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Düsseldorf
Freie Mitarbeiter gehen gegen WDR vor

Düsseldorf. Der Kölner Sender will offenbar die Honorare für seine nicht fest angestellten Journalisten kürzen. Von Thomas Reisener

Deutschlands größter Rundfunksender riskiert Ärger mit seinem journalistischen Rückgrat: Über die bereits bekannten Einsparungen im Programm und den Abbau von 500 Planstellen hinaus sollen nun offenbar auch die Honorare für die freien Mitarbeiter gekürzt werden, die erhebliche Teile des redaktionellen WDR-Programms liefern. Wie unsere Zeitung aus Rundfunkrat-Kreisen erfuhr, soll der Honoraretat beim WDR im laufenden Jahr um zehn und im kommenden Jahr um weitere acht Prozent schrumpfen. In internen E-Mails, die unserer Redaktion vorliegen, bereiten die so genannten Freien juristischen Widerstand gegen den Sender vor. Der WDR bestätigte auf Anfrage, er sei "mit den Tarifpartnern in Gesprächen über ein Modell für eine konkretere und gerechtere Honorierung der Leistungen freier Mitarbeiter".

Der Sender hat knapp 4500 festangestellte und rund 15 000 freie Mitarbeiter, die ihm neben logistischen und technischen Dienstleistungen auch redaktionelle Inhalte liefern. Rund 2000 dieser "Freien" arbeiten so eng für den WDR, dass sie ähnliche Rechte wie Angestellte haben. "Freie" erhalten kein Gehalt, sondern leben meistens von Pauschalen oder Honoraren. Kurz nach seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr hatte WDR-Intendant Tom Buhrow die milliardenschwere Sendeanstalt bereits auf einen harten Sparkurs eingeschworen. Ab 2016 will er jährlich 100 Millionen Euro sparen. Eine WDR-Sprecherin sagte gestern: "Von geplanten, massiven Einschnitten bei den Honoraren kann keine Rede sein." Es gelte, das bisherige Honorar-Modell an die neue mediale Wirklichkeit und die gewachsene Bedeutung des Internets anzupassen. Das sehen die Betroffenen anders: "Die Wuppertaler wollen sich wehren", schreibt jetzt ein freier Mitarbeiter in einer internen Mail an seine WDR-Kollegen. In Wuppertal betreibt der Sender ein Regionalstudio. "Sie haben einen Brief an den Intendanten geschrieben und prüfen das Vorgehen des WDRs auch rechtlich", so der Journalist. Er listet auf, was die Sparpläne aus seiner Sicht für die "Freien" des WDR bedeuten: Eine Tagespauschale statt der bisherigen Honorierung einzelner journalistischer Beiträge zum Beispiel. Oder den Wegfall von Zulagen für die private Kameratechnik. "Es handelt sich um eine Reduzierung der Honorare um rund ein Drittel", rechnet er vor.

Die Journalistengewerkschaft DJV schlägt Alarm. Sie befürchtet, dass die bisherige Bezahlung der freien WDR-Journalisten auf der Grundlage von einzelnen journalistischen Beiträgen künftig durch "Tagespauschalen, Kombihonorare und Producer" ersetzt werde, "die journalistische Aufgaben übernehmen". Producer sind im WDR-Jargon Mitarbeiter, die kleinere Aufgaben wie Straßenumfragen übernehmen. DJV-Geschäftsführerin Anja Zimmer: "Pauschale Einsparungen - wie jetzt bei den Honoraretats gedacht - sind nicht geeignet, die finanziellen Herausforderungen des Westdeutschen Rundfunks zu lösen. Weder quantitativ noch qualitativ." Die Finanzierungsprobleme ließen sich nicht lösen, wenn freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach mehr Leistung für weniger Geld erbringen sollen. "Das geht so nicht", meint Zimmer, "der WDR braucht intelligente Sparkonzepte und ein Konzept, welche Aufgaben der öffentlich-rechtliche Rundfunk künftig wie finanziert sicherstellen kann".

Über den Rundfunkbeitrag (früher eine durch die GEZ eingetriebene Geräte-Gebühr, heute eine Pauschale von knapp 18 Euro monatlich pro Wohnung) fließen dem WDR jährlich Einnahmen von mehr als einer Milliarde Euro zu.

Quelle: RP
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