| 12.53 Uhr

TV-Nachlese Günther Jauch
Stoiber brüllt, Tsipras-Berater nervt

Günther Jauch-Nachlese: Edmund Stoiber versucht, alles niederzubrüllen
Günther Jauch talkte mit seinen Gästen abermals über das Thema Griechenland. FOTO: Screenshot ARD
Düsseldorf. Er kam nicht drum herum: Angesichts der aktuellen politischen Lage widmete sich Günther Jauch in seinem Talk am Sonntagabend erneut dem Thema Griechenland. Die Sendung machte deutlich, wie tief der Frust auf allen Seiten ist und wie tief die Gräben zwischen beiden Seiten sind. Tsipras-Berater Paraskevopoulos fällt jedem ins Wort, die anderen Gäste reagieren sichtlich genervt, und Edmund Stoiber versucht, alles niederzuschreien. Von Dana Schülbe

Das von der griechischen Regierung angekündigte Referendum und die ab dem heutigen Montag geschlossenen Banken waren Anlass und Stoff genug, um erneut über Griechenland zu talken. Das tat denn Günther Jauch auch und hatte mit Klaus Regling, dem Chef des Europäischen Rettungsfonds ESM, jemanden dabei, der direkt von den Verhandlungen berichten konnte, was dieser denn auch tat. Dass es zu keiner Einigung kommen konnte, begründet er – wie so viele vor ihm – damit, dass die griechische Regierung nur halbherzig Reformen angegangen sei. "Herr Tsipras ist ein ruhiger Verhandler", sagt er, näher gekommen sei man sich bei den Verhandlungen aber "leider" nicht.

Neben Regling waren bei Jauch die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber und der Tsipras-Berater Theodoros Paraskevopoulos zu Gast, der bereits in der vergangenen Woche in der Talkshow seinen Auftritt hatte. Durchaus eine interessante Runde, die sich jedoch in Streitereien und gegenseitigen Vorwürfen und auch gewisser Arroganz an mancher Stelle verlor.

Porträt: "Wer wird Millionär?"-Moderator und ARD-Talker FOTO: dpa, dpa

Da war Edmund Stoiber, der sich gern mal echauffiert und sich denn auch in Rage redete. "So geht es nicht weiter", schrie er förmlich in die Runde, oder auch in Richtung Paraskevopoulos: "Ihre Regierung will ein Umverteilungseuropa". Der CSU-Politiker machte mehr als deutlich, dass er die Griechen nicht mehr im Euro haben will, seine Lautstärke allerdings machte es schwer erträglich, der Runde überhaupt noch zu folgen. Zumal ihm Tsipras-Berater Paraskevopoulos auch ständig ins Wort fiel, sodass man kaum noch ein Wort verstand.

Überhaupt war es Paraskevopoulos, der sein Land derart an den Rand gedrängt und falsch verstanden fühlte, dass er den anderen Talkgästen immer wieder ins Wort fiel, um Gegenargumente zu liefern. Den Gläubigervorschlag bezeichnete auch er als Notwehr, versuchte den Eindruck zu vermitteln, dass sein Land durchaus durchhalten wird bis zum angesetzten Referendum, auch wenn die Banken geschlossen sind und auch die Staatsbediensteten noch bezahlt werden könnten.

Pressestimmen: "Die Hoffnung auf ein Aufwachen in Athen waren ohne Substanz" FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Aber auch er zeigte Nerven, nannte den ARD-Brennpunkt zu Griechenland "Propaganda", warf den EU-Institutionen "ideologische Scheuklappen und geballte Inkompetenz" vor. Auch die Regierungschefs Europas bekamen ihr Fett weg. Zum einen würden sie sich hinter Beamten verstecken und zum anderen keine Solidarität mit Griechenland zu zeigen – was Regling so natürlich nicht stehen lassen konnte und mit stoischer Gelassenheit antwortete.

"Ich weiß, sie wissen alles besser und den Griechen geht es gut", konterte denn aber auch Regling die ständigen Versuche Paraskevopoulos, den anderen das Wort abzuschneiden – was mindestens so anstrengend war wie Stoibers Gebrüll.

Der erste Tag der Bankenschließung in Griechenland FOTO: ap

Sichtlich genervt wirkte aber auch ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, die mitunter versuchte, dem Tsipras-Berater wie einem Kleinkind zu erklären, wie denn die Lage für Griechenland nun tatsächlich aussieht – was mitunter aber auch herablassend wirkte. "Das Land ist nicht mehr liquide und Sie versuchten uns klar zu machen, das nichts passiert ist", sagte sie etwa, weil sie offenbar glaubte, Paraskevopoulos nehme den Ernst der Lage nicht wirklich wahr.

Immerhin war sie es, die dann doch einen Blick in die Zukunft warf und anmerkte, dass der Fall Griechenland eben zeigte, dass es Änderungen geben müsse im europäischen System. Mit "Durchwursteln" komme man nicht mehr weiter.

Dass Griechenland Dauerthema in den TV-Talkshows ist, kommentierte dann auch Jauch am Ende der Sendung. Man versuche alles, dass man am nächsten Sonntag über etwas anderes sprechen werde, aber versprechen könne er das angesichts der aktuellen Lage nicht.

Hier können Sie die gesamte Sendung sehen.

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