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Berlin
Die jungen Jahre der Queen

Berlin. Die Netflix-Serie "The Crown" zeigt das Leben von Königin Elizabeth II. zur Zeit ihrer Thronbesteigung.

Kostüm, Hut und ein verschlossenes Gesicht - das ist die Queen. Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen, gehört sich nicht. Seit über 60 Jahren ist die britische Königin eine Institution, ein Symbol Großbritanniens. Doch wie ist Elizabeth Windsor zu dem geworden? Mit einer seiner bislang ambitioniertesten Produktionen blickt der Online-Videodienst Netflix hinter die Tore von Buckingham Palace. Die erste Staffel von "The Crown", die ab heute zu sehen ist, schildert die jungen Jahre der Königin Elizabeth II. zwischen Familienskandalen und politischen Krisen - und der Bürde der britischen Krone.

Es ist eine Geschichte, die die Queen wahrscheinlich nie in der Öffentlichkeit sehen wollte. Eine persönliche Geschichte. Sie beginnt im Jahr 1947, als Elizabeth (Claire Foy) mehr oder weniger gegen den Willen des Königshauses ihren Lebensgefährten Philipp heiratet. 1952 verliert sie ihren geliebten Vater, König George VI. Zeit zu trauern wird ihr kaum gestattet. Als 25-Jährige muss sie den Thron besteigen. Überfordert von den Aufgaben, den Männern um sie herum, die ihr sagen, was zu tun ist, sind die ersten Jahre ihrer Herrschaft ein Kampf: zwischen den Pflichten und dem Wunsch, ihr Leben selbst zu gestalten.

Der erste Kollateralschaden ist ihre noch junge Ehe mit Prinz Philip (Matt Smith). "Bist du meine Ehefrau oder meine Königin?", keift er sie an. Vor der Krönungszeremonie Elizabeths II. streiten sich die beiden, ob Philip während der Zeremonie - wie es die Tradition will - vor der Königin knien soll. "Ich bin beides", erwidert sie kalt. Und so dreht sich "The Crown" auch um die Ehe der beiden, um den Schmerz, die Streitereien, den Machtkampf - und die Einsamkeit auf dem Thron.

Selbst für einen der weltweit größten Online-Streamingdienste ist die Serie ambitioniert. Nicht nur wegen der Größe der Produktion, Medien sprechen von der bisher teuersten Eigenproduktion von Netflix mit einem Budget von 100 Millionen Pfund. Der Videodienst hat sich zudem mit der Queen eine Berühmtheit ausgesucht, die ihr Privatleben weitgehend abschirmt.

Einen so persönlichen Einblick in das Leben der Queen wie in "The Crown" gab es noch nicht. Für das Wagnis hat sich Netflix einige der Besten ins Boot geholt: Autor Peter Morgan schrieb unter anderem das Drehbuch für "Die Queen", Regisseur Stephen Daldry führte etwa für "The Hours" mit Nicole Kidman oder für "Der Vorleser" Regie.

Vor allem Fans der britischen TV-Serie "Downton Abbey" werden sich an "The Crown" erfreuen. Zwar kann der Dialog mit dem subtilen Downton-Humor nicht ganz mithalten. Die aufwendigen Kostüme, spektakulären Kulissen - vom Buckingham Palace in London bis nach Schottland und Kenia -, und Geschichte können das aber sehr wohl. Die Serie vermittelt auch ein Gefühl für die turbulente Nachkriegszeit in Großbritannien, in der das Empire bröckelte und sich London weltpolitisch neu aufstellen musste.

Auch die weitgehend unbekannte Besetzung überzeugt. Vor allem Claire Foy wird ihrer schwierigen Aufgabe gerecht und verkörpert erfolgreich den Zwiespalt zwischen Pflichtbewusstsein und Freiheitsdrang. John Lithgow bringt die nötige Gravitas in die Rolle des beeindruckenden, aber schwierigen Premierministers Sir Winston Churchill, der die frühen Jahre der Queen sehr prägte. Sein Rat an die junge Regentin, der Öffentlichkeit niemals die wahre Elizabeth Windsor zu zeigen, niemals erkennen zu geben, wie schwer die Bürde der Krone wirklich ist, ist eine Schlüsselszene.

Die Serie ist laut den Machern auf sechs Staffeln ausgelegt - zehn Episoden pro Staffel sollen jeweils etwa zehn Jahre im Leben der Queen abdecken.

(dpa)
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