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Weihnachtsklassiker
Noch 36 Haselnüsse für Aschenbrödel

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel: dieser Kult ist ein großes Rätsel
Die tschechisch-ostdeutsche Produktion läuft während der WeihnachtsWochen wie am Fließband. FOTO: rp
Düsseldorf. Die tschechische Märchen-Verfilmung ist ein Weihnachtsklassiker und wird nun in der Kölner Philharmonie gezeigt. Von Martina Stöcker

Wer meint, das Gedudel von "Last Christmas" wäre schon schlimm, der hat noch nicht die Vorweihnachtszeit mit einem extremen "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel"-Fan verbracht. Kein anderer Weihnachtsklassiker läuft im Fernsehen so oft: An Heiligabend allein fünf Mal - diejenigen, die keinen Wert auf Vorbereiten, Gottesdienstbesuch, Bescherung und trautes Beisammensein unterm Baum legen, müssen auf kaum eine Minute verzichten.

Und sollte doch jemand am 24. Dezember keine Zeit gehabt haben, der bekommt an den drei folgenden Tagen sechs Chancen, das Aschenbrödel auf seinem Weg ins Glück zu begleiten. Insgesamt noch zwölfmal läuft die tschechisch-ostdeutsche Produktion in den kommenden Wochen. Den Auftakt der Nuss-Saison am ersten Advent sahen im Kinderkanal um 12 Uhr mehr als zwei Millionen - von solchen Zahlen träumt Sat1 in der Primetime.

Warum die Menschen das Aschenbrödel lieben, ist für viele ein Rätsel, doch der mehr als 40 Jahre alte Film ist immer noch ein Hit beim Publikum - trotz der vorhersehbaren Geschichte, grausamer Kostüme (man denke nur an den Lampenschirm-Hut der Stiefmutter) und der schlechten Tricks, wenn zum Beispiel immer das passende Kleid aus einer Zaubernuss quillt, ganz ohne Knitterfalten. Mitten im Film wechseln die Hauptdarsteller die Pferde, weil damals in Tschechien die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen war und die Tiere nicht zum Drehort in die DDR gebracht werden durften. Egal.

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Also was macht die Faszination aus? Es ist ein Mix aus allem, was viele Mädchen und Frauen, in denen irgendwo noch ein Mädchen steckt, mögen: Es gibt ein sehr hübsches armes Ding (Aschenbrödel), gespielt von der bezaubernden Libuse Safrankova, ein weißes Pferd (Nikolaus), einen Hund (Kasperle) und einen Prinzen (Prinz), der zwar eine Pott-Frisur hat, aber das Aschenbrödel vergöttert. Und am Ende reiten sie durch die Eiseskälte über schneebedeckte Felder - er in Strumpfhosen und sie in ihrem dünnen Brautkleid - und niemand rät ihr, besser einen Schal anzuziehen, weil sie sonst nicht wirklich lange etwas von ihrem Prinzen haben wird. Derart entrückt von der Wirklichkeit passt die Geschichte in die Weihnachtszeit, vor allen Dingen weil die junge Frau sich nicht erobern lässt, sondern den Prinzen selbst an Land zieht.

Mitverantwortlich für den Erfolg von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" ist sicherlich die Musik des Komponisten Karel Svoboda. Zum Glück hat es das Lied "Wo kleiner Vogel ist dein Nest", das im tschechischen Original Karel Gott singt, nur in der Instrumentalversion in den Film geschafft - das bewahrt viel von seinem Zauber. Svoboda, der die diamantene Schallplatte für mehr als zehn Millionen verkaufte Tonträger erhielt, ist auch verantwortlich für die Melodien von "Biene Maja", "Wickie" und "Nils Holgersson". Zum ersten Mal erklingt seine "Aschenbrödel"-Musik nun in der Kölner Philharmonie: Am 27. Dezember wird das Märchen im Kinoformat und mit Begleitung des Radiosymphonieorchesters Pilsen aufgeführt.

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Und der Hype geht weiter. Es gibt ein Theaterstück, ein Musical, eine Ausstellung am Drehort Schloss Moritzburg bei Dresden, aus der im vergangenen Jahr sogar eine Kopie des Ballkleids erst gestohlen und dann per Paket wieder zurückgeschickt wurde. Die Sängerin Jacqueline Zebisch hat unter dem Künstlernamen Ella Endlich auf das Aschenbrödel-"Lalala" die Zeile "Küss mich, halt mich, lieb mich" gelegt und erreichte damit 2009 Platz 12 in den deutschen Charts - unnötig, nach der Jahreszeit zu fragen. Es war natürlich Weihnachten.

INFO 27. Dezember, 15 und 19 Uhr, Kölner Philharmonie. Karten unter 0211 - 274000 oder www.westticket.de

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Quelle: RP
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