| 15.15 Uhr

"Germany's next Topmodel"
Die Schneckengabel der Verachtung

Düsseldorf. Halbfinale bei "Germany's next Topmodel" – oder doch ein Special der Serie "Wer ist hier der Boss"? Heidi Klum zeigte kurz vor Staffelende mal eben, wer hier die Goldhosen anhat. Von Anja Rützel

Selbst hartnäckigste GNTM-Fans müssen zugeben: Es ist nun auch wieder gut, dass die aktuelle Staffel nächste Woche zu Ende geht. Selten nämlich war eine Folge ereignisloser als das Halbfinale, in dem außer dem obligatorischen und traditionell höchst langweiligen "Cosmopolitan"-Covershooting und der gefühlt längsten Rausschmiss-Entscheidung aller Zeiten im Grunde nichts passierte.

Beim Posieren für das Titelbild mussten die noch verbliebenen Kandidatinnen wie jedes Jahr extrem naturfeindliche Grinse-Hand-in-der Hüfte-Powerfrauen mimen, die selten so aus der Zeit gefallen schienen wie in diesem Jahr. 

Bilder: Das sind die Kandidatinnen bei GNTM 2017

Amüsant waren einzig die plumpen Produktionsbemühungen, Heidi Klum auf den letzten Drücker noch einmal als unbestrittene und allein herrschende Sonnenkönigin der Sendung darzustellen. Ein bissen Grobmetaphorik zum Anfang: Hier tanzt alles nach meiner Pfeife! Namentlich die beiden Juroren Thomas Hayo und Michael Michalsky, die auf Klums Wunsch Tanzunterricht nehmen müssen, damit alle drei dann im Finale eine schon im Vorhinein peinvolle Showeinlage abliefern können.

Die bisherigen "Germany's Next Topmodel"- Siegerinnen FOTO: ddp

Verrat an den Schützlingen

Sodann müssen die beiden Juroren nach Heidis Willen zwei ihrer Schützlinge an die gnadenlose GNTM-Herrscherin ausliefern: Jeder muss ein Mädchen aus seinem Team nominieren, das er nicht im Finale sieht - ein genüsslich kommentierter Miniaturverrat an den Schützlingen.

Die nichts ahnenden Rest-Kandidatinnen werden derweil mit einem besonderen Essen  für die anstrengenden letzten Wochen "belohnt", süffisiert Klum aus dem Off – in Wahrheit handelt es sich natürlich um eine Demütigung, die einen immerhin fast nostalgisch an "Pretty Woman" denken lässt: Ungeschickt wie diese Filmdirne müssen die GNTMlerinnen mit Hummerzange und Schneckengabel hantieren, Lynn fragt gar maximal naiv: "Was ist Kaviar?" Die nicht sehr subtile Botschaft dahinter ist klar: Diesen jungen Frauen mögen die Laufstege der Zukunft gehören, doch so weltgewandt wie Veteranin Heidi sind sie noch lange nicht.

Regelrecht bizarr wird es, wenn die Mädchen für ihren Entscheidungswalk in abgelegte Klum-Fummel schlüpfen müssen, die diese seinerzeit mal auf irgendwelchen roten Teppichen trug. Schon die Anprobe gerät problematisch, weil quasi keine der selbstredend gertenschlanken Kandidatinnen so richtig in  eines der Kleider passen will – weil natürlich keine von ihnen so eine dolle Modelfigur hat wie Heidi, ist ja klar. "Ich habe eine relativ breite Hüfte", Sagt Serlina, und man kann darüber zuhause auf dem Sofa einfach nur keckernd lachen.

Neuer menschlicher Tiefpunkt

Die finale Verlese gerät dann zur unnötig langatmigen Verhandlung, denn spätestens als Lynn fliegt, weil sie im Lauf der Staffel keinen Job ergattern konnte, ist klar, wer gleich ebenfalls fliegen wird – da war es völlig egal, auf wen nun die beiden Mit-Juroren hätten verzichten wollen. "Die Sendung heißt ja nicht Germany's next Topmodel by Michael Michalsky", pfeift also die Klum auf die Nominierung ihres Co-Richters und schickt Romina ins Finale.

Dafür muss Maja gehen, die allezeit hochprofessionelle, freundliche, zuverlässig abliefernde Kandidatin – eine sinnlose Entscheidung, die selbst Hayo Tränen in die Augen treibt. Aber Maja hatte ebenfalls keinen Kunden überzeugen können. Die Botschaft der mit harter Hand regierenden Modelmacherin ist klar: Hast du keinen Job, bist zu nichts wert. Ein neuer menschlicher Tiefpunkt, selbst für GNTM.

 
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GNTM: Lynn und Maja fliegen kurz vor dem Finale 2017 raus


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