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Ermittlungen von "Team Wallraff"
RTL widerspricht Aussagen in Vitesca-Imagefilm

Günter Wallraff: RTL widerspricht Vitesca-Imagefilm
Günter Wallraff und sein Team ermittelten unter anderem bei Vitesca. FOTO: RTL / Stefan Gregowius
Wuppertal. Ein Image-Video des Wuppertaler Caterers Vitesca sollte eigentlich die Vorwürfe über die Verarbeitung von vergammelten und abgelaufenen Lebensmitteln zurückweisen. Die in der Sendung "Team Wallraff" dargestellen Behauptungen seien "hanebüchen". RTL hingegen widerspricht Vitesca nun in allen Punkten. Von Simon Goßen

Der Ruf von Vitesca ist stark beschädigt. Für die Sendung "Team Wallraff" schleuste sich die Reporterin Stefanie Albrecht verdeckt bei dem Caterer ein, der bis zu 25.000 Mittagessen für Kindergärten und Schulen in Deutschland zubereitet. Was anschließend im TV ausgestrahlt wurde, war wenig appetitlich: angeschimmelte Gurken und Fleisch, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum bereits abgelaufen war, wurden zu Salat und Chili con carne verarbeitet. Die Konsequenz: Mehrere Schulen kündigten dem Caterer unmittelbar nach der Sendung.

Realität in weiten Teilen auf den Kopf gestellt

Nachvollziehbar, dass Vitesca die Vorwürfe allerings nicht einfach so hinnehmen möchte. Das Unternehmen bezog zunächst schriftlich Stellung und gab an, dass RTL "ein Zerrbild" gezeichnet habe, "das die Realität in weiten Teilen auf den Kopf stellt". In einem weiteren Schritt wurde nun ein professionelles Video gedreht, in dem Vitesca einen Einblick in seine Küche gewährt.

Darin zu sehen ist unter anderem Jan Reimann, der Vitesca gemeinsam mit seinem Vater leitet. Er sei in den vergangenen Tagen oft gefragt worden, ob er das in seinem Unternehmen zubereitete Essen auch selber isst. "Ja, das tun wir alle – und zwar täglich", so die Antwort Reimanns. Weiter seien es "hanebüchene Behauptungen", die das "Team Wallraff" aufgestellt habe. Mit einem geschicktem Schnitt sei alles infrage gestellt worden, wofür Vitesca seit Jahren stehe. Die Mitarbeiter des Unternehmens fühlen sich zudem "zu Unrecht an den Pranger gestellt."

Sehen Sie hier den von Vitesca veröffentlichten Kurz-Film über das Unternehmen:

RTL hingegen widerspricht dem Caterer "in allen Punkten". So gibt Reporterin Stefanie Albrecht im Namen von "Team Wallraff" an, dass an dem in der Reportage dokumentierten Tag "mehrere Kisten Gurken (die später von mehreren Experten als nicht mehr verkehrsfähig eingestuft wurden) zu Salat verarbeitet" wurden. Ebenso habe sie den zuständigen Mitarbeiter mehrmals gefragt, ob diese tatsächlich noch verarbeitet werden sollen und darauf hingewiesen, dass sie diese gammeligen Gurken, teilweise mit Schimmelbefall, nicht mehr nehmen würde.

Die Antwort des Mitarbeiters sei jedoch wie folgt ausgefallen: "Ich würde sie zuhause auch nicht mehr nehmen, aber schneide das mal weg! Die geht schon noch."

Kein zweites Kühlverfahren

Weiter habe es auch kein, wie von Vitesca im Video dargestellt, zweites "Chill"-Verfahren gegeben, bei dem Speisen innerhalb von 90 Minuten auf drei Grad runtergekühlt werden müssen. Vielmehr habe Albrecht erlebt, dass sie "die bereits zu kurz gechillten, noch handwarmen Pizzen und Fischstäbchen von den Wagen abräumen, in rote Kisten packen und übereinander stapeln sollte". Das habe die Abkühlung noch mehr verlangsamt und nicht den Vorschriften entsprochen. Zudem haben die Pizzen und Fischstäbchen während des Umpackprozesses bis zu mindestens 60 Minuten in einer Zwischenhalle bei geschätzten 20 Grad Raumtemperatur gestanden.

Anschließend seien die Waren dann zum Teil ins Tiefkühllager geschoben worden, sodass die Speisen gefroren waren. Auch dazu gebe es noch unveröffentlichtes Videomaterial, indem Albrecht einen Mitarbeiter frage: "Ich dachte, Cook and Chill ist nicht tiefgefroren?" und dieser geantwortet habe: "Ja, beim Kunden darf das nicht so ankommen. Aber die haben jetzt noch drei Tage Zeit, aufzutauen".

Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum verwechselt?

Weiter berichtet die Reporterin, dass Vitesca-Geschäftsführer Jan Reimann offenbar das Mindesthaltbarkeitsdatum des gezeigten Schweinegeschnetzeltes mit dem Verbrauchsdatum verwechselt hätte. "Tatsächlich hatte das Schweinegeschnetzelte, von dem Vitesca im eigenen Film redet, ein Verbrauchsdatum und hätte damit nach der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung §7a, Abs. 4, überhaupt nicht mehr verarbeitet werden dürfen, ebenso wie das monierte Bio-Hackfleisch", sagt Albrecht. Zudem hätte das "Team Wallraff" nicht behauptet, dass Vitesca besagtes Schweinegeschnetzeltes noch verarbeitet habe. Lediglich bei dem Bio-Hackfleisch mit dem um neun Monate überschrittenen Verbrauchsdatum könne nachgewiesen werden, dass dies noch verarbeitet wurde.

Wer sich selbst ein Bild von Vitesca machen möchte, darf das Unternehmen in Wuppertal übrigens jederzeit besuchen – "unangemeldet natürlich", wie Reimann sagt.

In Kooperation mit prisma.de

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