| 07.23 Uhr

TV-Kritik Tatort "Absturz"
Grandioser Brandt, genervte Kommissare

Szenen aus dem Tatort "Absturz"
Szenen aus dem Tatort "Absturz" FOTO: MDR
Leipzig (RPO). Der MDR hat mit seinem Tatort "Absturz" etwas Besonderes versucht. Kein Mord, auch kein Kommissar-Duo stand im Mittelpunkt des Leipziger Krimis, sondern das Leiden eines Vaters, der seinen Sohn bei einem Unfall verliert. Dies gelang eindrucksvoll. Das sonst recht amüsante Zusammenspiel der Kommissare Saalfeld und Keppler blieb jedoch auf der Strecke. Von Christian Sieben

Der Star des Krimis am Sonntagabend hieß eindeutig Matthias Brandt. Der jüngste Sohn des ehemaligen SPD-Bundeskanzlers gehört seit Jahren zu den renommiertesten Schauspielern in Deutschland.

Eindrucksvoll und mit emotionaler Wucht stellt der 48-Jährige einen Vater dar, dessen Sohn bei einem Flugshow-Unfall tödlich verletzt wird. Dabei wandelt der Berliner in seiner Darstellung auf der Grenze zwischen Trotz, Verzweiflung, Wut, Trauer und kriminellen Rachegelüsten.

Nach dem tödlichen Unfall gibt es in "Absturz" dann auch noch einen richtigen Mord. Aber Drehbuch-Autor André Georgi stellt die typische Krimihandlung bewusst in den Hintergrund, um Brandt Raum und Zeit für seine Darstellung zu liefern. Wer dann schließlich den Flugzeugbetreiber tot in eine U-Bahn-Baustelle legte, lässt den Zuschauer eher kalt. Das ist verzeihlich.

Schade hingegen ist, dass das bisher spannende Verhältnis der Kommissare, gespielt von Simone Thomalla und Martin Wuttke, in dieser Folge zu kurz kam. Eva Saalfeld und Andreas Keppler fauchten sich 90 Minuten genervt an.

Auch der versuchte Running-Gag ("Ich blas' mich doch gar nicht auf!") konnte nicht verhindern, dass die Käbbelei schnell nervte. Zwischenzeitlich wirkten sogar die beiden Darsteller gelangweilt von ihren Dialogen.

Dass bei "Absturz" letztlich doch das Positive überwiegt, ist auch dem furiosen Finale auf der Eisenbahnbrücke zu verdanken. Eindrucksvoll gelang es hier die blanke Not zweier Väter in einer Extremsituation zu dokumentieren, die Antworten auf Fragen verlangen, auf die es keine gibt. Spätestens hier verdiente sich der "Tatort" das Prädikat sehenswert. 

In den nächsten Folgen aus Leipzig dürften wohl wieder die Kommissare in den Mittelpunkt rücken. Und dies hoffentlich wieder in der einst amüsanten und abwechslungsreichen Art und Weise. Nicht, dass sich der TV-Kritiker wieder so aufblasen muss...

 
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