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Frontlinie zwischen Kurden und IS
Reality-TV-Show schickt Teilnehmer nach Syrien

Für Reality-Show werden Menschen zum IS geschickt
In einer australischen TV-Show werden die Teilnehmer nach Syrien geschickt. FOTO: Screenshot Youtube
Düsseldorf. Für Realityformate müssen sich die Teilnehmer oft fiese, teilweise menschenunwürdige Dinge antun lassen. Ein australischer Sender treibt das Konzept jetzt endgültig auf die Spitze. Gedreht wird in Syrien – nur wenige Hundert Meter entfernt von Kämpfen des Islamischen Staates.

Aufgeschreckt durch den Tod von Tausenden Flüchtlingen in nur einer Woche sucht die EU nach einem Weg, das Sterben im Mittelmeer zu beenden. Australien fährt dieser Tage eine restriktive Flüchtlingspolitik. Mit Militärschiffen werden die Flüchtlingsboote abgedrängt, damit sie die Küste nicht erreichen. In den vergangenen 15 Monaten hat kein einziges Schiff mehr "Down Under" erreicht. "Australien wird nicht eure Heimat", heißt es in Anzeigen, die in 17 Sprachen in Ländern veröffentlicht wurden, in denen der Auswanderungsdruck besonders hoch ist. Die australische Regierung startet Abschreckungsmaßnahmen im Ausland. In der Bevölkerung erhält sie dafür Rückendeckung – ausländerfeindliche Äußerungen sind an der Tagesordnung.

Flüchtlinge – erschütternde Bilder aus aller Welt FOTO: afp, MM

"Go Back to Where You Came From" (Geh' dahin zurück, wo du hergekommen bist) 

Die australische Realityshow "Go Back to Where You Came From" (Geh' dahin zurück, wo du hergekommen bist) hat sich in diesem Zusammenhang eine Handvoll Kandidaten gesucht, von denen die meisten Teilnehmer auf Flüchtlinge wahrscheinlich absolut keine Lust haben. Sie werden in Krisengebiete geschickt, sollen so etwas wie Mitgefühl lernen.

Schiffsunglücke: Erneute Flüchtlingsdramen im Mittelmeer FOTO: dpa, hpl

Ein Trailer der umstrittenen Show zeigt einige Ausschnitte des Formats, für das die Teilnehmer mehrere Wochen lang auf gängigen Einreiserouten von Flüchtlingen unterwegs sind. Aus erster Hand erfahren die Teilnehmer in Flüchtlingslagern oder auf Booten, die zur Überfahrt genutzt werden, welches Leid die Menschen umgibt, die sie von sich fernhalten wollen.

Die Einschaltquoten müssen stimmen

Ziel einer Folge: Die Frontlinie zwischen kurdischen Kämpfern und der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). "Auf uns wurde definitiv geschossen", zitiert die Zeitung "The Sidney Morning Herald" die Teilnehmerin Kim Vuga. "Das Schlimmste war, so nah ranzugehen wie möglich – wissend, dass ihre Kugeln uns treffen konnten." Vuga positioniert sich in sozialen Netzwerken immer wieder stark gegen Flüchtlinge. "Es reicht. Nicht noch mehr", sagt sie in einem ihrer Videos. Ob sie solche Aussagen nach ihrem Aufenthalt in Syrien korrigieren wird, bleibt fraglich. 

(kha)
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