| 16.10 Uhr

Pro & Contra
Ist Günther Jauch ersetzbar?

ARD-Talkshow: Unsere Kandidaten für die Jauch-Nachfolge
ARD-Talkshow: Unsere Kandidaten für die Jauch-Nachfolge FOTO: dpa, pdz hpl
Berlin. Nach vier Jahren Polit-Talk am Sonntagabend hört Günther Jauch (58) zum Jahresende bei der ARD auf. Kann der der Sender den Talkmaster angemessen ersetzen? Dazu zwei Meinungen von Lothar Schröder und Martina Stöcker.

Nein, von Lothar Schröder

Zu Günther Jauch verhält sich jeder. Dafür gibt es auch einen reichlich banalen Grund: Günther Jauch kennt jeder. Auch das ist schon mal eine Leistung beziehungsweise ein Erfolg, für den sich die meisten vergeblich abstrampeln. Der populärste Polit-Talker ist auch deshalb ein populärer Debattengegenstand, weil er ein Metier ausübt, das eine Art Zwitterwesen ist. Wer politische Themen rein informativ und seriös darbietet, wird vermutlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit agieren. Wer es hingegen witzig macht, wird gute Quoten mit minimalem Politikanteil haben. Die Kunst ist die Schnittmenge, die keinen richtig befriedigt, aber alle doch vor den Fernseher lockt. Zwischen Witz und Krawall und dezenter Zurückhaltung hatte Jauch eine eigene Haltung eingenommen – manchmal war es auch die des Naiven. Vor allem aber: Jauch hat keinen seiner Gäste denunziert und vorgeführt. Darunter litt das kritische Potenzial; aber die Zuschauer honorierten einen solchen Umgang mit Eingeladenen, den man wenigstens als fair bezeichnen könnte. Jauch war noch so etwas wie ein Gastgeber.

Genau das war der Erfolg seiner Sendung, die auf ihn zugeschnitten war und ist. Keine Illner und keine Maischberger und erst recht kein Beckmann könnte man im Schöneberger Gasometer einfach so platzieren – ohne damit zugleich das Fehlen von Günther Jauch zu dokumentieren. Bei der zunehmenden Personalisierung in den Medien allgemein und im deutschen Fernsehen im Besonderen kann man ja kaum von einem Politik-Talkformat mit Jauch als Moderator reden. Weil Günther Jauch selbst das Format ist. Nach vier Jahren nimmt mit Jauch damit auch Format Abschied vom Fernsehen. Jede Vitalisierung ist in dieser Form sinnlos. Es wird nicht darum gehen, Jauch zu imitieren. Das Ende vom Modell Jauch ist die Erfindung eines anderen, neuen Modells, das auch von einem anderen, neuen Moderator lebt.

Ja, von Martina Stöcker

Mit keinem Wort hat Günther Jauch seine Entscheidung erwähnt, den Talk zum Jahresende aufzugeben. "Ich beende diese Sendung und mache Ihnen Hoffnung auf den nächsten Sonntag", sagte er nur am Ende. Die ARD macht sich Hoffnungen, einen guten Nachfolger zu finden. Und das wird ihr sicherlich gelingen. Denn Günther Jauch war nie der Talkshow-Zampano des Sonntagabends. Es gab Sendungen, in denen wortgewaltige Gäste sich breitmachten oder er sich an einem Fragenkatalog abarbeitete, ohne auf den Gesprächsverlauf Rücksicht zu nehmen. Dann frage sich der Zuschauer, warum dort eigentlich in der Mitte Günther Jauch sitzt und seine Moderationskarten festhält.

Seine lange TV-Karriere beweist, dass der 58-Jährige ein Meister des Spontanen und des Gesprächs mit Menschen ist. Doch ausgerechnet darum geht es in einer Polit-Talkshow nicht. Maybrit Illner zum Beispiel wirkt in ihrer ZDF-Runde weitaus kompetenter und gibt die Zügel selten aus der Hand. Ebenso wie Sabine Christiansen, seine Vor-Vorgängerin in der ARD, oder Sandra Maischberger, die in ihrem Talk mittlerweile weniger die harte Politik diskutiert als gesellschaftliche Themen. Dass Frank Plasbergs "Hart aber fair" vom Montag vorgezogen wird, ist wenig wahrscheinlich, denn der NDR will den Sonntag bestreiten und Plasbergs Sendung wird vom WDR verantwortet.

Jauchs Sonntagsausgabe hatte immer gute Quoten, bei den erfolgreichsten lag der Marktanteil bei rund 23 Prozent. Die ARD gönnte Jauch allerdings im Sog des "Tatorts" ihren besten Sendeplatz für solch ein Format. Deshalb wird sie den Talk auf jeden Fall beibehalten und diesen gelernten Termin nicht für ein neues Format räumen. Wer könnte nachfolgen? Wahrscheinlich ist, dass wieder eine Frau reden darf. Caren Miosga, die Moderatorin der "Tagesthemen" könnte zum Beispiel die neue journalistische Marke des Senderverbunds werden.

 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Günther Jauch hört zum Jahresende auf - Ist er ersetzbar?


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.