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Erster "Schwarzwald-Tatort"
Es ist nur ein Krimi – zum Glück

Szenen aus dem Tatort "Goldbach"
Szenen aus dem Tatort "Goldbach" FOTO: SWR-Presse/Bildkommunikation
Düsseldorf. Das Debüt des Teams im Schwarzwald-"Tatort" ist gelungen. Denn endlich gibt es wieder einmal Ermittler, die nur ihren Job machen. Nur eine Sache nervte. Von Martina Stöcker

Wie war der erste Schwarzwald-"Tatort" Das neue Team Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) macht einfach seine Arbeit: Die beiden ermitteln, wer für den Tod eines Mädchens verantwortlich ist, das im Wald erschossen wurde, und diskutieren nicht über Eheprobleme oder ihre Neurosen. Dass der Tod das tragische Ende eines Kinderspiels war, ist schnell klar. Doch es ist spannend zu beobachten, wie die Tat das soziale Gefüge im fiktiven Dorf "Goldbach" verändert und das bisherige Miteinander auseinander sprengt.

Was war schwer auszuhalten? Eltern werden nach diesem Film noch einmal ins Kinderzimmer gegangen sein und die Decke um die schlafenden Kinder festgesteckt haben. Denn dieser "Tatort" ist brutal – nicht mit Blut und Gewalt, sondern indem er vor Augen führt, wie ein tragisches Unglück auch in dieser Schwarzwälder Bullerbü-Welt passieren kann. Und wie schnell die heile Welt zerbrechen kann. Der einzige Trost: Es ist nur ein Krimi – zum Glück. "Die Kinder kommen nur heim, wenn sie Hunger haben oder wenn ihnen kalt ist", sagt ein Vater, als die Polizei schon vor ihm steht und nach den Kindern fragt. Doch Frieda liegt tot im Wald, Linus ist verschwunden, und Paul verhält sich verdächtig. Wie dieser Film einerseits die Seelenpein der Eltern, die um ihr Kind trauern, und andererseits die Furcht der Freunde, denen schwant, dass ihre Söhne mitverantwortlich für Friedas Tod sein müssen, herausarbeitet, tut beim Zusehen wirklich weh. Dabei haben alle Eltern das Beste für ihr Kind gewollt, sind an "den Arsch der Welt gezogen", pendeln jeden Tag weite Strecken, und dann wird ein Kind erschossen. "Die ist elf, die stirbt doch nicht", sagt Friedas Vater, unfähig, das Geschehene zu begreifen.

Der beste Spruch "Ich habe gerade keine Pause", sagt ein Sportschütze, der der Polizei Auskunft über seine Waffen geben soll. "Das passt mir gut, ich auch nicht", antwortet Kommissar Berg und nimmt ihn in die Zange.

Wie viel Lokalkolorit gab es? Sprachlich zum Glück wenig, schließlich kann man im Südwesten alles außer Hochdeutsch. Kommissar Berg gönnte sich zwar ein paar Mal Dialekt – aber halb so wild. Wahrer Star des Films ist die Landschaft. Regisseur Robert Thalheim inszenierte die riesigen Wälder als Bedrohung, kalt und karg, ohne Wärme und Idylle.

Vermisste man Harald Schmidt? Nein. Er wäre wohl der Star des neuen Teams gewesen. Er war für die Rolle des Kripochefs verpflichtet worden. Aus persönlichen Gründen, die er nicht näher ausgeführt hat, sagte er jedoch ab. Seinen Part übernahm Steffi Kühnert.

Was nervte? Die etwas schrille Synthesizer-Musik.

Was erfährt man über die neuen Kommissare? Noch nicht viel. Die beiden arbeiten anscheinend schon länger zusammen, weil sie gut aufeinander eingespielt sind. Berg holt in brenzligen Situationen einen Schnaps aus der Schreibtischschublade und geht bei seiner Arbeit gerne ungewöhnliche Wege. Tobler wird abends von ihrem Freund abgeholt, mit dem sie zusammenwohnt. Sie wirkt etwas verhuscht, aber das täuscht.

Wie wichtig ist die Waffenindustrie in Baden-Württemberg? Der Rüstungsatlas der Informationsstelle Militarisierung führt im Jahr 2017 mehr als 120 Firmen an über 70 Standorten auf. In Oberndorf am Neckar hat mit Heckler und Koch Europas größter Schusswaffenproduzent seinen Sitz. "Im Export fiel H&K immer wieder negativ auf", heißt es in dem Atlas, da Gewehre zum Beispiel trotz Exportverbot in Krisengebieten landen.

(mso)
 
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