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Ratinger siegen bei Investment-Show
Schluss mit Splittern

Die Höhle der Löwen 2017: Das ist ProtectPax aus Ratingen
Anthony Filipiak (l.) und Pascal Buchen aus Düsseldorf haben einen Deal mit Ralf Dümmel (M.). Er investiert 150.000 Euro für 20 Prozent der Anteile an Protect Pax. FOTO: DHDL/VOX
Ratingen . Die Gründer des Ratinger Start-ups Protect Pax haben einen flüssigen Displayschutz entwickelt, mit dem zersplitterte Smartphone-Bildschirme der Vergangenheit angehören sollen. Nun präsentierten sie die Idee im Fernsehen. Mit Erfolg? Von Florian Rinke

Sie ist der Witz, über den niemand so richtig lachen kann: Die Spider-App. Je mehr Smartphones in den vergangenen Jahren verkauft wurden, umso berühmter wurde der Ausdruck. Spider-App, sagen die Menschen mitfühlend, wenn sie irgendwo mal wieder ein zersplittertes Handy-Display sehen, bei dem sich die Risse wie ein Spinnennetz durch das Glas ziehen. Viele Handy-Besitzer versuchen, ihre Geräte mit einer Folie zu schützen. Doch das klappt oft nur leidlich.

Nun gibt es Protect Pax – und damit das Versprechen: Nie wieder Spider-App. Gestern Abend präsentierte das Start-up aus Ratingen um die beiden Gründer Pascal Buchen und Anthony Filipiak bei der Gründershow "Die Höhle der Löwen" auf Vox sein Produkt. Der flüssige Displayschutz, der das Smartphone vor Kratzern und Stößen schützt, überzeugte gleich drei der fünf Investoren. Den Zuschlag bekam am Ende der Hamburger Unternehmer Ralf Dümmel, der sich für 150.000 Euro einen 20-prozentigen Anteil an Protect Pax sicherte. Nun wollen die Ratinger mit ihrer Idee nach der Showbühne auch den Handel erobern.

Die beiden Gründer des Start-ups aus Ratingen präsentierten ihr Produkt vor der Jury. FOTO: DHDL/VOX

Angefangen hat alles vor knapp zweieinhalb Jahren in einem Fitnessstudio. Zwischen Hantelbank und Beinpresse kamen Buchen und Filipiak ins Gespräch – über den Sport, aber bald auch darüber hinaus. Und dann erzählte Buchen irgendwann von dieser Idee.

Der 25-Jährige hat jahrelang in einem Mobilfunkshop in Ratingen gearbeitet. "Da kamen praktisch jeden Tag Kunden mit schlecht geklebten Schutzfolien auf ihren Smartphones zu uns in den Laden", erinnert er sich. Es sei schwierig, die Folien so aufzukleben, dass sie keine Blasen werfen, gut aussehen und schützen. "Da habe ich gedacht: Das muss doch besser zu lösen sein."

Filipiak ist fasziniert. Sie testen verschiedene Produkte, keines erfüllt ihre Anforderungen. Und wieder kommt ein Sport-Kontakt ins Spiel: Jeden Samstag geht Filipiak mit einem Bekannten schwimmen. Sie sprechen auch über das Handy-Problem und der Bekannte sagt: Ich kenne da jemanden, der euch helfen könnte.

Dank seiner Kontakte zu chinesischen Produzenten können die beiden Gründer erste Prototypen entwickeln lassen. Doch das war gar nicht so leicht. "Die ersten Prototypen waren milchig, andere rochen stark nach Chemikalien", sagt der 22-jährige Anthony Filipiak: "Wir haben irgendwann echt nicht mehr geglaubt, dass wir es hinkriegen." Dann kam eine Mail: Ich glaube, wir haben eine Lösung, hieß es da.

Nach Angaben von Protect Pax handelt es sich bei der Flüssigkeit um ein Titanoxid. Es wird auf das Display geträufelt und mit einem Tuch verrieben. Nanopartikel sorgen anschließend für den Schutz –zumindest zwölf Monate lang. "Flüssigglas wird auch in der Autoindustrie und der Weltraumbranche genutzt, um Scheiben auszuhärten", sagt Pascal Buchen.

Der flüssige Displayschutz soll das Smartphone vor Kratzern und Stößen schützen. FOTO: DHDL/VOX

Blieb nur noch die Frage: Wie sollten sie die Herstellung Tausender solcher Packungen bezahlen? Denn Geld war knapp. Die beiden hatten keinen Investor, finanzierten bislang alles mit ihren Ersparnissen. Gearbeitet wurde in den eigenen vier Wänden, an ein Büro, wie sie es jetzt in Ratingen in unmittelbarer Nähe von SAP und Microsoft bezogen haben, war damals nicht mal ansatzweise zu denken. "In den ersten Monaten haben wir uns auch keine Gehälter zahlen können, da waren wir froh, wenn wir das Geld für Anwaltskosten und so aufbringen konnten", sagt Pascal Buchen.

Also ging er weiter Vollzeit arbeiten – und plante nebenbei in jeder freien Minute die Zukunft von "Protect Pax". 65-Stunden-Wochen waren keine Seltenheit. Voller Einsatz trotz des Risikos, dass am Ende vor dem Durchbruch das Geld ausgeht. "Ich habe zu Anthony gesagt: Wenn irgendwas ist, dann wohnst du einfach erstmal bei mir. Entweder wir schaffen es gemeinsam oder gar nicht", sagt Pascal Buchen.

Dann kam eine Mail von der Produktionsfirma von "Die Höhle der Löwen". Ob sich die beiden nicht mal bewerben wollten, fragten die Mitarbeiter. Sie hatten gesehen, welchen Erfolg eine Crowdfunding-Kampagne der beiden im Internet hatte, bei der sie sich Geld von Nutzern besorgen wollten. Die beiden bewarben sich, wurden genommen – und der Stress ging erst richtig los: Ende März bekamen die beiden die Nachricht, dass anderthalb Wochen später gedreht werden solle.

"Als die Nachricht kam, hatten wir nichts: Keine Verpackungen, keinen Marketingplan, nur unsere Idee", sagt Filipiak. In Rollenspielen gingen sie ihren Auftritt durch. Trotzdem waren die Hände schweißnass, als die Aufzeichnung losging. Alles klappte. Der Durchbruch? Eher der nächste Schritt.

Für Anthony Filipiak und Pascal Buchen geht es jetzt erst richtig los: "Von einem Produkt allein kann kein Unternehmen überleben. Wir wollen deswegen bald unsere Produktpalette erweitern, zum Beispiel durch eine Diamant-Politur, mit der sich Kratzer auf dem Smartphone entfernen lassen", sagt Filipiak. Protect Pax ist jetzt ihr Alltag. Vollzeit.

 
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