| 15.00 Uhr

Niki Lauda zu Gast bei Maischberger
"Solange ich fliege, bin ich Herr des Flugzeugs"

Germanwings: Niki Lauda erklärt die Rolle der Computer
Bewegend schildert Nikki Lauda, was bei Extremsituationen in einem Cockpit vor sich geht. FOTO: ARD
Hamburg. Die Unglücksursache ist am Dienstagabend noch unklar, als der ehemalige Rennfahrer Niki Lauda bewegend berichtet, was in einem Flugzeugcockpit bei einem Absturz passiert. Wie Lauda es schildert, ist es auch bei technischen Defekten der Mensch, der die Lösung finden muss. Von Aaron Clamann

Niki Lauda ist Pilot, Flugunternehmer und ehemaliger Rennfahrer. Durch seine Vergangenheit in der Formel 1 kennt sich Lauda mit Extremsituationen aus, hat einen schweren Unfall überlebt. Doch die schwerste Zeit in seinem Leben sei die nach einem Absturz einer Maschine seiner Fluglinie Lauda Air im Jahr 1991 gewesen, sagte er am Dienstagabend in der Talkshow "Menschen bei Maischberger". Bei dem Unglück waren 231 ums Leben gekommen.

Wie sich später herausstellte, hatten ein technischer Fehler und unzureichende Tests den Absturz in Thailand bedingt. Lauda habe die Ungewissheit zur Unfallursache geplagt, sowie die Frage, warum Flugmaschinen desselben Typs weiterfliegen, während ein technischer Defekt an diesen Typen nicht ausgeschlossen werden kann.

Aufhänger der Sendung war der Absturz einer Germanwings-Maschine in den französischen Alpen am Dienstag. Antworten auf den aktuellen Fall konnten die Gäste nicht geben. Doch das wollten sie auch nicht: sowohl Maischberger wie auch der Sprecher der Pilotenorganisation Cockpit, Jörg Handweg, machten deutlich, dass sich vor der Auswertung der Flugschreiber nichts zur Ursache sagen ließe.

So schilderte Niki Lauda, wie sich Piloten in Extremsituationen verhalten und wie sie Abstürze verhindern können. Auch 24 Jahre nach dem Unglück der Lauda-Air-Maschine in Thailand erzählt Lauda bewegt von den Aufzeichnungen des Voice-Recorders, die den Unfall begleiteten. Wie Lauda erzählt, habe sich das Flugzeug schlagartig um die eigene Achse gedreht, die Piloten flogen kopfüber. Eine Schubumkehr im Triebwerk hatte die Rotation ausgelöst. In einer Höhe von etwa acht Kilometern hätte die Schubumkehr, die sonst das Flugzeug nach der Landung am Boden abbremst, nicht auslösen dürfen.

In diesen Sekunden seien jedoch keine gezielten Funksprüche aufgezeichnet worden. Das einzige, was der Stimmenrekorder aufzeichnet ist ein verzweifelter Ausruf des Kapitäns: "Damn it!" (engl. "Verdammt!"). Danach sei nur noch Krach aus dem Cockpit zu hören gewesen, so Lauda. Eine kontrollierte Kommunikation zwischen den Piloten habe es nicht mehr gegeben. Die überraschende Situation und zahlreiche Warnmeldungen des Bordcomputers scheinen dies unmöglich gemacht zu haben.

Auch Jörg Handweg berichtet von Warnungen des Bordcomputers, die zu Problemen bei Ausnahmesituationen führen können. Er bezieht sich auf den Absturz einer Air-France-Maschine im Jahr 2009. Ein Defekt habe an einem Sensor damals eine falsche Geschwindigkeit angezeigt, nachdem die Piloten einer Warnung entgegenwirken wollten, blinkten neue Meldungen auf dem Bordcomputer auf. Für den Laien klingen die Schilderungen nach einer Übermacht der Technik, nach dem Primat der Maschine.

Doch Niki Lauda liefert ein Statement, das diese Befürchtungen wiederlegt: "Solange ich fliegen kann, bin ich der Herr des Flugzeugs. Das soll nicht umgekehrt sein: das Flugzeug soll nicht mich fliegen." Damit gelingt Lauda eine Zusammenfassung: menschliche Fehler sind immer möglich, aber fast immer ist es ausschließlich der Mensch, der die Fehler beheben kann. Als Beispiel nannte Lauda noch die Piloten eines Lufthansafluges ab Bilbao, die mit ihrer Initiative einen Absturz im vergangenen November verhindert hatten. Ob die Piloten des Germanwings-Fluges 4U9525 aber überhaupt eine Möglichkeiten hatten zu reagieren, ist unklar.

Er selbst habe übrigens nach dem Absturz der Germanwings-Maschine keine Angst vorm Fliegen, antwortete Lauda auf eine Frage von Sandra Maischberger. Er fliege nach der Sendung noch mit der eigenen Maschine weiter.

(ac)
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