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ARD-Talk
Stinkefinger-Debatte – Günther Jauch bleibt stumm

"Günther Jauch" mit Manuela Schwesig: Gesetz zur Entgeltgleichheit
Günther Jauch in seinem ARD-Talk. FOTO: dpa, pdz cul
Berlin. Es war Günther Jauchs erste Sendung nach der Stinkefinger-Debatte. Und so dürfte mancher gespannt gewesen sein, wie der Moderator auf diese reagieren oder ob er sich sogar entschuldigen würde. Doch Jauch blieb stumm – was auch im Netz durchaus registriert wurde. Von Dana Schülbe

"Der ungerechte Lohn – warum verdienen Frauen weniger?" hieß der Titel des ARD-Talks, mit dem Günther Jauch eine Woche nach der Stinkefinger-Debatte auf Sendung ging. Zur Erinnerung: In der vergangenen Woche hatte Jauch den griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis per Video-Schalte in die Sendung geholt, um ihn dann mit einem Video zu konfrontieren, bei der der Politiker den Mittelfinger erhebt. Varoufakis selbst nannte das Video gefälscht, und die Jauch-Redaktion ließ Experten prüfen, die zu dem Schluss kamen, das Video sei echt.

Als dann auch noch Jan Böhmermann in seinem Satire-Magazin "Neo Magazin Royal" behauptete, er und sein Team hätten das Video gefälscht, war der #varoufake perfekt. Insbesondere die Jauch-Redaktion musste sich den Vorwurf gefallen lassen, Kampagnenjournalismus betrieben zu haben. Die "Neue Zürcher Zeitung" forderte die Entlassung von Jauch. Und der Journalist Jens Bergmann sagte im Deutschlandfunk, dass sich Jauch eigentlich entschuldigen müsse.

So reagieren die Twitter-User auf Böhmermanns Sendung

Doch am Sonntagabend war denn von all dem nichts zu hören. Die Jauch-Redaktion, die nach der Böhmermann-Sendung via Pressemitteilung Beweise vom Moderator gefordert hatte, dass er das Video wirklich gefälscht hatte, ließ das Thema einfach außen vor. Kein Wort während der gesamten Sendung zum Stinkefinger selbst oder auch zum #varoufake um Böhmermann, was auch einigen Twitter-User aufstieß.

Video: So reagieren die Medien auf den angeblichen #varoufake FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

 

Porträt: Varoufakis – Medienexperte und Ex-Finanzminister FOTO: dpa, el ase

 

Jauch selbst hangelte sich denn durch eine eher zähe Sendung. Zu Beginn gab es gleich zwei Beispiele für ungerechte Bezahlung: Eine Managerin, die nach eigenen Angaben um die 50.000 Euro weniger verdient als ihre Kollegen – sie ging vor Gericht und wechselte den Arbeitgeber. Und eine Schreinermeisterin, die um die 40 Prozent weniger verdiente als ein Kollege, vor Gericht aber verlor, weil der Kollege älter sei und anspruchsvollere Tätigkeiten ausübte.

In der Diskussion selbst ging es denn auch vor allem um das Gesetz zur Entgeltgleichheit, dass Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) auf den Weg bringen will. Den Plänen zufolge müssen Kapitalgesellschaften mit mehr als 500 Beschäftigten künftig offenlegen, was sie zur Sicherung der Lohngerechtigkeit tun. Das Gesetz soll noch bis Ende des Jahres verabschiedet werden.

Die Gäste bei Jauch aber ("Zeit"-Journalistin Elisabeth Niejahr, Journalist Roland Tichy, Thomas Sattelberger, Ex-Personalvorstand bei der Telekom, und Marcus Wöhrl, Geschäftsführer einer Hotelkette) machten der ebenfalls anwesenden Familienministerin klar, dass solch ein Gesetz nicht viel bringen werde. Wöhrl sprach von "Grabenkämpfen", die Schwesig heraufbeschwöre, Tichy von einem "Lohngleichschaltunggesetz", und Niejahr nannte das Beispiel Schweden, wo trotz Transparenz die Lohnlücke doch nicht ganz geschlossen worden sei.

Einig war man sich denn allemal, dass es Unterschiede beim Lohn zwischen Frau und Mann gibt. Und auch die Gründe sind hinreichend bekannt – wie der, dass Frauen häufiger in Teilzeit arbeiteten. Doch wie die Unterschiede zu beseitigen sind, darauf fand auch die Diskussionsrunde bei Jauch keine Antwort. Vielen Zuschauern dürfte das am Ende aber auch egal gewesen sein, denn so mancher dürfte auf ein paar Worte zum Thema Varoufakis gewartet haben – vergeblich.

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