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"Vergiss mein Ich"
Gedächtnisverlust und Neuanfang

Hamburg. Wie langweilig es sein kann, sein altes "Ich" wieder anzunehmen, zeigt der Kinofilm "Vergiss mein Ich".

Wie die Hauptstadt von Frankreich oder unsere Bundeskanzlerin heißen, kann fast jeder beantworten. Auch Lena tut das im Krankenhaus ganz brav nach Wiedererwachen. An was sie sich aber nicht mehr erinnert: Wie ihr Name lautet, wie ihr Mann heißt, ob sie überhaupt einen hat und wo sie wohnt. Retrograde Amnestie lautet die Diagnose, eine Gehirnhautentzündung hat ihr biografisches Gedächtnis zerstört.

Einfühlsame, lange und langsame Kamerafahrten verfolgen Lena (Maria Schrader), wie sie wie ein verwundetes Tier durch ihre Wohnung streift. Gemeinsam mit ihrem Mann Tore (Johannes Krisch) sieht sie sich Fotos an: "Wer ist das?" - "Deine Mutter. Aber euer Verhältnis ist nicht so gut." - "Warum?" - "Weiß ich nicht." Zusammen mit ihrem Arzt muss die Wissenschaftlerin, die Bücher über das Verhältnis der Geschlechter schreibt, Gesichtsausdrücke lernen, sie kennt zwar Worte, aber nicht ihre Bedeutung.

Anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Filmen und dem Besuch gemeinsamer Orte versucht sie, sich an ihr früheres Leben zu erinnern und herauszufinden, wer diese Lena eigentlich war und welche Beziehung sie zu Tore hatte. Doch je mehr sie von der "alten Lena" kennenlernt und je mehr ihre Umwelt versucht, sie in die alte Rolle zu drängen, desto mehr fragt sich die "neue Lena", ob sie das will. Wie ein neugieriges Mädchen entdeckt sie die Welt neu, hat keine Höhenangst mehr und will das Leben ausprobieren - inklusive Affäre mit einem anderen Mann (Ronald Zehrfeld).

Maria Schrader spielt die Rolle der Lena mit einer unglaublichen Zerbrechlichkeit und entwaffnenden Naivität. Aber auch Johannes Krisch überzeugt als ihr aufopfernder Mann, der am Ende der Verzweiflung nahe ist: "Ich habe Lena geliebt. Du kannst sie nicht einfach spielen." Doch Lenas Wahrheit sieht anders aus: "Ich will einfach nur ich selbst sein!" - "Wo hast Du das denn her?" - "Das habe ich von mir."

Als der Kinofilm im Frühjahr 2014 auf den Markt kam, war die Kritik überwiegend positiv. "Der Automatismus, dass Verlust notwendig Trauer erzeugt, oder Institutionen wie die Monogamie: Das alles ist nichts anderes als eine gesellschaftliche Verabredung", sagte Schrader. "Und die hinterfragt der Film."

"Vergiss mein Ich", DasErste, 22.45 Uhr

(dpa)
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