| 13.30 Uhr
Batic und Leitmayr ermitteln in "Der tiefe Schlaf"
Ein ungewohnt bedrohlicher "Tatort"
Szene aus dem "Tatort" "Der tiefe Schlaf"
Szene aus dem "Tatort" "Der tiefe Schlaf" FOTO: BR/Kerstin Stelter
München. Ein Mädchen wird auf dem Schulweg entführt und ermordet. Für Eltern ein Alptraum. Aber ebenso für die Kommissare, die im neuen Münchner "Tatort" ermitteln müssen. "Der tiefe Schlaf" ist ein ungewöhnlicher Krimi, der mit der Zeit eine unglaubliche Spannung erzeugt.

Anfangs verliert er sich zwar im nervig-frotzelnden Geplänkel von Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec). Aber nach rund 30 Minuten nimmt er endlich an Fahrt auf. Wer durchhält, wird belohnt mit einem Film, der einen eigenwilligen Sog entfaltet. Das ist vor allem Darsteller Fabian Hinrichs zu verdanken. Als neuer Ermittler Gisbert Engelhardt ist er davon besessen, den Mörder zu finden, und bewegt sich zwischen kühler Recherche, Intuition und Wahnsinn.

Eigentlich passiert in dem Film nicht viel. Das Mädchen wird tot im Wald entdeckt, ihr Zimmer wird durchsucht, Freunde und Lehrer werden angehört. Dabei erfahren die Ermittler, wie Carla (Anna Willecke) ihre letzten Stunden verbracht hat – beim Turnen in der Schule. Auf dem Heimweg wird sie entführt. Die Straße ist dunkel – und einsam. Beste Bedingungen für den Mörder.

Der Neue kommt ständig mit neuen Theorien

Anders als in vielen anderen Krimis steht nicht die aufreibende Täterjagd im Vordergrund. Als ein erster Verdächtiger ins Spiel kommt, sind die alten Hasen Batic und Leitmayr gezwungen, sich mit ihrem neuen Kollegen und seinen wilden Theorien über die Mordnacht auseinanderzusetzen.

Der viel gescholtene Gisbert wirkt sprunghaft, zerfahren und kaputt, gleichzeitig verletzlich und höchst empfindsam. Er wird gesteuert von einer unbekannten, inneren Macht. Ständig kommt er mit neuen Theorien. Am Ende gipfelt alles in einer fatalen, schockierenden Entscheidung.

Regisseur Alexander Adolph unterstreicht Gisberts Besessenheit mit einer fein austarierten Mischung aus Tönen. Autos brummen, der Wind braust und das Telefon rauscht. Dazu das nervöse Fingertrommeln Gisberts und der markante Stakkato-Husten des Täters, der als körperloser Ton bedrohlich durch den Film geistert. Insgesamt ein sehenswerter Krimi des Bayerischen Rundfunks (BR) mit packenden, psychologischen Elementen, bei dem es sich wirklich lohnt, dranzubleiben.

Quelle: dpa/das
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