| 10.44 Uhr

Vettweiß
Große Schauspieler am Niederrhein

Vettweiß. Der Roman "Wir sind doch Schwestern" wird derzeit in der Region gedreht. Ein Besuch am Filmset. Von Jessica Balleer

Jutta Speidel schaut mit ehrlichen Augen, als sie über das Alter sinniert. "Es ist ein großes Geschenk für einen Schauspieler, hochzuspielen." Damit meint sie, eine Rolle zu verkörpern, die älter ist als die Schauspielerin selbst. Sie habe sich für die Rolle der 84-jährigen Betty Janssen Vorbilder im Bekanntenkreis gesucht. Auch die Buchvorlage habe der in Wahrheit 63-Jährigen geholfen, die schrullige, lebensfrohe Dame zu verkörpern. "Schauen wir uns meine Kollegin Gertrud Roll an!", sagt Speidel und zeigt auf die Kollegin neben sich. "Na, vielen Dank auch", gibt Roll (81) zurück, aus der die Maskenbildner eine 98-Jährige gemacht haben. Gekicher und Schenkelklopfer, wie bei wirklich alten Damen. Realität und Rolle, gespieltes und wahres Alter - hier am Set von "Wir sind doch Schwestern" verschwimmen Schauspiel und Realität.

Inmitten der Dorfidylle von Vettweiß, einem Ort bei Düren, wird gerade die zentrale Szene des Films gedreht, der frei nach dem Roman von ARD-Moderatorin Anne Gesthuysen erzählt wird: Es ist der 100. Geburtstag von Hiltrud Janssen (Hildegard Schmahl). Ihre Schwestern Betty Janssen (Jutta Speidel) und Martha Peters (Gertrud Roll) sind zur Kirchenfeier gekommen. Und das ist fast schon ein Wunder, denn die drei Schwestern blicken auf vier Jahrzehnte Funkstille zurück. 2012 hatte Gesthuysen mit ihrem Erstlingswerk einen Bestseller gelandet. 100 Jahre deutsche Geschichte dienen als Grundlage für die Lebensgeschichte der drei Schwestern.

Weil Gesthuysen in Geldern am Niederrhein geboren wurde und ihr die Heimat eine "Herzensangelegenheit" ist, ist der Westen Deutschlands Dreh- und Angelpunkt der ARD-Degeto-Produktion. Handlungsort ist der Niederrhein, wo im Raum Xanten gedreht wurde und wird. Doch vor allem im Kreis Düren und in Bergisch Gladbach haben die Filmemacher passende Drehorte gefunden. Doch der Film entsteht nicht nur vor der Kamera, sondern vor allem dahinter. Romanautorin Anne Gesthuysen hat dafür die Drehbuchautorin Heide Schwuchow in ihre Heimat mitgenommen. Drei Jahre dauerte es, bis der Roman adaptiert war. Viel habe sie nicht verändert, dennoch wird der Film eine abgespeckte Version sein. "Mir war wichtig, die Region kennenzulernen", sagt Schwuchow. Gesthuysens Tante Käthe etwa half Schwuchow dabei, ein Gefühl für die Region zu bekommen: "Am Niederrhein ist der Typ Mensch zu Hause, der zu Kaffee und Kuchen einlädt, herzlich und bodenständig und manchmal verschlossen ist."

Der Film, der Ende Oktober fertig wird, kommt ohne Appell aus. Zuschauer sollen sich kritisch auseinandersetzen. Das haben auch die drei populärsten der neun Darstellerinnen getan, die die Schwestern darstellen. Jutta Speidel hat noch etwas für sich mitgenommen: Sollte sie 100 werden, will sie sich "Heiterkeit und Gelassenheit bewahren".

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Film Wir sind doch Schwestern erscheint im Winter


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.