| 17.09 Uhr

Serien-Hit
Eine Anleitung zum "Black Mirror"-Gucken

Serien-Hit: Eine Anleitung zum "Black Mirror"-Gucken
Gute Idee? Der abgebrannte Cooper (Wyatt Russell, 2. v.l.) testet ein Virtual-Reality-Horror-Videospiel, das mit seinem Gehirn verbunden ist. FOTO: Laurie Sparham/Netflix
Die 13 Episoden von "Black Mirror" bauen nicht aufeinander auf. Und die darin gezeichneten Dystopien sind teils so düster, dass sie nur schwer zu verdauen sind. Daher ein Spoiler-freier Vorschlag zur Seh-Reihenfolge. Von Tobias Jochheim
  1. "Der Wille des Volkes" (Folge 1, Genre: Thriller)
    Um eine entführte Prinzessin zu retten, soll der britische Premierminister vor laufender Kamera Geschlechtsverkehr mit einem Schwein haben. Je näher der Ablauf des Ultimatums rückt, desto mehr kippt die öffentliche Meinung gegen ihn. Spannend – und zugleich gerade weit genug weg, um es als überdreht abtun zu können.
     
  2. "Abgestürzt" (Folge 8, Satire)
    Wer die junge Lacie sieht, sieht sofort auch ihr Ranking: 4,2 von 5 möglichen Sternen. Da geht noch mehr. Genauer gesagt: Da muss noch mehr gehen, damit sie ihre Traumwohnung mieten darf. Deshalb lächelt und kichert sie stets und verteilt freigiebig Komplimente – immer in der Furcht vor dem sozialen Absturz, der in dieser pastellfarbenen Instagram-Welt auch ein beruflicher und finanzieller wäre.
     
  3. "Wiedergänger" (Folge 4, Drama)
    In tiefer Trauer lässt sich Martha darauf ein, dass eine Software ihren verstorbenen Ehemann Ash aus seinen digitalen Spuren rekonstruiert. Bewegende Studie darüber, was eine Beziehung, einen Menschen und das Leben selbst ausmacht.
     
  4. "Von allen gehasst" (Folge 13, Krimi)
    Was wäre, wenn Shitstorms sich auch im echten Leben auswirken würden, und zwar tödlich? Etwas weit hergeholt, aber sehr gut – vor allem im Originalton. 
     
  5. "Männer aus Stahl" (Folge 12, Kriegsfilm)
    Ein Soldat beginnt daran zu zweifeln, ob sein Feind tatsächlich so lebensunwürdig ist, wie ihm vom Psychologen Arquette (Michael Kelly, bekannt als Doug Stamper aus "House of Cards") eingetrichtert wird. Mit Parallelen zum Film "District 9" und auf viele Arten brutal.
     
  6. "San Junipero" (Folge 11, Romanze)
    Eine schöne Liebesgeschichte, für deren Genuss man aber daran gewöhnt sein muss, lange nicht zu verstehen, was eigentlich vor sich geht. Nach fünf Folgen "Black Mirror" ist man so weit.
     
  7. "Das Leben als Spiel" (Folge 2, Drama)
    Ein furchtbar deprimierender Blick in eine Zukunft, in der der Gewinn einer Castingshow der einzige Ausweg aus einer Existenz als Trash-TV-berieselter Sklave ist.
     
  8. "Das transparente Ich" (Folge 3, Drama)
    Ein einziges, erschütterndes Plädoyer dafür, dass Projekte wie die Mini-Kamera "Google Glass" niemals Realität werden sollten.
     
  9. "Erlebnishunger" (Folge 9, Horror)
    Weil der Backpacker Cooper pleite ist, stimmt er zu, gegen Geld ein hochexperimentelles Virtual-Reality-Spiel zu testen. Dafür lässt er sich einen Chip implantieren, der seine ganz persönlichen Ängste identifiziert und wahr werden lässt.
     
  10. "Die Waldo-Kandidatur" (Folge 6, Satire)
    Dass ein vulgärer virtueller Teddybär zum umjubelten Star in der realen Politik wird, wirkt nach dem Aufstieg von Donald Trump plötzlich gar nicht mehr so abwegig. Als "comic relief" taugt die Folge dennoch. Und nichts ist vor den düstersten drei Folgen notwendiger als etwas befreiendes Gelächter.
     
  11. "Weiße Weihnacht" (Folge 7, Tragödie)
    Das "Christmas Special" von 2014 ist ein Meisterwerk in Spielfilmlänge aus miteinander verwobenen Albtraum-Geschichten. Ein kleiner Trost: Die übelsten der hier vorgestellten Technologien dürften unmöglich zu realisieren sein.
     
  12. "Böse neue Welt" (Folge 5, Horror)
    Acht Neuntel dieser Folge sind völlig verstörend – und das Ende noch viel schlimmer.
     
  13. "Mach, was wir sagen" (Folge 10, Psycho-Thriller)
    Kenny sitzt in der Falle: Hacker drohen, ein brisantes Video von ihm zu veröffentlichen, wenn er nicht wie ferngesteuert die Befehle befolgt, die sie ihm per SMS senden. Das vielleicht erschütterndste Stück Fernsehen, das je produziert wurde – nicht zuletzt, weil sein Inhalt genau so passieren könnte, schon heute, jederzeit.

Spätestens an dieser Stelle wäre es dann ratsam, etwas mit süßen Tierbabys zu gucken.

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