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Fazit zur 12. Staffel
Der Dschungel ist welk

Fotos: Dschungelcamp 2018 – Diese Kandidaten sind schon raus
Fotos: Dschungelcamp 2018 – Diese Kandidaten sind schon raus FOTO: MG RTL D / Stefan Menne
Düsseldorf. Kakerlaken, Fäkalien, Tränenausbrüche - die zwölfte Auflage der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" geizt nicht mit Unterhaltungsstoff. Das Quotentief kam trotzdem. Das ernüchternde Fazit zur 12. Staffel des Dschungelcamps.  Von Laura Ihme

Sie kaut. Und kaut. Und kaut. Das Mädchen mit den lilagrauen Haaren kämpft tapfer gegen die rohen Fischaugen in ihrem Mund. Man möchte würgen, hofft, dass sie das Zeug bald herunterschluckt. Geschafft, nächster Gang. Das Mädchen mit dem Namen Jenny Frankhauser, Youtuberin und Schwester von Daniela Katzenberger, macht weiter, auch als fermentierte Enten-Eier mit pürierten Mehlwürmern serviert werden. Dazu ist sie da in der TV-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!". So läuft Unterhaltung im Dschungelcamp.

Dschungelcamp 2018: Diese Kandidaten ziehen ins Dschungelcamp FOTO: MG RTL D / Arya Shirazi

In den vergangenen zwei Wochen lief die zwölfte Auflage der RTL-Fernsehsendung. Am Samstag ist Finale, dann entscheiden die Zuschauer, welcher C-Promi König des Dschungels wird. Hinter den Zuschauern liegen zu diesem Zeitpunkt 16 Tage spätabendlicher Unterhaltung mit tausenden Kakerlaken, einer gehörigen Portion Ekel, Tränen, Wut und Lästereien. Für Fans ist das Dschungelcamp so etwas wie eine Daily-Soap inklusive Insekten. Doch die Soap hat ein Problem: Sie erzählt keine neuen Geschichten mehr.

Künstlich peinliche Kandidaten

Das wird schon beim Blick aufs Personal deutlich: Zwölf Kandidaten schickte RTL dieses Mal in den Urwald. Doch während in den vergangenen Jahren zumindest ein paar halbwegs bekannte Gesichter dabei waren - wir erinnern uns an Brigitte Nielsen - waren die Dschungel-Bewohner in diesem Jahr eine Ansammlung von Sternchen aus der vorletzten Reihe. Da wäre zum Beispiel Daniele Negroni zu nennen, der außer blauen Haaren einen zweiten Platz bei DSDS zu bieten hat. Oder Giuliana Farfalla, Transgender-Model und Ex-Teilnehmerin von Heidi Klums Castingshow "Germany's next Topmodel". Und natürlich Katzenberger-Schwester Jenny Frankhauser. Ein wenig bekannter sind dagegen Natascha Ochsenknecht (Ex-Frau von Uwe Ochsenknecht) und Schlagersängerin Tina York.

Einschaltquoten vom Dschungelcamp FOTO: MG RTL D / Stefan Menne

Diese Kandidaten haben wenig zu verlieren. Und sie haben das Prinzip Dschungelcamp verstanden: Gut kommt der an, der alles macht. Zu einer Essensprüfung nicht antreten, weil es wirklich eklig ist, Kuh-Urin zu trinken? Kommt für sie nicht infrage. Sie verstehen das Dschungelcamp als Marketing-Plattform, und so wirkt fast alles, was sie tun, kalkuliert. Das spitze Schreien von Matthias Mangiapane (für alle, die es nicht wissen: ein Reality-TV-Star) in der Dschungelprüfung zum Beispiel. Und dass er sich gekünstelt echauffiert: "Die Zuschauer wählen mich jetzt jeden Tag in die Prüfung." Stimmt. Und das wollte er genau so, um in diesem Dschungel-Reigen die Rolle desjenigen einzunehmen, der eben immer von den Zuschauern gequält wird, dafür aber lange im Camp bleibt, weil er für Unterhaltung sorgt.

Kein Platz für Neues

So wie Mangiapane haben sich alle Promis ihre Rollen ausgesucht: David Friedrich (Ex-Teilnehmer der "Bachelorette") gab den harten Kerl, Jenny Frankhauser das verletzliche Küken, Natascha Ochsenknecht mimte vor ihrem überaschenden Rauswurf die Camp-Mutti. Das Dschungelpersonal weiß, welche Figuren gebraucht werden, und fügt sich in die Rollen. Da bleibt kein Platz für Überraschungen, kein Platz für Neues. Und RTL kann dagegen wenig machen, was sollen die - wie immer brillanten - Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich auch tun: mehr ekliges Essen servieren?

Dschungelcamp: Die besten Sprüche aller Zeiten FOTO: RTL

Weil die Camp-Bewohner sich ihrer Situation und ihrer Rolle in einer Fernsehshow mehr denn je bewusst sind, gibt es in dieser Staffel jedoch auch erstmals einen neuen Konflikt: den Kampf zwischen Bewohnern und Sender. Während frühere Urwald-Bewohner die Kameras vergaßen, den Dschungel als ihre Realität für zwei Wochen annahmen, liegen die Bewohner dieses Mal im Dauerclinch mit der Regie: Sie tragen ihr Mikro nicht, sie sprechen frei über ihre Interviews. Das sind Regelverstöße. Und als Konsequenz werden ihnen die Zigaretten gestrichen - zum größten Leidwesen von Kettenraucher Daniele Negroni.

Arbeitsverweigerung

Gleich mehreren Bewohnern passt das Spiel zudem so gar nicht: Giuliana Farfalla steigt nach wenigen Tagen aus, Ex-Profifußballer Ansgar Brinkmann verlässt wutentbrannt das Camp, weil er für einen Regelverstoß bestraft werden sollte. Sänger Sydney Youngblood kündigt täglich seinen Weggang an, bis er rausgewählt wird, und Tina York hofft tagelang vergeblich darauf, gehen zu dürfen. Während also die einen Camper ihre Rolle perfekt spielen, verweigern die anderen die Arbeit.

Das sind die Dschungelprüfungen 2018 FOTO: MG RTL D / Stefan Menne

Was sagt all das nun über das Format Dschungelcamp, über die zwölfte Staffel aus? Vor allem eines: Die Luft ist raus. Das zeigt sich auch an den Quoten: Sahen den Auftakt der Show noch 6,49 Millionen Zuschauer, waren es am Dienstag nur noch 4,82 Millionen. Zum Vergleich: 2017 sahen zu diesem Zeitpunkt der Staffel 6,12 Millionen Zuschauer zu. Vielleicht ist es also Zeit, Lebewohl und Danke zu sagen: für zwölf Staffeln Unterhaltung zwischen Vor-Lachen-auf-dem-Boden-Liegen und Vor-Ekel-nicht-hinschauen-Können.

Quelle: RP
 
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