder sonstiges Talent vorgetäuscht wird – die Quoten aller Castingsshows sind rückläufig.

Der "Spiegel" verkündete in dieser Woche bereits das "Ende des Ellenbogens": Der in den Castingshows lange kultivierte "Karriere-ist-Kampf-Egoismus" wirke zehn Jahre nach dem Start von DSDS neuerdings merkwürdig deplatziert. Der "Stern" legte nach: "Die Illusion, dass es jeder ganz nach oben schaffen kann, reizt nicht mehr. Was will man da oben, wenn es unten ist?" Das ist tatsächlich die Crux: Inzwischen ist das Land überschwemmt mit versendeten Casting-Kandidaten, die das Rollenspiel des Fernsehens mit echten Karrierechancen verwechselt haben.

Es rührte Millionen zu Tränen, als der britische Telefonverkäufer Paul Potts 2007 "Nessun dorma" sang und sich den Traum erfüllte, ein Opern-Sänger zu sein. Das Problem ist, dass er immer noch "Nessun dorma" singt, nur eben schlechter als die meisten Profi-Tenöre. Anfangs fanden Zuschauer es noch lustig, dass Menderes Bagci sich seit 2002 in jeder DSDS-Staffel neu bewirbt; inzwischen erregt er nicht einmal mehr Schadenfreude.

Klum-Kopie in der "Todeszone" angekommen

"Das perfekte Model" auf Vox dürfte am Mittwoch mit dem Finale auch das Aus des Formats erreicht haben: Mit 4,6 Prozent Marktanteil (950.000 Zuschauer) ist die Klum-Kopie in der Todesszone angekommen. Dem Original geht es nicht viel besser: Heidi Klums "Germany's Next Topmodel" erreichte zuletzt gerade noch 2,5 Millionen Zuschauer.

RTL ist mit deutlich unter fünf Millionen Zuschauern für sein Unterhaltungs-Flaggschiff DSDS offiziell noch "sehr zufrieden" und bereitet tatsächlich ein schon im Vorfeld kritisiertes Kinder-DSDS vor, um die Zuschauer-Basis zu verbreitern. Die dritte DSDS-Mottoshow am vergangenen Wochenende wollten nur noch 4,8 Millionen Zuschauer sehen. Es ist absehbar, dass es am Samstag nicht viel besser laufen wird.

Dass ein Format sich nach zehn Jahren überholt und restlos ausgemolken erscheint, ist im Fernsehen keine Seltenheit. Den Nachmittags-Talkshows der 90er Jahre ging es nicht anders. Die Sender tun sich derzeit allerdings schwer, Nachfolge-Formate zu entwickeln. Bisher kamen die häufig aus den USA, doch dort laufen die Casting-Shows weiter gut. Sat.1 versucht es ab dem 13. April am Freitagabend mal mit einer neuen Variante: Singen. Zocken. Siegen.

Linda de Mol soll mit einer achtteiligen "Talent-Game-Show" (Titel: "The winner is") weiter auf den Gesang setzen, aber das Ziel bisheriger Castingshows einfach weglassen. Versprochen wird den Teilnehmern keine Karriere, die sie nie haben werden, sondern die Aussicht auf eine Million Euro. Die wird jedoch nicht ersungen, die Kandidaten können feilschen, selbst tippen oder alles auf eine Karte setzen.

Antreten sollen männliche und weibliche Solo-Sänger, Familien, Teenager und Profis, es gibt auch eine "40 Plus"-Kategorie. Ab der ersten Show gibt es Geld zu gewinnen, 64 Kandidaten sollen an den Start gehen, von Show zu Show werden es weniger. "Wer bei ,The Winner is...' mitmacht", so Linda de Mol, "will nicht unbedingt als Sänger durchstarten, sondern richtig viel Geld gewinnen und mit seinem Talent reich werden."

Quelle: RP/felt/das/csr
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