| 15.02 Uhr

Startup-Show
Maschmeyer gähnt in der Höhle der Löwen

Gründer aus NRW überzeugen "Höhle der Löwen"-Jury
Gründer aus NRW überzeugen "Höhle der Löwen"-Jury FOTO: VOX / Bernd-Michael Maurer
Düsseldorf. Unternehmer Carsten Maschmeyer gehört zu den reichsten Deutschen. In der laufenden Staffel hat er bei der Gründer-Show "Die Höhle der Löwen" angeheuert und soll den Startups einheizen. In dieser Woche wechselte Maschmeyer aber keine Schecks, sondern nur nette Worte. Die Gründer haben das aber auch nicht anders verdient.  Von Daniel Fiene

Bissig geht anders. In der aktuellen Folge der "Höhle der Löwen" fällt Unternehmer Carsten Maschmeyer, seit 2014 mit Veronica Ferres verheiratet, mit netten Worten für die Gründer auf und nicht mit heißen Geschäftsabschlüssen. Mal findet er eine Idee "sympathisch", mal muss er an seine Kindheit denken oder bezeichnet die Kandidaten als "löwenswert" — aber am Ende wünscht er den präsentierenden Gründern in der Vox-Sendung nicht mehr als viel Erfolg für ihre Zukunft. Eine Zukunft ohne ein Investitionsangebot von Maschmeyer. Spielen seine Investoren-Kollegen und die Startup-Kanddiaten in der "Höhle der Löwen" unter seinem Niveau? Schaut man auf die Gründer in dieser Woche, kann man diesen Eindruck tatsächlich gewinnen. 

Gründer aus NRW kümmern sich um gesunde Zähne und interaktives Spielzeug

Den fundiertesten Auftritt des Abends haben zwei Gründer aus NRW hingelegt. Der gebürtige US-Amerikaner Randall Pitts (51) und sein Kollege Philip Kirchhof (38) aus Würselen bei Aachen präsentieren "Penta-Sense", eine Lutschpastille für Zahnhygiene. Der Wirkstoff Xylit dient als Kariesprophylaxe und ist bereits in verschiedenen Kaugummis eingebaut. Das Problem: Bei Xylit kommt es auf die Dosierung und die Dauer des Konsums an. Beim Kaugummi lässt sich weder Dosierung noch Kontaktzeit kontrollieren, mit der Lutschpastille schon. Das überzeugt die Löwen Ralf Dümmel und Judith Williams. Sie investieren 150.000 Euro und erhalten dafür 30 Prozent des Unternehmens. Pitts und Kirchhoff sind extrem glücklich. Das Investment wirkt: Die Pastillen sind seit dieser Woche auch bei Netto, Edeka oder Kaufland zu haben. Lesen Sie, wie es den beiden Gründern nach dem Invest erging.

Bilder: Unternehmer stellen sich den Investoren FOTO: VOX / Bernd-Michael Maurer

Die verpasste Chance des Abends erlebten die Köpfe eines Startups aus NRW. David Völker (35) aus Witten und Ansgar Messmer (29) aus Hamm präsentierten Teppino, einen Spieleteppich mit passender App. Die Kinder fotografieren mit dem Tablet einen Teil des Teppichs und können mit der App in die virtuelle Welt des Teppichs eintauchen. Völker und Messmer sind sich sicher, einen Nerv der Zeit bei Familien getroffen zu haben. Was bei der Feuerwehrstation beeindruckt, taugt künftig auch in vielen anderen Spielewelten. Vom Bauernhof bis zum Weltraum.

"Haben Sie Lust mitzuspielen", beenden die Gründer einen der besseren Pitchs des Abends. Doch die Investoren beißen nicht an. Lediglich Ralf Dümmel will die erforderlichen 200.000 Euros bereitstellen, wenn er aber 30 Prozent des Unternehmens bekommt. Für die Teppino-Gründer ist das zu viel. Sie lehnen ab und wollen aus eigener Kraft wachsen. "Die haben sich eine riesige Chance entgehen lassen. Ich bin fassungslos", kommentiert Freizeit-Unternehmer Jochen Schweizer die Entscheidung.

