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Hamburg
Die Einsamkeit der Erfolgreichen

Hamburg. Die ARD-Reportage "Einsame Spitze" bietet Einblicke in die schwierige Situation von Führungskräften. Von Tilmann P. Gangloff

Der Titel ist hübsch doppeldeutig, aber leider auch die einzige Raffinesse dieses Films: "Einsame Spitze" ist eine Reportage über das bedauernswerte Schicksal von Führungskräften. Natürlich könnte man einwenden, dass das in der Regel recht ansehnliche Gehalt der vielen Männer und wenigen Frauen auch einen guten Teil Schmerzensgeld enthält, aber das macht die Sache natürlich trotzdem nicht erträglicher, wenn man ausgebrannt ist. Dennoch würden vermutlich Hunderttausende Menschen, die ihre Haut für einen Bruchteil dieser Gehälter tagtäglich zu Markte tragen, gern mit ihnen tauschen.

Andererseits ist das Phänomen der dünnen Luft an der Spitze großer Konzerne in der Tat noch wenig untersucht, insofern hat Tina Solimans Film durchaus seine Berechtigung. Und da ihre Protagonisten ungewöhnlich offen über ihre Erfahrungen sprechen, ist die Dokumentation ziemlich interessant. Allerdings stellt sich bei Themen dieser Art stets die Frage, wie man sie bebildern soll. Im Fernsehen wirkt so etwas leicht wie eine Talkshow mit anderen Mitteln. Tatsächlich ist der Autorin nicht sonderlich viel eingefallen, um ihren Film nicht nur aus redenden Köpfen bestehen zu lassen. Hin und wieder verfremdet sie die Aufnahmen durch Unschärfen, um zu verdeutlichen, wie sehr ein Mensch aus der Spur geraten kann, wenn er von Panikattacken heimgesucht wird.

Die Verpackung ist zum Glück nur ein Aspekt des Films. Wichtiger sind die Gesprächspartner, und die haben so viel zu erzählen, dass ihre Ausführungen die optische Einfallslosigkeit mehr als wettmachen. Gerade die Männer geben schonungslose Einblicke und sprechen nicht nur über die enormen Erwartungen ("Scheitern ist keine Option") und die Schwächen, die man nicht zeigen darf, sondern auch über den Einfluss des Dauerdrucks auf das Familienleben. Prominenteste Protagonisten sind der frühere Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger sowie der Ex-Chef von McKinsey Deutschland, Herbert Henzler, zwei Männer also, die zumindest den unternehmerischen Teil der Karriere hinter sich haben. Ihre Ausführungen sind fesselnd - und haben einen gewissen Nutzwert für Menschen unterhalb der Führungsetage.

"Einsame Spitze", ARD, 22.45 Uhr

Quelle: RP
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