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"Im Namen meines Sohnes"
Ein Vater als einsamer Rächer

Berlin. Tobias Moretti spielt in "Im Namen meines Sohnes" einen Mann, der an einem Verbrechen zerbricht. Von Klaus Braeuer

Ein Mann steht vor einer Wand aus Zeitungsausschnitten. Das Telefon klingelt, eine Festnahme steht bevor. Eilig verlässt der Mann seine Wohnung. Nach der Anfangsszene folgt ein Rückblick auf das Jahr 1992: Es ist tiefer Winter, alles ist verschneit. Der Mann vom Beginn trägt einen Schnurrbart und sieht ein wenig jünger aus. Es ist Claus Jansen (Tobias Moretti) auf dem Weg zu einem Internat. Dort ist sein Sohn Hannes untergebracht, der vermisst wird. Gemeinsam mit Kommissar Jan Schnabel (Maxim Mehmet) macht er sich auf die Suche, während sich seine Frau Heike (Inka Friedrich) zu Hause um den kleinen Sohn Sebastian kümmert. Dann wird Hannes ermordet aufgefunden.

Im Film "Im Namen meines Sohnes" quält den Vater die Frage nach der eigenen Schuld. Claus Jansen engagiert einen Detektiv und stellt Strafanzeige gegen den Kommissar wegen "Strafvereitelung im Amt".

Doch dann wird er selbst wegen Verleumdung vor Gericht gestellt und riskiert zunehmend, sich selbst und die Liebe seiner Frau Heike zu verlieren. Aufhören kann er nicht. 1995 und 2001 sterben zwei weitere Jungen, sie werden tot in einer Kiesgrube gefunden. Jansen ist sicher, dass auch sie Opfer des gesuchten "Maskenmannes" sind, der maskiert in Kinderzimmer eindringt und den wohl auch Hannes einmal erwähnt hatte.

Der Schauspieler Tobias Moretti spielt den verzweifelten Vater als verbissenen, einsamen Rächer. Der Film von Autor und Regisseur Damir Lukacevic ("Transfer") stellt verstörende Fragen: Wie gut können Eltern ihr eigenes Kind kennen? Die vielen Rückblenden verwirren. Der Film fordert Aufmerksamkeit und verliert sich in Details, bietet aber Einblicke in seelische Abgründe. Die Hauptfigur ist mit plötzlichen Ausbrüchen von Wut, Verzweiflung und Eigensinn sperrig gezeichnet. Moretti liefert aber eine Glanzvorstellung, die die Zerrissenheit und Wut seiner Figur greifbar macht.

"Im Namen meines Sohnes", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)
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