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Köln
Doku-Reihe erzählt NRW-Geschichte

Köln. "Unser Land" zeigt anlässlich des 70. Geburtstags des Bundeslandes unbekanntes Archivmaterial. Von Jonas-Erik Schmidt

Annette Frier ist zwar die Stimme von Nordrhein-Westfalen, aber nicht die Beschwörerin seiner Einheit. "Es gibt kein richtiges NRW-Bewusstsein", stellt sie klar. "Wir sind Kölner, Dortmunder oder gar Dülmener", sagt sie. Und ein Ostwestfale habe mit dem Süd-Kölschen nicht viel gemeinsam. Die Kölner Schauspielerin ("Danni Lowinski") führt ab heute die Zuschauer im WDR durch "Unser Land". In der sechsteiligen Reihe wird mit eine Fülle von Archivmaterial die Entwicklung NRWs nachgezeichnet - von den 50ern bis in das neue Jahrtausend. Anlass ist der 70. Geburtstag des Bundeslandes am kommenden Dienstag.

Es ist keine einfache Aufgabe, die sich der WDR gestellt hat. Was heißt überhaupt "Unser Land"? Je nachdem, wen man in NRW fragt, dürfte es unterschiedliche Antworten geben. Die Antwort der Doku liegt in einer Mischung aus etwas Pathos und einigem Augenzwinkern. Das Pathos ist etwa in der Eröffnungssequenz zu sehen: "In sieben Jahrzehnten wurde Großes bewegt. Für die Zukunft gebaut. Und Neues erschaffen." Danach blättert sich eine Art Bilderbuch aus Köpfen, Geschichten und Anekdoten auf. Mehr als 2500 Stunden Archivmaterial wurden nach WDR-Angaben gesichtet. Die unschönen Seiten werden dabei nicht ausgelassen, etwa Umweltskandale. Vieles wird anhand von Menschen wie Johannes Rau, Götz George und Nena erzählt.

Mit Augenzwinkern wird zum Beispiel die WDR-Sendung namens "Mit den Augen der Frau" aus den 60ern gezeigt, in der sich die Moderatoren gesellschaftlichen Fragen wie "Ziehen Sie eine junge adrette oder eine ältere adrette Sekretärin vor?" widmeten. Eine Antwort: Sie sollte mindestens 22 Jahre alt sein. Auch Frier kann über so etwas herzhaft lachen. "Wenn man die Filme schaut, erinnert man sich plötzlich wieder an so viel", sagt sie.

Übrigens machte sich Ministerpräsident Franz Meyers (CDU, 1958-1966) Sorgen über das Einheitsgefühl und ließ Vorschläge für einen neuen Namen ohne Bindestrich sammeln. Sachsofrankonien? Rheinfalen? Westfranken? So unlieb hatten die Einwohner ihr Bindestrich-Land dann aber doch nicht.

"Unser Land", WDR, 20.15 Uhr

(dpa)
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