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München
Die ganz andere Diplomatin

München. Die souveräne Hauptdarstellerin Natalia Wörner hält alle Eskapaden des Plots zusammen. Von Tim Slagman

An der Moldau tritt Karla Lorenz (Natalia Wörner) die Stelle als deutsche Botschafterin an. Doch schon während des prachtvollen Empfangs platzt die erste Krise in Gestalt der jungen Lena Fischer (Mercedes Müller) in ihre neue Aufgabe hinein. Lena will Asyl für ihren Verlobten Sean Miller (Angus McGruther), einen desertierten US-Soldaten. Miller erzählt von einem Geheimgefängnis, einem sogenannten blacksite in der Tschechischen Republik; er hat sogar Videos von Folterungen aus der Einrichtung geschmuggelt.

Die Figur der Karla Lorenz verkörpert eine andere Seite der Diplomatie: Sie macht sich die Hände schmutzig und gestaltet Politik aktiv, statt sie nur zu vertreten. Die ARD widmet ihr eine Filmreihe, die Lorenz schon nach Manila und Tunis führte. Der dritte Teil ihrer Abenteuer heißt "Die Diplomatin - Jagd durch Prag", und allein der Titel macht ordentlich Dampf.

Lorenz entscheidet sich, den Deserteur in die Botschaft zu lassen - und hat damit einen Skandal am Hals. Durch die Stürme, die da folgen, bewegt Natalia Wörner ihre Diplomatin stets mit Bedacht. Mit leiser Stimme und aufrechtem Gang spielt sie eine zupackende Denkerin, eine reflektierte Macherin.

Und zu machen gibt es einiges: Weder Tschechen noch Amerikaner sind "amused" über Lorenzens Entscheidung, den Deserteur aufzunehmen. Im Auswärtigen Amt, wo ihr Vertrauter Thomas Eick (Thomas Sarbacher) sitzt, gilt es, Strippen zu ziehen, um die Situation zu retten. Für den BND schnüffelt derweil die durchtrieben charmante Christina Markgraf (Jana Voosen) in die Angelegenheit hinein. Und Karlas Vater Arno Lorenz, von Michael Mendl als dezidiert undiplomatischer Tollpatsch-Patriarch mit Armeevergangenheit gespielt, hält sowieso nichts von Typen, die der Truppe den Rücken kehren.

Reizvoll am Rande: Dass Wörners Lebensgefährte Heiko Maas (SPD) neuerdings als deutscher Außenminister durch die Welt reist, lässt manchen Zuschauer vielleicht nochmals mit anderen Augen auf die diplomatischen Verwicklungen des Films schauen.

"Die Diplomatin - Jagd durch Prag", Das Erste, Sa., 20.15 Uhr.

(kna)
 
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