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Hamburg
ESC-Vorentscheid setzt auf Lena-Effekt

Hamburg. Der deutsche Vorentscheid für den Eurovision Song Contest kehrt zurück zu den Wurzeln: Fünf Künstler singen um die Gunst des Publikums - und Lena Meyer-Landrut sitzt in der Jury. Raab TV ist an der Produktion beteiligt. Von Jörg Isringhaus

Diesmal muss es einfach funktionieren. Nach dem Debakel um die Nominierung von Xavier Naidoo und dem letzten Platz von Jamie-Lee Kriewitz beim Finale des Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm will der Norddeutsche Rundfunk (NDR) das Risiko minimieren, sich erneut zu blamieren. Deshalb stellt der Sender jetzt konzeptionell alles wieder auf Anfang. Für den deutschen Vorentscheid können sich fünf Künstler qualifizieren, denen eigens Songs geschrieben werden. Eine Jury ordnet die Beiträge ein, entscheiden müssen die Zuschauer - der beste Sänger mit dem besten Song fährt 2017 nach Kiew. "International haben wir seit 2002 die besten Ergebnisse mit den Siegern aus Castings und für sie produzierten Liedern erzielt", erklärt Thomas Schreiber, ARD-Koordinator Unterhaltung, die Rückbesinnung aufs neue alte Prozedere.

Die Erkenntnis hängt aber wohl auch mit der harschen Kritik zusammen, die sich der NDR gefallen lassen musste, als er den Sänger Xavier Naidoo als einzigen ESC-Kandidaten für Stockholm präsentierte. Der Ärger entzündete sich an Äußerungen Naidoos, die unter anderem als homophob und antisemitisch bewertet wurden. Als Konsequenz zog der NDR die Nominierung zurück und ließ zehn Künstler um die Gunst des Publikums vorsingen. Die damals erst 17-jährige Jamie-Lee Kriewitz gewann mit "Ghost", scheiterte aber in Stockholm. Mit nur elf Punkten belegte sie dort den letzten Platz - und begrub alle Hoffnungen auf ein zweites deutsches Fräuleinwunder nach Lena Meyer-Landruts Sieg 2010 in Oslo.

Dass Lena nun in der Jury sitzt bei "Eurovision Song Contest - Unser Song 2017", soll wohl den Geist von Oslo heraufbeschwören. Auch Lena musste sich im Vorentscheid gegen andere Kandidaten durchsetzen. Mit ihren Jury-Kollegen Tim Bendzko ("Nur mal kurz die Welt retten") und Volksmusikstar Florian Silbereisen bildet sie jedoch nicht nur ein sehr heterogenes Gespann, sondern besitzt auch keinerlei Stimmrecht. Ihre Aufgabe ist es, die Beiträge aus professioneller Sicht zu kommentieren und so möglicherweise das Publikum auf die richtige Spur zu setzen. Die Entscheidung liegt allein bei den Zuschauern - dank Live-Stream und App europaweit. So hofft der NDR auf ein "europäisches Stimmungsbarometer", das schon einmal einen Ausblick auf etwaige Finalchancen gibt.

ARD-Programmdirektor Volker Herres zumindest hält bei dieser Konstellation, weit bevor Künstler und Lied feststehen, eine Top-Ten-Platzierung für denkbar. Aber Träumereien sind ja nicht verboten. Das gilt auch für die Musiker, die sich ab sofort bewerben dürfen. Unter allen Kandidaten wählen Vertreter des NDR und weiterer ARD-Sender, der Produktionsfirma Raab TV sowie musikalische Experten 30 Künstler aus, die zu einer zweiten Castingrunde eingeladen werden. Stefan Raab selbst ist jedoch nach Angaben des NDR weder an der Show noch an der Auswahl der Kandidaten beteiligt. Angesichts der Erfolge, die Raab mit seinem Wirken beim ESC verzeichnen konnte und der Entscheidung des NDR, wieder zum Prinzip der Casting-Show zurückzukehren, wäre das aber keine schlechte Idee gewesen. Die besten fünf Bewerber schaffen es in den Vorentscheid, der von Barbara Schöneberger moderiert wird. Die Auswahl, welche Titel in der Show gesungen werden, trifft ebenfalls die oben genannte Fachrunde.

Allerdings bedeuten weder Teilnahme am Vorentscheid noch am Finale zwangsläufig einen Karriereschub. So beklagte sich etwa die Sängerin Ann-Sophie, die 2015 in Wien mit null Punkten den letzten Platz belegte, hinterher, vom Sender fallen gelassen worden zu sein.

Lena sieht das sicher anders. Sie empfiehlt jungen Musikern, sich für den ESC-Vorentscheid zu bewerben: "Es könnte die beste Entscheidung des Lebens sein und alles verändern."

Quelle: RP
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