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Berlin
Weiterleben nach dem Amoklauf

Berlin. Das Erste zeigt ein TV-Drama über die Eltern eines 15-Jährigen, der mehrere Mitschüler erschossen hat. Von Nathalie Waehlisch

Es ist ein ganz normaler Tag an einer Schule: Stimmengewirr und Lachen hallen durch das Gebäude, Schüler laufen in kleinen Gruppen durch die Gänge. Bis das Unfassbare geschieht: Der 15-jährige Felix erschießt mehrere Mitschüler und sich selbst. Sieben Minuten dauert der Amoklauf des Jungen. "Er war's nicht! Der ist noch ein Kind, der kann keiner Fliege was zuleide tun", sagt seine Mutter voller Überzeugung, als sie ihren toten Sohn in der Rechtsmedizin identifiziert. Bis dahin hat die OP-Schwester ein sorgenfreies Leben mit Mann und zwei Kindern geführt.

Regisseur und Grimme-Preisträger Nikolaus Leytner inszenierte den Film "Die Stille danach". Er wird zeitgleich im Ersten und bei ORF 2 gezeigt. Die Österreicherin Ursula Strauss spielt die Mutter, die alles nicht wahrhaben will: Sie fordert den Ermittler auf, den "wirklichen Täter" zu finden und stellt ein Foto ihres Sohnes in das Kerzenmeer vor der Schule. Er kenne Felix nicht, wirft Paula Rohm dem Polizisten vor. Doch wie gut kannte sie selbst ihren Sohn?

Erfurt 2002, Winnenden 2009. In beiden Städten erschossen ehemalige Schüler an ihren Schulen viele Menschen. "Vergleichbare Fälle in Europa hat es bislang nur in Deutschland und Schweden gegeben", heißt es im Film in den fiktiven Nachrichten nach dem Amoklauf. "Die Stille danach" spielt in einer Stadt in Österreich. Dort wird Felix' Mutter im Supermarkt angestarrt, ihr Auto auf dem Parkplatz mit roter Farbe beschmiert. Als sie bei der Trauerfeier für die Opfer erscheint, wird sie bespuckt. Bei der Arbeit bekommt sie Probleme. So geht es auch ihrem Mann Michael (Peter Schneider).

"Die Stille danach" ist intensiv und bedrückend, hat starke Momente, aber auch schwache und unnötige Szenen. Eine davon zeigt, wie das Mädchen, in das Felix verliebt war, seiner Mutter erzählt, dass er bei der Tat mit Tränen in den Augen und der Pistole in der Hand vor ihr stand. Es ist ein Film, der für Diskussionen sorgen könnte. Gleich im Anschluss soll darüber im Ersten in der Sendung "Maischberger" gesprochen werden.

"Die Stille danach", Das Erste, 20.15 Uhr

(dpa)
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