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Ärger um Erdogan-Gedicht
Böhmermann bat offenbar im Kanzleramt um Unterstützung

Grimme-Preis 2016: Das sind die Preisträger
Grimme-Preis 2016: Das sind die Preisträger FOTO: dpa, rve kde
Marl . Moderator Jan Böhmermann hat sich einem Bericht des "Spiegel" zufolge an Kanzleramtsminister Peter Altmaier gewandt, um im Streit um sein umstrittenes Erdogan-Gedicht Unterstützung zu erhalten. Seinen Auftritt bei der Grimme-Preisverleihung hat Böhmermann abgesagt.

Böhmermann steht in der Kritik, nachdem er in der ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" ein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdogan vorgetragen hatte. Den Grimme-Preis erhält Jan Böhmermann trotzdem, und zwar für seine Satire rund um den Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers Yanis Varoufakis.

Böhmermann wollte den Preis im westfälischen Marl eigentlich persönlich entgegennehmen. Doch nach der Kritik an seiner Erdogan-Satire will er der Veranstaltung nun fernbleiben. "Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe", postete der 35-Jährige am frühen Freitagmorgen auf Facebook. "Mein Team von der Bildundtonfabrik und ich bitten um Verständnis, dass wir heute Abend nicht in Marl feiern können."

 
 

Wie ernst Böhmermanns Aussage über seine Erschütterung zu nehmen ist, sei dahingestellt. Fest steht: Derzeit hat der Moderator einigen Ärger: Die Staatsanwaltschaft Mainz hat Ermittlungen gegen ihn aufgenommen, weil er sich in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" vor einer Woche in einem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ausgelassen hatte. 

Bat der Moderator Kanzleramtschef Altmaier (CDU) um Hilfe?

Angeblich soll sich Böhmermann vergangenen Sonntag mit einer privaten Twitter-Nachricht an Peter Altmaier, Chef des Kanzleramts, gewandt haben. "Ich möchte gerne in einem Land leben, in dem das Erkunden der Grenze der Satire erlaubt, gewünscht und Gegenstand einer zivilgesellschaftlichen Debatte sein kann", soll er nach Informationen des Spiegel geschrieben haben. 

Doch die Hilfe blieb aus: Am Tag drauf erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu von Böhmermann distanziert habe.

Nach dem Schmähgedicht hat auch das ZDF den Kontakt zur Türkei gesucht. "ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut hat am Montag mit dem türkischen Botschafter in Berlin telefoniert", teilte der Sender am Freitag mit. Dabei habe er "sein Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, dass der Beitrag Gefühle von Zuschauerinnen und Zuschauern verletzt hat".

Beim Grimme-Preis sind auch die Privatsender stark vertreten

Insgesamt werden 15 Grimme-Preise vergeben, überwiegend an Produktionen der öffentlich-rechtlichen Sender. Aber auch einige Formate der Privatsender sind dabei, "Weinberg" stammt sogar vom Abonnentenkanal TNT Serie. Erstmals werden Preise für Kinder- und Jugendproduktionen sowie für besondere journalistische Leistungen verliehen.

Traditionell vergibt der Deutsche Volkshochschulverband als Stifter der Grimme-Preise außerdem noch eine "Besondere Ehrung". Sie geht an eine Person, die sich in besonderer Weise um das Fernsehen verdient gemacht hat. 2015 ging sie an zwei Auslandskorrespondenten. Wer sie in diesem Jahr erhält, will das Grimme-Institut erst während der Preisverleihung am Abend bekannt geben.

Lesen Sie hier, wer die Preisträger 2016 sind. 

(dpa/jeku)
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