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Düsseldorf
Eine "Fernsehpreis"-Gala ohne Fernsehen

Düsseldorf. Zum ersten Mal wurde die Verleihung nicht live übertragen, den Preis für die "Beste Regie" bekam Lars Becker. Von Leslie Brook und Jan Wiefels

Zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr begann die 17. Verleihung des deutschen Fernsehpreises - nur, dass niemand zu Hause zusehen konnte. Denn der neue Deutsche Fernsehpreis ist, wie Moderatorin Barbara Schöneberger sagte, ein "off-air-event". Das heißt: "Niemand schaut uns zu, Sat.1 kennt das Gefühl." Deshalb sei der Begriff der "deutsche Preis" eigentlich ausreichend. Wer aber doch Ausschnitte sehen möchte, bekommt heute einen Zusammenschnitt auf Einsfestival präsentiert - 30 Minuten ab 21.45 Uhr. Dort würden die Quoten sicher wieder bombig sein, unkte Schöneberger, genauso wie in den vergangenen Jahren im Ersten. Denn das geringe Zuschauerinteresse war der Grund, warum ein neues Format für die Preisverleihung gesucht worden war.

Erstmals fand die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in Düsseldorf statt, und erstmals wurde sie nicht im Fernsehen übertragen. Nach einem Jahr Pause hatten sich die Stifter, die Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1, auf ein neues Konzept verständigt: eine Art Branchentreffen. Die Auszeichnung wurde in 20 Kategorien vergeben. Für die "Beste Regie" wurde Lars Becker ("Zum Sterben zu früh", Arte) ausgezeichnet, "Bester Schauspieler" wurde Jonas Nay ("Deutschland 83", RTL), "Beste Serie" ist "Der Club der roten Bänder" (Vox).

Die prominenten Gäste aus Unterhaltung und Politik saßen an langen Tischen im Saal der Düsseldorfer Rheinterrassen. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte neben WDR-Intendant Tom Buhrow Platz genommen. Selbstironisch gaben sich die vier Stifter Tom Buhrow (WDR), Frank Hoffmann (RTL), Thomas Bellut (ZDF) und Kaspar Pflüger (Sat.1) in dem Einspielerfilm "Klar Wars - der Fernsehpreis der Macht". Buhrow trat als Gebührenritter "Major Tom" auf. Yoda Bellut erklärte ihm: "Glauben du musst an die Macht der Gebühren." Und dann war da noch ein Unterhaltungs-Roboter mit Namen JBK, über den es hieß: "Er kann 26 Buchstaben in beliebige Fragen verwandeln." Moderator Johannes B. Kerner war nicht anwesend.

Das auffälligste Kleid des Abends trug Sophia Thomalla. Die Schauspielerin kam in einer teilweise transparenten Robe mit Schleppe, die Haare trug sie hochgesteckt zu einem Dutt. Eine Designerin der Show "Let's Dance" habe es eigens für sie angefertigt, erzählte Thomalla auf dem roten Teppich. Zudem gab die 26-Jährige preis, dass sie ihren Neujahrs-Vorsatz, keinen Alkohol zu trinken, bislang durchgehalten habe. Bis März wolle sie dabei bleiben. Thomalla bezog außerdem Stellung zu dem Ratschlag der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, als Frau eine Armlänge Abstand zu Fremden zu halten. "Das ist das Bescheuertste, das ich in meinem Leben je gehört habe."

Den Ehrenpreis der Stifter erhielt der Journalist Günter Wallraff (73) für sein Lebenswerk. "Ich sehe mich als spätpubertär, doch die Auszeichnung klingt, als ob ich alles schon hinter mir hätte."

Quelle: RP
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