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Düsseldorf
Eine Dokumentation über die Unterwelt

Düsseldorf. Die Doku "NRW von unten" führt in ein unterirdisches Rechenzentrum, Urzeit-Höhlen und ein glitzerndes Salzbergwerk. Von Oliver Burwig

Sechs Stockwerke tief fährt der gläserne Aufzug nach unten. Hinter dicken Betonwänden schlägt das digitale Herz einer der größten Versicherungen Deutschlands, der Ergo. Eine geheime Welt, die kaum ein Mensch je zu Gesicht bekommen hat, denn die Sicherheitsstandards des Unternehmens sind hoch, der Zugang zur Rechenzentrale exklusiv. Regisseur Jörg Siepmann stieg mit seinem Filmteam hinab und erkundete für die 45-minütige WDR-Doku "NRW von unten" die Unterwelt des Landes. Dabei wollte er zeigen, dass ein Teil der menschlichen Lebenswelt schon immer unter der Erde lag.

Die vor vier Jahren eröffnete Rechenzentrale der Ergo in Düsseldorf gleicht einem Bunker für Regierungsgrößen. Personenscanner, Sicherheitsschleusen und Terminals zur Code-Eingabe, die den einfachen Besucher vom sechsstöckigen Keller trennen, vermitteln eine Atmosphäre von Kaltem Krieg und atomarer Bedrohung. Viele Meter tief unter der Erde arbeiten in sogenannten Kaltgängen die Server, über die alle Transaktionen des Unternehmens laufen. Im Brandfall können ganze Komplexe abgeriegelt und mit einem Löschgas gefüllt werden, 40 Kilometer entfernt sichert ein gigantischer Speicher selbst im Falle eines Bombenangriffs die Daten der Versicherungskunden und des Unternehmens. Bis es so weit kommt, müsste allerdings auch die zweite, identische Anlage zerstört werden, eine exakte Kopie des Rechenzentrums an einem geheimen Ort.

Mit seiner Doku wirft Siepmann ("NRW von oben") einen Blick in mal sterile, mal äußerst lebendige und geheimnisvolle Unterwelten. Die Dreharbeiten im Hochsicherheits-Rechenzentrum erinnerten den 49-Jährigen an Aufnahmen, die er für die WDR-Dokumentation "Geheimnisvolle Orte" im ehemaligen Atombunker der NRW-Landesregierung machte. "Ich wusste vorher noch nicht einmal, dass es so etwas wie unterirdische Rechenzentren gibt", sagt Siepmann.

Neben der modernen Ergo-Zentrale sind in "NRW von unten" auch tief vergrabene Orte zu sehen, die aus der Vergangenheit erzählen. Urzeitliche Höhlen, die nur mit kompaktem Filmequipment zugängig waren, stellten den Regisseur und sein Team vor Herausforderungen: "Die Doku soll auch die Anstrengungen der Dreharbeiten so gut wie möglich wiedergeben." Am schwierigsten seien einige Aufnahmen in den Höhlen des Sauerlands gewesen. "Da sind Spalte, teilweise kaum größer als ein Stuhl", sagt Siepmann. Auf allen vieren krochen er und sein Kamerateam durch die engen Gänge und Röhren, an deren Ausgängen sie gewaltige, natürliche Hallen und eine Tropfsteinlandschaft erwarteten.

Auch von Menschenhand geschaffene Höhlen erforschte das Filmteam mit der Kamera. In einem ehemaligen Erzbergwerk nahe Porta Westfalica widmet sich die Doku der Vergangenheit der Landschaft, die wie kaum eine andere in Deutschland durch den Bergbau geprägt wurde. Wie die Menschen heute Bodenschätze bergen, zeigen Szenen aus dem Salzbergwerk Borth am Niederrhein. 10.000 Tonnen Salzgestein brechen die Maschinen dort täglich aus den Stollen, 150 Bergleute beleben auf insgesamt 40 Quadratkilometern die glitzernd weißen Hallen. Einige Gänge sind so groß, dass sie mit Autos befahren werden können. Dass Siepmann, der sich eher als Produzent versteht, selbst Regie führen wollte, ist angesichts der Bilder verständlich: "Man hat selten die Möglichkeit, so interessante Orte zu sehen."

"NRW von unten", 20.15 Uhr, WDR

Quelle: RP
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