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Talk bei Maischberger
Fliegt Europa auseinander?

Maischberger vom 29. 06. 2016
Maischberger vom 29. 06. 2016 FOTO: WDR
Düsseldorf. Wer ist Schuld am Abstimmungsergebnis und wie soll es mit der EU weitergehen? Bei Sandra Maischberger diskutierten der rechtspopulistische FPÖ-Chef Strache und die ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding.  Von Franziska Hein

Darum ging's: Sprengstoff Brexit: Fliegt Europa jetzt auseinander? – wie auch in der vergangenen Woche war der Brexit das Thema der Sendung. Sandra Maischberger fragte zu Beginn, ob der Brexit nun der Schock sei, der die EU aufwecken werde, oder ob die EU nun trotzdem so weiter machen werde wie bisher. 

Darum ging's wirklich: Die Europa-Befürworter und Europa-Gegner stritten an diesem Abend darüber, wer die Schuld trägt am Abstimmungsergebnis. Und es ging um die Frage, ob einzelne Nationalstaaten ohne die EU besser dran sind. Erwartungsgemäß positionierten sich die beiden Lager in dieser Frage völlig konträr je nach grundsätzlicher Haltung zur EU. 

Die Gäste:

  • Viviane Reding (ehemalige EU-Kommissarin)
  • Heinz-Christian Strache (Chef der rechtspopulistischen österreichischen Partei FPÖ)
  • Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen)
  • Richard Tice (Britischer Investor und Brexit-Befürworter)
  • Dirk Schümer (Europa-Korrespondent der Zeitung "Die Welt")
  • Albrecht von Lucke (Politikwissenschaftler)

Frontverlauf: 

Zu Beginn der Sendung fochten vor allem die ehemalige EU-Kommissarin Viviane Reding und Heinz-Christian Strache, Chef der rechtspopulistischen Partei FPÖ, einen Kampf um die Deutung des Abstimmungsergebnisses aus. Strache legte dar, dass vor allem die über 45-Jährigen gewählt hätten. Die Jüngeren hätten sich überhaupt nicht an der Wahl beteiligt, von daher könne man auch nicht behaupten, dass sie eine andere Meinung gehabt hätten. "Die Mittelschicht hat sich gegen die politische Elite durchgesetzt, die teilweise nicht mehr das Verständnis aufbringt, und das ist diese Frustration. Die ist ja berechtigt", sagte Strache. Sowohl Jürgen Trittin als auch Reding hielten dagegen, das könne man so nicht belegen.

Die EU sei von Anfang an nicht nur ein wirtschaftliches, sondern vor allem ein politisches Projekt gewesen, stellte Trittin klar. Auch hier widersprach Strache wieder. Das Friedensprojekt sollte über eine Wirtschaftsunion geschaffen werden und nicht über eine politisch zentralistisch bundesstaatliche Union, so der Politiker. "Wir wollen eine Änderung der politisch fehlgeleiteten Union", antwortete er auf die Frage der Moderatorin, ob die FPÖ denn nun in der EU bleiben wolle. 

Der Welt-Korrespondent Schürmer stellte schließlich die Gretchen-Frage, auf die die anwesenden Politiker keine passende Antwort fanden: "Was läuft eigentlich schief, dass die Bürger alle so unzufrieden sind?" Angesichts der Krisen, die von außen an die EU herangetragen werden, hätten die Nationalstaaten noch nicht begriffen, dass die Lösung eine gemeinsame europäische Aufgabe sei, sagte Trittin. "Wohlstand für alle: Was ist passiert nach der großen Finanzkrise?" Da hätten die nordeuropäischen Länder die südeuropäischen Länder unter Druck gesetzt und den Ton verschärft. 

Zitat des Abends: "Der Brexit ist keine Chance, er schwächt uns in der Bewältigung internationaler Krisen. Wenn wir internationale Außenpolitik machen wollen ohne die Briten, wird das sehr viel schwieriger werden." (Jürgen Trittin)

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