| 14.36 Uhr

Dortmunder "Tatort: Tollwut"
Kommissar Faber trifft seinen Erzfeind wieder

Szenenbilder aus dem "Tatort: Tollwut"
Szenenbilder aus dem "Tatort: Tollwut" FOTO: WDR/Thomas Kost
Dortmund. Im neuen Dortmunder "Tatort" stecken sich Häftlinge mit Tollwut an. Was steckt dahinter? Vieles spricht dafür, dass der mehrfache Frauenmörder Markus Graf Kommissar Faber wieder in seinen Bann locken wollte. Oder steckt doch etwas anderes dahinter? Von Christian Sieben

In einem Gefängnis stirbt ein Häftling auf der Krankenstation. Der Mann übergibt sich, dann zuckt er am ganzen Körper. Die Pfleger können nichts mehr tun. Weil der Tote zuvor in eine Messerstecherei verwickelt war, müssen die Dortmunder Ermittler den Fall untersuchen.

Der Gefängnisarzt Jonas Zander (Thomas Arnold), der früher als Gerichtsmediziner Teil des Teams war, rückt schnell mit der Wahrheit raus. Das Opfer starb an Tollwut. Der Erreger war zuvor absichtlich auf der Klinge platziert worden. Auch Zander, der bei der Messerstecherei dazwischen gehen wollte, ist mit dem Virus infiziert. Ein sicheres Todesurteil, da es gegen Tollwut keine wirksame Behandlung gibt.

Die Damen verfolgen eine andere Spur

Als ob die Lage nicht schon verzwickt genug wäre, erhält Kommissar Faber (Jörg Hartmann) noch einen rätselhaften Briefumschlag. Darin findet er ein Gemälde mit der Aufschrift "Auf ewig dein". Zu sehen ist seine tote Familie. Schnell findet er heraus, dass im Dortmunder Gefängnis auch sein Erzfeind Markus Graf (Florian Bartholomäi) eine lebenslange Strafe absitzt.

Graf hat mehrere Frauen getötet und sehr wahrscheinlich auch Fabers Frau und Tochter auf dem Gewissen. Beweisen konnte das der knorrige Ermittler nie. Dennoch ist er überzeugt, dass Graf irgendwie hinter dem Todesfall steht, um Faber ins Gefängnis zu locken. Die Kollegen Bönisch (Anna Schudt) und Nora Dalay (Aylin Tezel) sehen dies wie so oft anders und verfolgen eine andere Spur. Ein ranghohes Mitglied der albanischen Mafia könnte versuchen, die Unruhe in der Anstalt für einen Fluchtversuch zu nutzen.

Der Fall "Tollwut" schließt inhaltlich an den drei Jahre zurückliegenden Fall "Auf ewig dein" an. Autor Jürgen Werner und Regisseur Dror Zahavi machen es dem Zuschauer aber leicht und erinnern schnell an die wesentlichen Zusammenhänge. Faber muss auch diesmal an mehreren Fronten kämpfen, weil neuerdings Kollegin Dalay offen rebelliert und mit einer Versetzung nach Düsseldorf droht.

Der sonst so eigenwillige Kommissar muss diplomatische Fähigkeiten entwickeln und schön Wetter machen, um sein Team zusammenzuhalten. Der Figur tut dies gut, weil Fabers Marotten und gehässige Sprüche in den vergangenen Fällen schon etwas auf die Nerven fielen. Auch diese Entwicklung trägt dazu bei, dass "Tollwut" ein sehenswerter Krimi geworden ist, der tatsächlich bis zur letzten Minute die Spannung hält.

Nur zwei Drehtage in Dortmund

Zu streng darf der Zuschauer jedoch in einigen Szenen nicht sein, da es doch manchmal etwas unrealistisch wird. Wie der Tollwut-Erreger mitsamt Nährflüssigkeit in das Gefängnis gelangt, wird nicht überzeugend erklärt. Und auch dass der mehrfache Mörder Graf in einer riesigen Zelle mit langen Pinseln und Terpentin hantieren darf, wirkt ein wenig seltsam. Belohnt wird der Zuschauer mit dem unheimlichen Duell Faber gegen Graf, das in den kommenden Fällen eine Fortsetzung finden dürfte.

Verzichten muss der Zuschauer am Sonntag indes weitgehend auf Dortmunder Lokalkolorit. Der Film wurde zu großen Teilen in einem leerstehenden Magdeburger Gefängnis gedreht. Nur zwei Drehtage fanden in Dortmund statt.

Um dies zumindest etwas zu kaschieren, verlegen die Kommissare eine Teambesprechung ins altehrwürdige Stadion Rote Erde. Muss halt auch mal reichen. Ursprünglich sollte "Tollwut" übrigens bereits im September gezeigt werden, dann kam aber das TV-Duell vor der Bundestagswahl dazwischen. Heute kann man sagen: Dieser "Tatort" wäre schon damals interessanter gewesen.

"Tatort: Tollwut", ARD, So., 20.15 Uhr

 
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