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Schmähgedicht über Erdogan
ZDF löscht Böhmermann-Sendung aus der Mediathek

Gedicht auf Erdogan: ZDF löscht Böhmermann-Sendung
Das ZDF war mit einem Gedicht des TV-Komikers Jan Böhmermann nicht einverstanden. FOTO: dpa, rve kde
Düsseldorf. TV-Komiker Jan Böhmermann ist für seinen spitzen Humor bekannt. Jetzt ist er nach Auffassung seines Senders zu weit gegangen. Das ZDF hat die neuste Sendung von "Neo Magazin Royale" aus der Mediathek gelöscht. Darin: ausgerechnet ein Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan.

Via Twitter gab der ZDF-Spartensender Neo am Freitag bekannt: "Die Parodie über Erdogan entspricht nicht den ZDF-Ansprüchen an Qualität von Satire." Die Sendung stehe daher nicht mehr zur Verfügung. Die Parodie werde herausgeschnitten und die Sendung dann wieder online gestellt. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigte eine Sprecherin des ZDF den Vorgang und betonte ausdrücklich, dass es sich dabei nicht um einen Aprilscherz handelt.

 

Grenzen "klar überschritten"

In einer kurzen Stellungnahme äußerte sich Programmdirektor Norbert Himmler zu dem Vorgang. Das ZDF sei bekannt dafür, bei den Satire-Formaten breite Schultern zu haben und den Protagonisten große Freiräume zu geben. "Aber es gibt auch Grenzen der Ironie und der Satire. In diesem Fall wurden sie klar überschritten", sagte Himmler deutlich. In Absprache mit Böhmermann habe man sich entschlossen, die Passage aus der Sendung herauszunehmen.

Die neuste Folge wurde am Donnerstagabend auf ZDF Neo ausgestrahlt und in der ZDF-Mediathek veröffentlicht. Dort wurde sie ebenso entfernt wie auf Youtube. Am späten Freitagabend läuft sie zudem im ZDF-Hauptprogramm - dann in einer überarbeiteten Version.

Böhmermann bittet "ergebenst um Verzeihung"

Laut "Spiegel Online" hatte Böhmermann dem türkischen Präsidenten in dem Gedicht nachgesagt, dass er Kurden trete, Christen haue und dabei Kinderpornos schaue. Auch der Reim "Pervers, verlaust und zoophil / Recep Fritzl Priklopil" sei enthalten.

Böhmermanns Managerin kommentierte den Vorfall nicht und verwies auf die entsprechenden Erklärungen des Senders. Auf Facebook nahm der Moderator auf seine Weise Stellung: "Sollte ich bei der gebührenfinanzierten Erfüllung meines pädagogischen Auftrags die Gefühle eines lupenreinen Demokraten verletzt haben, bitte ich ergebenst um Verzeihung."

Diplomatische Verwicklungen

Die Löschung kommt zu einem unglücklichen Zeitpunkt. Vor einigen Tagen hatte ein Satire-Beitrag des NDR-Magazins "extra 3" über Erdogan heftige Reaktionen der türkischen Regierung ausgelöst. Der Beitrag hatte sich kritisch mit Verletzungen der Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei sowie mit dem Vorgehen türkischer Sicherheitskräfte gegen Kurden auseinandergesetzt. Die türkische Regierung bestellte deshalb den deutschen Botschafter ein und verlangte eine Löschung des Beitrags. Auf Twitter wurde dem ZDF nun vorgeworfen, vor Erdogan einzuknicken.

Der türkische Präsident steht seit langem in der Kritik, weil er dünnhäutig auf Kritik von Journalisten reagiert. Erst am Donnerstag kam es bei einer Rede Erdogans in Washington zu Handgreiflichkeiten zwischen türkischen Sicherheitsmitarbeitern und Journalisten.

 

(crwo/AFP/dpa)
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