Solide Bremer und Musterschüler aus Hamburg

"Blufixx" überzeugt die Jury FOTO: VOX / Bernd-Michael Maurer

Das beste Produkt des Abends lieferten die Gründer von Reishunger, einem Onlineshop für zwei Dutzend Reissorten aus 14 Ländern. Torben Buttjer (31) und Soharab Mohammad (32) lieferten einen soliden Pitch und können schon erste Erfolge vorweisen. Ihr Onlineshop ist erfolgreich, und sie haben schon rund 50 Mitarbeiter. Sie fordern 450.000 Euro für fünf Prozent der Unternehmensanteile. Statt einer Investition nehmen Buttjer und Mohammad aber eine Lektion mit nach Hause. Tech-Experte Frank Thelen bietet ihnen die Investition für 20 Prozent des Unternehmens an. Aus dem Deal wird nichts. Einige der Löwen sind verärgert, dass die Bremer Gründer nicht einmal ihren Onlineshop zur Präsentation mitbrachten.

Die Musterschüler des Abends kamen aus Hamburg. Lennart Rieper (27), Florian Goecke (27) und Paul Dudda (33) bedienen hanseatische Startup-Stereotype und versprechen im Werbefilmchen, Weltveränderer zu sein. Dass diese Weltveränderung aus einem Handtuch besteht, hätte Kult-Autor Douglas Adams zwar stolz gemacht, dürfte den normalen Vox-Zuschauer aber eher irritieren. Lennart, Florian und Paul wollen mit ihrem Produkt ein Alltagsproblem lösen, wenn das Handtuch im Fitnessstudio verrutscht und man nicht mehr weiß, welche Seite man in den Schweiß des Vorgängers gelegt hat. Das Produkt Towell (tatsächlich mit zwei "L") soll die Lösung sein.

Mit einer Lasche für den perfekten Halt, mit einer aufgenähten Tasche für Schlüssel und Smartphone sowie einem Magneten soll es all die kleinen Ärgernisse für Sportler aus den Weg räumen. Die Löwen fühlen sich angesprochen und springen auf den Pitch an. Gleich zwei Angebote werden auf den Tisch gelegt. Frank Thelen will zuschlagen, aber am Ende kommt der Check von Ralf Dümmel und Jochen Schweizer. Beide bieten 250.000 Euro für 20 Prozent des Unternehmens. "Ein richtig guter Pitch", lobt die Homeshopping-Unternehmerin Judith Williams.

Fahrlässige Kosmetik und bunte Schleifchen

Das kann man von Hendrike Grubert (36) und ihrem Ponyhütchen nicht behaupten. Sie präsentiert ihre handgemachte, vegane Naturkosmetik. Die Löwen sind von ihren bisherigen Verkaufszahlen, die auf Mund-zu-Mund-Propaganda basieren, beeindruckt. Als Grubert ihre Gewinnmarge offenlegen soll, kommt sie ins Schlingern. Im Netz wird bereits gelästert, sie solle nicht so rumzicken. Doch es kommt für die gebürtige Berlinerin, die jetzt in der Schweiz lebt, noch härter. Besonders Judith Williams nimmt sie in die Zange. Williams fehlt der Biss und sie könne nicht erkennen, warum Ponyhütchen wie behauptet anders ist. Die Tatsache, dass keines ihrer Produkte dermatologisch getestet ist, empfindet Williams "als fahrlässig". Keiner der Löwen möchte sich das Ponyhütchen aufsetzen. 

Den süßesten Auftritt des Abend lieferten Mutter Gabriele Fritsche (59) und ihr Sohn Matthias (26). Vor 25 Jahren wanderte die Familie nach Portugal aus, seit einiger Zeit wird aus der Garage ein kleines Familienunternehmen aufgebaut — das Schleifenparadies. "Wir wollen Europas schönste Schleifen liefern", gab sich Mutter Fritsche selbstbewusst. Zwar gibt es einen nicht sehr ernstzunehmenden Online-Shop, dafür aber namenhafte Großkunden. So hat Disney für seine Freizeitparks in den letzten Jahren bereits 40.000 Schleifen bestellt. Doch den Löwen war die Präsentation wohl eine Schleife zu viel. Am Ende gab es keine Investition, auch wenn man es den sympathischen Auswanderern gegönnt hätte. 

Und Carsten Maschmeyer? Er träumte vermutlich von seiner nächsten großen Investition. Vielleicht gibt es die Gelegenheit schon am kommenden Dienstag. Dann gibt es um 20:15 Uhr die nächste Ausgabe der "Höhle der Löwen".

(dafi)
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