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Berlin
Existenzkampf einer Hebamme

Berlin. Das ZDF-Drama "Nacht der Angst" thematisiert die Folgen von Fehlern in der Geburtshilfe.

Die erfahrene Hebamme Emma (Nina Kunzendorf) steht vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, ihre Fähigkeiten bei einer Geburt überschätzt zu haben und somit für die Behinderung eines Kindes verantwortlich zu sein, weil sie sich über das Verbot von außerklinischen Zwillingsgeburten hinweggesetzt hat. Der Klägerin war dieses Verbot bekannt: Sesha (Friederike Becht) hatte bereits ein Kind bei Emma im Geburtshaus entbunden, seitdem sind die Frauen befreundet. Nun klagen Seshas Ehemann Peter (Marcus Mittermeier) und dessen Mutter Doris (Eleonore Weisgerber), während Sesha die Aussage verweigert. Wegen der stark gestiegenen Haftpflichtversicherung für frei arbeitende Hebammen ist Emma nicht versichert und muss befürchten, dass eine Verurteilung ihre Existenz vernichten wird.

Genau das ist der Hintergrund des Filmes: Hebammen kämpfen zunehmend nicht nur um das Leben der Kinder, sondern auch um ihr wirtschaftliches Überleben. Freie Hebammen betreuen Schwangere schon Monate vorher und können auch Hausgeburten durchführen, nur eben nicht bei Zwillingen. Bundesweit arbeiten derzeit rund 21.000 Hebammen frei oder an einer Klinik. Es ist ein Frauenberuf, es gibt lediglich ein halbes Dutzend männliche Kollegen.

Das Einstiegsgehalt an einer Klinik beträgt 1300 bis 1900 Euro brutto, Freiberufliche werden nach Geburten bezahlt. Die Haftpflicht beläuft sich derzeit auf 6270 Euro im Jahr - bei einem Jahreseinkommen von etwa 20.000 Euro sind die Kosten kaum zu decken, auch wenn es Ausgleichszahlungen für Prämiensteigerungen gibt. Im Juli läuft die Gruppenhaftpflichtversicherung des Deutschen Hebammenverbundes aus, dann wird es kaum noch Anbieter geben, bei denen sich Hebammen versichern können. "Ein Arzt darf eine Geburt ohne Hebamme nicht durchführen, eine Hebamme ohne Arzt aber sehr wohl", sagte Kunzendorf. "Allein daraus kann man ersehen, wie unglaublich wichtig dieser Beruf ist. Das ganze aktuelle Geschehen ist tragisch und skandalös." Regisseurin Gabriela Zerhau beschreibt einen spannenden Gerichtsprozess, der sich um ein relevantes gesellschaftliches Thema dreht.

"Nacht der Angst", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)
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