| 09.32 Uhr

Berlin
Die Überwindung der Einsamkeit

Berlin. Der Film "Looping" zeigt den Versuch dreier geschundener Frauen, gemeinsam das Leben zu meistern. Von Klaus Braeuer

Was für Kapriolen das Leben doch schlagen kann, wenn ganz verschiedene Menschen durch ein gemeinsames Schicksal zusammen kommen. Darum geht es im Film "Looping" heute im ZDF.

Leila (Jella Haase, 24) ist 19 und arbeitet auf dem Rummelplatz - im Autoscooter ihres Vaters (Henning Peker). Sie trinkt gerne und bandelt mit einem deutlich älteren Lkw-Fahrer (Markus Hering) an, steht aber eigentlich auf Frauen. Nach einer chaotischen Nacht samt Vergewaltigung findet sie sich in der Notaufnahme wieder. Später lässt sie sich freiwillig in eine psychiatrische Klinik einweisen. Dort teilt sich Leila das Zimmer mit der gut 30 Jahre älteren Ann (Marie-Lou Sellem, 51) und mit Frenja (Lana Cooper, 35), die total schüchtern ist.

Bald kommen sich die drei völlig unterschiedlichen Frauen näher. Frenja ist verheiratet und hat eine kleine Tochter. Ann ist vermutlich von ihrem Vater missbraucht worden, wollte ihr ganzes Leben lang keine festen Bindungen eingehen und spürt eine Todessehnsucht in sich - und Leila ist ständig auf der Suche, auch nach ihrer Mutter, die offenbar tot ist.

Die drei empfinden mehr als nur Nähe füreinander. Nachts reißen sie aus der Klinik am Meer aus, baden zusammen im Pool und ziehen feiernd durch Clubs. Leila fühlt sich endlich anerkannt und aufgehoben, und auch Ann und Frenja scheinen zu erkennen, was und wen sie eigentlich wollen.

Autorin und Regisseurin Leonie Krippendorff (32) legt mit "Looping" ihren ersten Spielfilm vor. Sie erzählt nacheinander erst die einzelnen Geschichten von Leila, Franja und Ann, in völlig unterschiedlichen Abschnitten ihres Lebens - bis sich alles zu einem Ganzen fügt. "Mein Film ist ein Märchen, das sich an der Realität abarbeitet und unsere Gewissheiten in Frage stellt. Alle drei Frauen sind durch gewaltsame und schmerzvolle Umstände aus ihrem Alltag gepoltert und in die Einsamkeit gefallen", sagt die Regisseurin. "An einem utopischen Ort verbünden sie sich und starten einen Angriff aus der inneren Welt ihrer Bedürfnisse auf die äußere Welt der Zwänge." Am Ende des klar aufgebauten, klug geschriebenen und gut gespielten Filmes sind alle drei Frauen ein ganzes Stück weiter, viel entschlossener und stärker als am Anfang. Sie versuchen einen Neubeginn in der gar nicht mehr so feindlichen Außenwelt.

Es geht in "Looping" um letztendlich doch unstillbare Sehnsüchte, um die schwierige Überwindung der Einsamkeit und um fehlende menschliche Zuwendung - vor allem in völlig unvorhersehbaren Situationen.

"Looping", ZDF, 23.55 Uhr

(dpa)
 
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