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Berlin
Eine Familie rechnet ab

Berlin. In "Ein großer Aufbruch" nimmt ein Todkranker Abschied von seiner Familie - und von Lebenslügen. Von Klaus Braeuer

Wie verabschiedet man sich angemessen aus dem Leben und von seinen Liebsten - so lange man dazu noch selber in der Lage ist? Versammelt man sie alle um sich, um ihnen dann mitzuteilen, dass das eigene Leben bald zu Ende sein wird? Oder sagt man erst mal gar nichts? Darum geht es in dem Film "Der große Aufbruch", der heute im ZDF zu sehen ist.

Holm (Matthias Habich) hat unheilbaren Krebs und will dies seiner Familie mitteilen. Auf seinem idyllischen Landhof am Chiemsee versammelt er also alle Menschen um sich, die ihm etwas bedeuten: seine beiden Töchter Marie (Ina Weisse) - samt ihrem Freund Heiko (Matthias Brandt) - und Charlotte (Katharina Lorenz), seine Ex-Gattin Ella (Hannelore Elsner) sowie seinen besten Freund Adrian (Edgar Selge) mit seiner Frau Katharina (Ulrike Kriener). Man versammelt sich bei Essen und Wein - und zeigt sich von ungläubig bis schockiert von dem, was Holm mitzuteilen hat: Er möchte in der Schweiz mittels eines Medikaments aus dem Leben scheiden.

So kommt heraus, dass Holm , der mal als Entwicklungshelfer in Afrika gearbeitet hat, im Grunde pleite ist, von Zuwendungen von Adrian lebt und ein Verhältnis mit Katharina hatte. Ex-Frau Ella hat noch ein paar Rechnungen offen; Charlotte reist eigens aus Frankreich an, und Marie wollte eigentlich nur auf einen Drink bleiben. Man schimpft, man tobt, man weint, man lacht: Abrechnungen werden quer über den Esstisch gemacht, die den eigentlichen Grund des Familientreffens eher in den Hintergrund treten lassen.

"Es geht um die Konfrontation mit dem eigenen Tod, um familiäre Verwicklungen, Lebenslügen", sagte Regisseur Matti Geschonneck. "Unangenehme Wahrheiten werden ausgesprochen. Aber Familie und Freunde brauchen sich, bedingen einander." Die Frage sei, ob Holm wirklich gescheitert ist. "Ich glaube das nicht. Und gerade deshalb finde ich, dass es ein lebensbejahender Film ist, weil er auch über die Abgründe und Beziehungen in Holms Leben berichtet. Es geht letztlich um die Zeit zu leben."

Das Kammerspiel punktet mit pointierten Dialogen ("Was ist so schlimm am Sterben?" - "Dass man anschließend tot ist"), Spannung und hervorragendem Ensemble.

"Ein großer Aufbruch", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)
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