| 15.21 Uhr

Finale bei "Global Gladiators"
"Ich will Lilly noch einmal weinen sehen"

Global Gladiators 2017: Oliver Pocher ist der Sieger im Finale
FOTO: ProSieben/Richard Hübner
Düsseldorf. Die letzte Schlacht ist geschlagen: Oliver Pocher gewinnt die Trash-Show "Global Gladiators", Lilly Becker nicht. Am Ende kämpften beide gegen einen gemeinsamen Gegner: den fernen, übermächtigen Boris. Von Anja Rützel

Am Ende steht Oliver Pocher auf einer schmalen Plattform, die unter der riesigen Victoria Falls Bridge hängt, 128 Meter unter ihm fließt der Sambesi, und er singt die Champions-League-Hymne, weil er soeben "Global Gladiators" gewonnen hat. Viel spektakulärer kann man eine Trash-Show-Siegerehrung kaum vorstellen – und doch überwiegt beim Zuschauen vor allem die Erleichterung, dass es jetzt vorbei ist.

So schwachbrüstig war die Dramaturgie der Wüsten-Wetteiferei selbst im Finale, dass Oliver Pocher und Lilly Becker, die beiden verbliebenen Kontrahenten einen weiteren Gegner brauchten, um richtig in Fahrt zu kommen – obwohl dieser Dritte gar nicht anwesend war.

Letzte Prüfung: Über den Victoria Falls treten Lilly Becker und Oliver Pocher gegeneinander an. FOTO: ProSieben/Richard Hübner

Boris Becker war der gemeinsame Endgegner, an dem sich beide auf ihre Weise abarbeiteten: Pocher, weil er nach seinem sonderbaren Twitter-Krieg mit anschließendem noch sonderbareren TV-Duell gegen den einstigen Tennis-Helden vor vier Jahren nun noch einmal die Chance hatte, ein Mitglied des Becker-Clans in aller Öffentlichkeit zu zersägen. Lilly Becker, weil sie immer noch zürnte, dass ihr Ehemann ihr – anders als der Anhang der übrigen Kandidaten – keine Liebesnachricht in den Frachtcontainer schickte. Angeblich habe er sogar eine familienweite Nachrichtensperre verhängt.

Oh Männer, fuck, fuck, fuck!

Er habe gewollt, dass sie absichtlich verliert und die Sendung früher verlässt, grollt Lilly nach einem klärenden Telefonat, auf das einer der knappsten Dialoge des an tiefgründigen Gesprächen ohnehin äußerst ärmlichen Formats folgte.

Pocher: "Telefoniert?"

Becker: "Ja."

Pocher: "Und?"

Becker: "Oh, MÄNNER! Fuck, fuck, fuck!"

"Ich alleine gegen Boris", war dann auch ihr Motivations-Motto für das anstehende Halbfinalspiel. "Wenn ich gewinne, ist meine Trophäe hoffentlich größer als sein Wimbledon- oder US-Open-Pokal." Sie wolle sich aber doch nicht scheiden lassen, oder? Das wollte Nadine Angerer wissen, die als Statistin auch noch um die beiden herumwombelte. "Sag niemals nie", antwortete Becker.

Das waren die Kandidaten (v.l.n.r.): Mario Galla, Oliver Pocher, Ulf Kirsten, Lilly Becker, Nadine Angerer, Pietro Lombardi, Raúl Richter, Larissa Marolt.

Wie langweilig wäre die Finalsendung eigentlich genau geworden, hätte nicht die Boris-Gattin, sondern eben besagte Ex-Fußball-Profette das vorletzte Spiel gewonnen? Wie immer wurde darin leidlich plump die Höhenangst der Kandidaten getestet: Auf einem schmalen, wackeligen Steg über einem Canyon müssen sie Bälle auf einen Basketball werfen. Wundersamer Weise scheint Angerer nicht einmal richtig zu versuchen, hier etwas zu reißen, mit null Treffern scheidet sie plangemäß aus, nachdem Becker sich mit ihrem allerletzten Wurf ins Finale gewuchtet hatte. Drehbuchgerechter könnte man das nicht inszenieren, das ist ja ein schöner Zufall.

Pocher scheint der Titel wirklich wichtig zu sein

"Ich will Lilly noch einmal weinen sehen, und zwar nicht aus Freude", tönte Pocher also, ebenfalls schwerst drehbuchgerecht, dann machen sich beide aber doch noch einen versöhnlichen, schönen letzten Abend, bei dem die extrem dünne Chance auf eine amouröse Ausschweifung von der Produktion dann endlich final zu Tode gemolken wird. "You're a cool dude, you're not so bad", charmiert Becker, "ich hab dich nie scheiße gefunden", geht Pocher an seine äußerste Liebreizgrenze.

Das Finalspiel vor der abermals imposanten Kulisse der Victoria Falls Bridge schließlich fasst der Moderator, dessen Namen man zurecht bereits wieder vergessen hat, mit einem Satz zusammen, der so absurd ist wie die gesamte Staffel: "Wir haben eine Plattform unter der Brücke befestigt, und dort werdet ihr euch bekämpfen, eure Waffen sind riesige Wattestäbchen." Die Beckerin wehrt sich nach Kräften und spart nicht mit herzhaften Flüchen. "Not my fucking face, you asshole", bepöbelt sie Pocher, als der im Eifer des Gefechts ihren Kopf trifft, überzieht ihn aber selbst mit einigen herzhaften Gesichtsschlägen.

Gewinnen darf sie am Ende doch nicht, das wäre dann zu viel der Emanzipations-Metaphorik. "Fuck, yes!", brüllt Pocher im Siegestaumel, ihm scheint dieser Titel wirklich wichtig zu sein. Na, wenigstens einer.

 
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