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Köln
"Dinner for one" op Kölsch
Köln. Ähzezupp zu Silvester 2013: Ralf Schmitz und Annette Frier legen den TV-Klassiker im WDR neu auf. Von Ulli Tückmantel

Am 31. Dezember schließt das WDR-Fernsehen eine nahezu unerklärliche Lustigkeits-Lücke: Nachdem selbst randständige Humor-Regionen wie Nordhessen oder Rostock bereits seit Jahren über teils schauderhafte Dialekt-Adaptionen des Klassikers "Dinner for one" verfügten, hat der WDR den ewigen 90. Geburtstag von Miss Sophie nun im Kölner Gloria-Theater für das Silvester-Programm 2013 aufgezeichnet – auf Kölsch. Jeweils mehr als zwei Stunden brachten die Comedians Ralf Schmitz und Annette Frier in der Maske zu, um optisch an die Original-Besetzung der NDR-Aufzeichnung aus dem Jahr 1963 mit Freddie Frinton als Butler und May Warden als Miss Sophie heranzukommen, die mit längst verstorbenen Freunden diniert und sich zum Abschluss den Butler gönnt.

Beim WDR wird daraus kölsche Science Fiction. Das trinkfreudige Dinner spielt im Jahr 2064, nachdem der 1. FC Köln zum x-ten Mal deutscher Fußball-Meister geworden, der Dom endlich fertig gebaut, die U-Bahn aber immer noch nicht vollendet ist. Und um den Tisch von "Frau Annette" haben sich auf leeren Stühlen Dirk Bach, Hans Süper, Alfred Biolek und Reiner Calmund versammelt, in deren Rollen Butler Ralf bei jeder Runde um den Tisch zu schlüpfen hat und jedes mal etwas betrunkener über den Kopf des Tierfelles am Boden stolpert. Das stammt in Köln natürlich nicht von einem Tiger, sondern einem Geißbock, dem Maskottchen des 1. FC Köln.

Schmitz imitiert die Gäste täuschend echt, bei den Aufzeichnungen johlte das Publikum vor Lachen. Der Verständlichkeit wegen sprechen Frier und Schmitz eine Art Oxford-Kölsch, statt Flönz und Kabänes gibt es "Ähzezupp met Hämche un Woosch" (Erbensuppe mit Eisbein und Wurst), danach "Himmel und Äd" (Äpfel und Kartoffeln), anschließend Rheinischen Sauerbraten vom Pferd und als Dessert "Nonnenfürzchen" (Gebäck aus Brand- oder Siedeteig) mit reichlich Puderzucker.

Und auch für die Schlussszene, wenn der Butler hinter der Gastgeberin die Treppe hinauf ins Schlafzimmer muss, findet sich eine rheinische Lösung. Wo Frinton im Original "Well, I'll do my very best!" (deutsch: Nun, ich werde mein Bestes tun) stöhnt, kichert Schmitz: "Et hät no immer jot jejange!"

Quelle: RP
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