| 07.22 Uhr

Neue "Fargo"-Staffel
Aller guten Dinge sind ... vier?

"Fargo": Darum geht es in Staffel drei
"Fargo": Darum geht es in Staffel drei FOTO: FX/Netflix
Düsseldorf. Die neue Staffel von "Fargo" bei Netflix ist bereits der dritte Versuch, den Kultfilm von 1996 als Serie wiederzubeleben. Kann das gutgehen? Von Tobias Jochheim

Theoretisch wird unter der Marke "Fargo", seit kurzem wieder wöchentlich mit einer neuen Folge bei Netflix zu sehen, stets eine einzige Frage behandelt: Wie reagiert die leicht zu unterschätzende, aber mutige und clevere Polizistin, der das blutige Ergebnis einer unheilvollen Kombination von Dummheit, Gier und Gewalt vor die Füße fällt?

Praktisch kommt mit Folge 21 der Serie, dem Auftakt zur dritten Staffel, eine ganze Reihe weiterer Fragen hinzu: Wie lange kann es gutgehen, den Kultfilm der Coen-Brüder von 1996 immer wieder neu zu interpretieren? Wann kippt dieses ganz eigene, fragile Ökosystem aus Hinterwäldler-Posse und Thriller, Zynismus und Moralpredigt, Smalltalk und Blutvergießen, das eigentlich in unser aller Realität spielt, aber doch mit spürbarem surreal-grotesken Touch? Wann wird das redundant, verkommt zur reinen Wiederholung, zum Selbstzitat oder zur Karikatur? Kurz: Wie viel ist zu viel?

Diese Frage stellt sich dringlicher, als die absolut gesehen eher geringe Episodenzahl auf den ersten Blick vermuten ließe. Schließlich wurden schon mehr als 1000 "Tatorte" gesendet, aber erstens sind viele davon Schrott und zweitens ist das Genre - Krimi eben - nur äußerst grob abgesteckt und wird in allen Spielarten verwirklicht, von klamaukiger Selbstparodie über Sozialreportage bis Psychothriller.

Das tolle deutsche Kammerspiel "Tatortreiniger" mit Bjarne Mädel wiederum kommt bislang auf 27 Folgen, die völlig losgelöst voneinander funktionieren. In "Black Mirror" schließlich wechseln mit jeder der bislang 13 Episoden Protagonisten, Schauplatz und auch gleich das ganze Genre. Wieso also ist es ein Wagnis, die "Fargo"-Episoden 21 bis 30 zu produzieren?

Ganz einfach. Die mit 40 Preisen überhäufte Serie mag unvergleichlich sein, vor allem aber ist sie unvergleichbar. Ihre Macher um Noah Hawley sind extrem festgelegt. Jede Staffel ist angelegt als knapp zehnstündige Neuinterpretation des gleichnamigen Films von 1996, mit den immergleichen Eckpfeilern: Überambitionierte Hanswürste, die sich mit inkompetenten Kriminellen einlassen, was durch eine Reihe dämlicher Verwechslungen ausartet - mal komisch und mal tödlich.

Zweimal Ewan McGregor 

Die nun beim Streamingdienst Netflix anlaufende dritte Staffel soll vor allem ein Mann tragen: Ewan McGregor ("Star Wars", "Trainspotting") spielt eine Doppelrolle als schnöseliger Parkplatz-Mogul Ray Stussy und dessen abgehalfterter Bruder Emmit, der genug davon hat, sich als Bewährungshelfer durchzuschlagen. Über das einst höchst ungleich verteilte Erbe ihres Vaters entbrennt zwischen ihnen ein Bruderkampf - mit Parallelen zu jenem aus dem "Breaking Bad"-Spin-Off "Better Call Saul", aber garantiert temporeicher erzählt.

Am meisten glänzen zum Auftakt die beiden weiblichen Hauptfiguren: Carrie Coon überzeugt in ihren wenigen Szenen als alleinerziehende Polizeichefin, Mary Elizabeth Winstead gibt eine vielversprechende Femme fatale mit dem famosen Namen Nikki Swango. Die hat sich ihren Bewährungshelfer Emmit angelacht, um an dessen Seite das große Geld beim Bridge zu machen.

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Der Immobilienmogul Ray hingegen hat plötzlich zu viel Geld - denn die Million Dollar, die ihm der mysteriöse V.M. Vargas (David Thewlis) vor einiger Zeit geliehen hatte, will dieser partout nicht zurück. Es handele sich dabei nämlich, sagt der Mann mit den grotesk schlechten Zähnen, um eine "Investition".

Zu alledem kommt ein beklemmender Prolog, der 1988 in Ost-Berlin spielt und aufzeigt, wie schnell die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge verwischen, sobald ein mächtiger Mann es so will. "Fargo" ist irre, aber mitnichten irrelevant.

Quelle: RP
 
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