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Mainz
Beitrag soll erst sinken, dann steigen

Mainz. Eine Expertenkommission empfiehlt ab 2017 eine Reduzierung der Rundfunkabgabe um 30 Cent. Von Oliver von Riegen

Der Rundfunkbeitrag soll nach dem Willen von Experten wegen eines milliardenschweren Überschusses ab 2017 um 30 Cent im Monat sinken - in fünf Jahren kann es jedoch deutlich teurer werden. Weil das bisherige Beitragssystem über eine halbe Milliarde Euro mehr als geplant eingebracht hat, schlägt die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) eine Senkung ab 2017 von 17,50 Euro auf 17,20 Euro im Monat vor. "Der Bürger muss auch nicht in Anspruch genommen werden, wenn es keinen Bedarf gibt", sagte der KEF-Vorsitzende Heinz Fischer-Heidlberger gestern in Mainz. Die Entscheidung liegt allerdings bei den Ländern.

Der Beitrag könnte ab 2021 aber auf 19,10 Euro im Monat steigen, sagte der KEF-Vorsitzende. Wenn es wie von der KEF vorgeschlagen ab 2017 zu einer Senkung um 30 Cent komme, könne der Beitrag in fünf Jahren sogar bei 19,40 Euro im Monat liegen. Der Grund: Eine Rücklage aus Mehreinnahmen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro stehe nur für 2017 bis 2020 zur Verfügung - und die Sender weisen schon darauf hin, mehr Geld zu benötigen.

"Es wird auf jeden Fall richtig teuer werden ab 2021", sagte Fischer-Heidlberger. Die Kommission ist von einem Mehraufwand von 1,5 Prozent im Jahr ausgegangen. Die Mehreinnahmen kamen vor allem durch einen Datenabgleich zustande - wer bis dahin nicht gezahlt hatte, muss es nun. Es gebe noch eine Reihe von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen.

Die Chefin der Länder-Rundfunkkommission, die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), will mit den übrigen Regierungschefs über eine Beitragssenkung ab 2017 beraten. Sie verwies jedoch auf die drohenden Steigerungen in fünf Jahren. "Wir möchten möglichst lange Beitragsstabilität sicherstellen", sagte Dreyer, als sie den Bericht erhielt.

Über die Senkung könnten die Länder noch in diesem Jahr entscheiden. Im nächsten Jahr müssen dann alle 16 Parlamente die Rundfunkstaatsverträge ändern - ob die Senkung kommt oder nicht.

Die Experten der KEF kürzten einen Teil der 38,5 Milliarden Euro Finanzmittel, die ARD, ZDF und Deutschlandradio für die Zeitspanne von 2017 bis 2020 angemeldet hatten. Die Anstalten hatten rund zehn Prozent mehr angemeldet als für den Zeitraum von 2013 bis 2016. Der Mehrbedarf ist laut Kommission zum Großteil durch höhere Erträge gedeckt - aber es bleibt eine Lücke von 436 Millionen Euro.

Die KEF kürzte von gewünschten 38,5 Milliarden Euro fast 966 Millionen Euro. Unter dem Strich ergibt sich für die nächste Beitragsperiode ein Überschuss von rund 542 Millionen Euro - 378 Millionen bei der ARD, rund 180 Millionen beim ZDF und ein Minus von 16 Millionen beim Deutschlandradio.

Die KEF fordert, dass die Sender weiter sparen, und verlangt von ihnen ein Konzept. "Bei ARD und ZDF soll der Personalbestand auch in der Periode 2017 bis 2020 reduziert werden", heißt es im Bericht. Die Einsparungen würden bei der ARD fast nur beim Bayerischen Rundfunk (BR) und beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) erbracht. Das ZDF setze das Konsolidierungskonzept bis 2020 weiter um. Die Einschränkungen der Werbemöglichkeiten im WDR-Hörfunk ab 2017 hat die Kommission noch nicht berücksichtigt.

Die Lasten aus der Altersversorgung werden nach Ansicht der KEF immer größer. Deshalb soll ein zweckgebundener Teil des Beitrags von 25 Cent weitergeführt werden. Die Kommission forderte Bund und Länder zu einer Entscheidung auf, UKW bald abzuschalten und auf digitalen Hörfunk DAB+ zu setzen.

(dpa)
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