| 09.54 Uhr

Drama "Der Andere"
Flucht und Heimatsuche

Berlin. Ein Flüchtling aus Mali versucht, in Deutschland Fuß zu fassen. Zwei Männer helfen ihm dabei. Von Klaus Braeuer

Das Thema Flüchtlinge ist noch immer eines, auch wenn die Zahlen der Neuankömmlinge zurückgehen - und die Emotionen vieler Bürger nicht mehr so hochkochen. So mancher aus der Fremde wäre froh, wenn er einfach nur Aufnahme und Hilfe fände. Darum geht es in dem Drama "Der Andere", das im ZDF zu sehen ist.

Es ist bald Weihnachten, und da sollten alle Menschen friedlich gestimmt sein. Nicht jedoch in einem Berliner Aufnahmelager für Flüchtlinge, wo Sachbearbeiterin Manuela Waller (Karoline Eichhorn) gar nicht weiß, wie sie mit den Menschen reden soll, die keine gängige Sprache verstehen. Nur Nama (Nama Traore) spricht Französisch und gibt an, dass er seine kranke Mutter von Mali nach Deutschland holen will.

Wallers Kollegin Susanne (Katja Riemann) leitet ein Hostel für minderjährige Flüchtlinge und kümmert sich um Nama, der allmählich mehr und mehr Deutsch spricht. Als er in einer Kirche die liegengelassenen Handschuhe von Willi (Jesper Christensen) an sich nimmt, kommen der alte Mann und der junge Flüchtling zögerlich ins Gespräch.

Willi erzählt von seiner eigenen Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg und will ihn kurzerhand bei sich im Seniorenheim aufnehmen, was natürlich nicht gestattet ist. Also zieht Willi mit Nama in das Haus seines Sohnes Stefan (Milan Peschel) ein - wovon der Polizist aber nicht gerade begeistert ist. Zwischen Vater und Sohn steht eine ungeklärte Schuldfrage, und eigentlich reden sie kein Wort mehr miteinander.

Ansonsten wird durchaus relativ viel geredet in diesem bewegenden Film, der erst allmählich in die Gänge kommt und sich viel Zeit für seine beiden Hauptfiguren nimmt. Traore war als Jugendlicher selbst aus Mali geflohen und spielt hier seine erste Hauptrolle. Seinem verhaltenen Charme kann man sich als Zuschauer nur schwer entziehen. Autorin und Regisseurin Feo Aladag ("Die Fremde") hat einen engagierten Film inszeniert, der eine klare Haltung einnimmt - wider Willkür, Menschenverachtung und Vorurteile, für Nächstenliebe und Respekt. Stellenweise gleicht ihr lebensbejahender Film einem Kammerspiel, so intensiv ist er.

"Der Andere", ZDF, 20.15 Uhr

(dpa)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Drama "Der Andere": Flucht und Heimatsuche


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.