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Köln
Die Loveparade als Drama

Bilder aus dem Film zur Loveparade
Bilder aus dem Film zur Loveparade FOTO: WDR/Alexander Fischerkoesen
Köln. Im WDR-Film "Das Leben danach" geht es um die traumatisierten Überlebenden der Katastrophe von Duisburg. Von Helge Toben

Ein fiktionales Fernsehdrama über die Auswirkungen der Loveparade-Katastrophe bei den Überlebenden? Über die Folgen der Tragödie in Duisburg mit 21 toten jungen Menschen, bei der die Schuldfrage auch sieben Jahre danach noch nicht geklärt ist? Mit "Das Leben danach" hat der WDR einen brisanten Stoff aufgegriffen. Beim Filmfest München ist der 89 Minuten lange und unter anderem mit Jella Haase, Jeremias Meyer und Martin Brambach besetzte Film nun zum ersten Mal gezeigt worden. Er war dort nominiert für den "Bernd Burgemeister Fernsehpreis", mit dem der beste Spielfilm auszeichnet wird. Im Fersehen läuft er am 27. September im Ersten.

Es geht um die - fiktive - 24 Jahre alte Antonia, die im tödlichen Gedränge der Loveparade schwer traumatisiert wird und bis in die Gegenwart ihr Leben nicht in den Griff bekommt. Sie trägt eine zerstörerische Wut in sich. Gepaart mit Schuldgefühlen und Trauer nimmt sie fast keine Rücksicht mehr auf andere -und sich selbst. Antonia wird in ihrer tiefen Zerrissenheit sehr überzeugend dargestellt von Jella Haase.

Der Film beginnt an einer Gedenkstätte am Veranstaltungsgelände. Die Filmemacher taten gut daran, den Ort nicht zu sehr wie den echten Gedenkort aussehen zu lassen, denn Antonia lässt dort ihrer Wut freien Lauf. Auf der Flucht vor der Polizei nimmt ein Taxifahrer sie mit: Mathematiker Sascha (Carlo Ljubek), der behauptet, auch im Gedränge gewesen zu sein. Später fragt er Antonia: "Warum zertrampelst du die Gedenkstätte?" Antwort: "Weil die tot sind und ich lebe. Wir sind die Kaputten, die nichts auf die Reihe kriegen."

Es dauert nicht lange, und Antonia findet heraus, dass er nicht dabei war - und irgendwie doch. Er war einer der Gutachter, die im Vorfeld das Konzept als sicher eingestuft hatten. So hat die Loveparade auch ihn aus der Bahn geworfen. Er verlor seinen Job an der Uni.

Die Figuren sind frei erfunden, doch haben die Drehbuch-Autoren Eva und Volker A. Zahn zuvor viele Gespräche mit Betroffenen geführt. Dass die Katastrophe für viele dieser Traumatisierten nach wie vor eine große Rolle spielt, ist nicht ausgedacht. So berichten Überlebende, dass sie für eine Rückkehr in einen Alltag entweder Jahre brauchten oder es ihnen bis heute nicht gelungen ist. Manche meiden etwa nach wie vor größere Menschenansammlungen oder Linienbusse.

Der Film blickt mehrfach in Abgründe. Etwa, als Antonia am offenen Sarg eines Bekannten steht, der Selbstmord begangen hat. "Du siehst eigentlich ganz glücklich aus", sagt sie zu ihm. Oder bei der Geburtstagsfeier für ein Kind, das bei der Loveparade starb. Es war der kleine Bruder von Antonias bester Freundin. Antonia war mit ihm zu der Techno-Parade gegangen - und hatte ihn im Gedränge verloren. Das jüngste Todesopfer der "echten" Loveparade war 17 Jahre alt.

Hoffnung und Liebe haben es sehr schwer in diesem Film, der dennoch auf Humor nicht verzichtet. Das Normale dabei ist, dass fast nichts mehr normal ist. Regisseurin Nicole Weegmann gelingt es, neben der zerstörerischen Wut Antonias auch ihre verletzlichen Seiten zu zeigen, etwa wenn deren beste Freundin wegzieht. Der Film endet schließlich dort, wo er begonnen hat: im Tunnel. Und nicht ohne Hoffnung.

Der Film gebe einen tiefen Einblick davon, wie Antonias Wut "und der bislang vergebliche Schrei nach Aufklärung und Gerechtigkeit in sich erstarren, abkapseln und auf Dauer unerträglich werden können", lobte die Jury des Bernd Burgemeister Fernsehpreises in der Begründung für die Nominierung.

(dpa)
 
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