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"Wild Island"
Die Inselbewohner schlachten ein Schwein

"Wild Island": Die Inselbewohner schlachten ein Schwein
FOTO: ProSieben/Screenshot
Düsseldorf . Tierschützer sind entsetzt über das, was ProSieben da in seiner Show "Wild Island" macht. 14 Kandidaten müssen in der Wildnis überleben, dabei werden unter anderem auch Tiere geschlachtet. Am Mittwoch etwa ein Schwein.  Von Lena Köhnlein

In der vierten Folge, die schon ganz unheilvoll "Mensch gegen Tier" heißt, haben die Kandidaten Hunger. Das Essen müssen sie sich selbst fangen. Zur Auswahl stehen Schlangen, Krokodile und Schweine. Denn auf das Frühstück (Krabben und Schnecken) hat keiner mehr Lust. 

Als sich ein Schwein im Camp verirrt, ist das sein Todesurteil. Denn das Schwein will nicht nur die Nahrungsabfälle der Bewohner fressen, sondern eignet sich auch selbst als Futter. Zu dritt halten Alex, Lena und Gregor das Tier fest. Das Schwein quiekt vor Angst.

"Von oben rein und raus", sagt eine männliche Stimme, eine andere: "Ich mache das nicht zum ersten Mal" - sehen tut man jedoch nichts von der Tötung. Auch einige Bewohner möchten nicht zusehen, sagen dies auch und sind geschockt. Ebenso Tommy, an diesem Tag Kameramann: "Mir ist schlecht und schwummrig", sagt der Bonner. 

Gregor sticht zu. Im Nachhinein sagt er, er habe die Aterien sauber getroffen. Was wir essen, müssten wir in dieser Form zumindest einmal im Leben gesehen haben, sagt Maximilian. Er versucht, Gregor die Schuldgefühle zu nehmen. Doch alle sind sich einig, Gregor sei der Beste für das Töten des Schweines, denn er ist Jäger. Außerdem hatte das Schwein ein glückliches Leben und wäre nicht in Massentierhaltung gestorben, sagt am Ende auch Tommy.

Viel Kritik für das Konzept 

Bereits vor der ersten Sendung gab es viel Kritik. Vermutlich auch aufgrund des Trailers und der Ankündigung der Serie:  Es wird gekreischt, geweint, geblutet. Und es gibt Tiere zu sehen, wilde Tiere. "24 essbare Arten... du bist eine davon", heißt es auf der Internetseite der Show, daneben schwimmt ein Alligator lauernd im Wasser. Und täglich brutzelt bei den Urwald-Pionieren der Grill. 

"Dass Laien dazu befugt sein sollen, Vögel, Fische, Schweine und sogar Reptilien zu schlachten, ist aus Tierschutzsicht völlig inakzeptabel", kritisierte der Deutsche Tierschutzbund kurz vor Ausstrahlungsbeginn in Bonn. Es sei traurig, dass es offensichtlich immer skandalöserer Situationen und drastischerer Bilder bedürfe, um die Zuschauerquote zu erreichen.

Auch im sozialen Netzwerk Twitter meldeten sich viele Gegner unter dem Hashtag #StopWildIsland. "In einer Welt, in der man bestens anders überlebt, müssen keine Tiere gequält werden. Danke für nichts", schrieb "NIKA" - ein anderer äußerte aber den Verdacht, dass ProSieben die PR gerade recht komme. Protest von Tierschützern ist von TV-Sendern immer wieder als wohltuend für die Quote empfunden worden.

Ein Kandidat ist Jäger

ProSieben widersprach den Kritikern. "Alle Abenteurer wurden in einem Survivaltraining unterrichtet, wie man Tiere artgerecht tötet", sagte Sendersprecher Christoph Körfer. "Im Cast ist mit Gregor ein Jäger, der auf einem Bauernhof lebt und seit Jahren Erfahrungen mit dem Leben und Töten von Tieren hat." Er bemängelte, dass keiner, der das Programm anklage, eine Folge von "Wild Island" gesehen habe.

Die Kandidaten hatten während des Drehs jedoch andere Gedanken im Kopf. "Ich war noch nie so an meinen Grenzen", sagt Kandidatin Irina und blickt dabei erschöpft in die Kamera. Normalerweise verkauft die 21-Jährige Schuhe. Jetzt ist sie oft barfuß unterwegs auf einer Insel im Pazifik. Gemeinsam mit 13 anderen deutschen Kandidaten geht es vier Wochen lang darum, Essen zu finden, Wasser und einen Schlafplatz. Die Männer und Frauen filmen sich dabei gegenseitig. Kein extra Kamerateam, kein Eingriff von außen, verspricht der Sender.

Schlechte Quoten

Bereits nach der zweiten Folge ist jedoch klar: Deutschland interssiert sich nicht für ein Leben in freier Wildbahn. Denn die Einschaltquoten sind laut dem Branchenportal "Meedia" mies. So sahen am Premierentag nach einer Stunde noch 1,16 Millionen 14- bis 49-Jährige zu.

Am Montag dagegen nur noch 790.000. Der Marktanteil sei somit vom Sonntagswert von 17,9 Prozent auf nun nur noch 9,4 Prozent völlig in sich zusammen gebrochen.

mit Material von dpa

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