| 16.22 Uhr

"Günther Jauch"
"Ich halte den Begriff des erweiterten Suizids für unzulässig"

Günther Jauch: Germanwings-Unglück mit Amoklauf vergleichen
Theologe Wolfgang Huber war zu Gast bei im Talk von Günther Jauch. FOTO: dpa
Berlin. Lufthansa-Vorstand Kay Kratky, Theologe Wolfgang Huber, Jurist Gerhart Baum (FDP), Sabine Rau, Leitende Notfallpsychologin der Stadt Düsseldorf, sowie der Flugpsychologe Reiner Kemmler sprachen in der Talkshow von Günther Jauch über den Germanwings-Absturz. Sie bemühten sich vor allem um die Klärung wichtiger Begriffe.

Unter dem Titel "Flug 4U9525 - wie können wir mit dieser Katastrophe umgehen?", lud Jauch am Sonntagabend zu seiner Talkshow, bei der Gäste versuchten, einfühlsam zu wirken. Im Mittelpunkt standen die Opfer und Spekulationen über die tatsächliche Krankheit des Copiloten Andreas L..

Huber warnte bei dieser Gelegenheit vor einem Generalverdacht gegen depressive Menschen. Dieses Thema dürfte in Zukunft noch häufiger auf Psychologen zukommen. Denn sollte sich der Verdacht erhärten, dass die Ursache für den Absturz tatsächlich in einer Depression des Copiloten zu finden sei, würde die Krankheit wohl mit noch mehr Vorbehalten in der Öffentlichkeit bedacht. Huber bemühte sich zu erklären, eine mörderische Handlung wie ein absichtlich herbeigeführter Flugzeugabsturz sei überhaupt nicht typisch für Depressive sei.

In dem Zusammenhang sprach Huber bezüglich des Germanwings-Absturzes auch nicht von einem erweiterten Suizid, sondern verglich das Ereignis mit einem Amoklauf. "Ich halte es für unzulässig, hier den Begriff des erweiterten Suizids zu verwenden. Es ist ein Selbstmordattentat, es ist ein Amoklauf", erklärte Huber.

Flugpsychologe Reiner Kemmler ergänzte, dass eine Depression die Tat nicht vollends erklären könne. "Wenn ein erweiterter Suizid vorliegt, muss man auch an andere Persönlichkeitsstörungen denken, die dahinter stecken, dass offensichtlich in dem Suizid noch eine Botschaft steckt, jemanden anzuklagen oder sich zu rächen", sagte Kemmler und führte aus: "Das sind andere Persönlichkeitsmerkmale, die wir narzisstisch nennen."

Dass "Spekulationen nicht hilfreich" seien, hielt Notfallpsychologin Rau fest. Gleichwohl stellte sie fest, dass es für die Angehörigen wohl wichtig sei, möglichst viel darüber zu erfahren, was bis zum Absturz in dem Airbus vorgegangen sei. Jeder Angehörige ginge allerdings individuell mit der Verarbeitung der Trauer um: "Die Angehörigen schwanken zwischen einer hohen Emotionalität und einer Zurückgenommenheit wie eine Betäubung."

Dass Kratky "mit Rücksicht auf die Angehörigen keine Szenarien erörtern" wollte, war an dieser Stelle nachvollziehbar. Der Lufthansa-Vorstand war sehr bemüht, sich an die Fakten zu halten. Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass der zweite Flugschreiber der Maschine gefunden werde. Bislang verlief die Suche erfolglos.

Kratky verwies am Sonntagabend auf eine mögliche Beschädigung des Geräts. Das Flugzeug sei mit Tempo 800 und damit mit unvorstellbarer Wucht an dem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellt, sagte Kratky in der ARD-Talkshow: "Es könnte sein, dass die Belastung hier zu groß war und er keine Signale sendet."

Die Ermittler erhoffen sich von den auf dem Flugschreiber gespeicherten Daten Aufschluss darüber, was an Bord des Airbus geschah, bevor er vergangenen Dienstag mit 150 Menschen an Bord zerschellte. Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der 27 Jahre alte Copilot die Maschine mutwillig zum Absturz gebracht. Warum? Darauf haben die Ermittler noch keine Antwort geben können.

(rl)
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